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"Den Aufbruch wagen"

“Den Aufbruch wagen”

Interview mit Erzbischof Hans-Josef Becker zum Diözesantag 2020

Von Liturgie bis Leitung – sechs Themen haben es beim Diözesantag auf die Agenda geschafft. Warum ausgerechnet diese und nicht
andere? Welche Rolle spielen die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie und was hat das alles mit dem synodalen Weg zu tun? Fragen an Erzbischof Hans Josef Becker.

Erschienen ist das Interview in Ausgabe 3/2020 des erzblatts – der Zeitschrift der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen des Erzbistums Paderborn.

Redaktion

Herr Erzbischof, warum beschäftigen sich Diözesantag und Diözesanes Forum gerade mit diesen sechs Schlüsselthemen?

Erzbischof Hans-Josef Becker

Diese Themen sind ja nicht aus der Luftgegriffen. Es sind die Zukunftsthemen, die uns als Erzbistum bewegen und die natürlich auch mich persönlich sehr stark umtreiben. Wir machen uns darüber schon seit Jahren intensive Gedanken, spätestens seit dem Zukunftsbild. Einiges haben wir bereits seit der „Perspektive 2014“ gut beraten und dann auch fortentwickelt. Und, wissen Sie, ein Thema wie „Liturgie und Sakramente feiern“, das gehört natürlich zum Wesenskern unseres Glaubens. Aber wir glauben, dass diese sechs Themen jetzt noch stärker im Vordergrund stehen müssen. Sonst sind wir nicht gut für unseren Weg in die Zukunft gerüstet. Neu hinzugekommen ist das Thema „Corona und die Zukunft der Kirche“. Das liegt auf der Hand, denn ich glaube, dass die Pandemie derart stark Einfluss auf unser kirchliches Leben genommen hat, dass wir bei einem Diözesantag oder einem Diözesanen Forum nicht daran vorbeikommen. Nach Corona wird es kein „Weiter so“ geben können. Corona hat uns daran erinnert, dass wir vieles in unserem Leben und auch in der Kirche nur immer mit einem gewissen Vorbehalt tun und planen können.

Redaktion

Was ist Ihnen persönlich an diesen Themen wichtig?

Erzbischof Hans-Josef Becker

Wie gesagt, alle sechs Themen beschäftigen mich persönlich und eigentlich Tag für Tag. Und sie haben nach dem Lockdown und der Zeit danach noch einmal an Relevanz und Schärfe für uns alle gewonnen. Die Kirche ist dazu da, den Menschen die frohmachende Botschaft Jesu Christi zu bringen, den Glauben zu fördern. Welche andere Institution sollte uns das auch abnehmen? Das ist unsere Kernaufgabe. Und die sechs Themen haben alle damit zu tun. Wenn es nicht mehr darum geht, dass wir den Glauben an Tod und Auferstehung verkünden und feiern, dann braucht es uns nicht, und dann sind unsere Themen wie „Pastorale Räume neu denken“ oder „Leitung wahrnehmen“ ohne jede Relevanz. Eine solche Institution würde zwar vielleicht auch Gutes leisten und tun, wäre aber völlig ersetzbar und austauschbar. Das ist für uns der Fokus. Und darum geht es mir persönlich, um nichts anderes: Welche Mittel und Werkzeuge haben wir, den Menschen unserer Zeit Zeugnis zu geben vom Grund unserer Hoffnung?

Redaktion

Evangelisierung ist Leitkriterium für die Entwicklung des Erzbistums. Es gehört aber nicht zu den sechs Themen. Warum nicht?

Erzbischof Hans-Josef Becker

Evangelisierung ist ein großes und wichtiges Wort. Aber es kommt doch ganz konkret darauf an, was wir eigentlich darunter verstehen und in welchem Geist wir tagtäglich unterwegs sind. Sonst wird das Wort zur Leerformel. Letztlich stehen alle sechs Themen im Dienst der Evangelisierung. Vielleicht könnte man auch etwas weniger abstrakt sagen: im Dienst am Leben des Glaubens und im Glauben. Ich kann es nur noch einmal betonen: Wenn wir mit dem Zukunftsbild fragen: „Wozu bist du da, Kirche von Paderborn?“, dann muss das doch die Antwort sein: um den Glauben an Jesus Christus wach und lebendig zu halten. Ein Beispiel: Wenn wir Menschen für den Glauben gewinnen wollen, dann brauchen wir Menschen, die sich leidenschaftlich dafür engagieren. Und dann müssen wir uns beispielsweise Gedanken darüber machen, wie wir die Liturgie feiern und Sakramente spenden wollen, so dass dieser Kernvollzug unseres Glaubens möglichst viele anspricht. Oder: Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir am besten für die Menschen und ihre wirklichen Sorgen und Nöte da sein können, nämlich so, dass sie die Nähe Gottes auch in scheinbar völlig aussichtslosen und abwegigen Situationen und Phasen spüren können. So oder ähnlich könnte ich die ganze Reihe der sechs Themen durchgehen.

Redaktion

Welchen Bezug haben die Themen des Diözesantages zum Synodalen Weg in Deutschland?

Erzbischof Hans-Josef Becker

Ja, die Themen des Synodalen Weges und unsere Forumsthemen sind zwar nicht identisch, aber trotzdem eng aufeinander bezogen. Wenn wir uns etwa das Thema „Leitung“ auf die Agenda gesetzt haben, dann wird es sicher auch um „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche gehen“ – das ist ja das Thema eines Synodalforums. Und wenn wir darüber sprechen, wie wir für Menschen da sein wollen, dann gibt es eine Schnittmenge mit der Thematik „Leben in gelingenden Beziehungen“, womit sich ein anderes Synodalforum beschäftigt.

Redaktion

In einem Interview haben Sie von einer Weggemeinschaft von Bistumsentwicklung und Synodalem Weg gesprochen. Wie sieht diese heute aus?

Erzbischof Hans-Josef Becker

Ob wir uns nun in einem Bistumsentwicklungsprozess engagieren oder beim Synodalen Weg – uns verbindet ein gemeinsames Ziel: Wir wollen uns der Krise stellen, einen Aufbruch im Licht des Evangeliums wagen und Antworten auf drängende Fragen der Kirche und unseres Lebens finden. Da sehe ich eine klare Weggemeinschaft. Und aufgrund des gemeinsamen Anliegens können sich Bistumsentwicklung und Synodaler Weg ganz gut gegenseitig befruchten. Ich bin da zuversichtlich, dass sie das tun werden. Nun behandelt der Synodale Weg natürlich Themen über unsere Bistumsgrenzen hinweg – da müssen wir erst die Ergebnisse abwarten, um sie dann auf Ebene unserer Ortskirche sozusagen herunterbrechen zu können. Eines ist mir aber noch wichtig zu sagen: Seien wir doch nicht immer gleich so skeptisch und aufgeregt! Wir gehen jetzt zuversichtlich gemeinsam diese beiden Wege, in dieselbe Richtung, und am Ende wird etwas Gutes dabei herauskommen. So hoffe ich jedenfalls. Sonst ginge ich erst gar nicht mit. Und ich bin von Herzen dankbar für jeden, der mit uns geht.

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