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Arbeitssituation© Chaay_Tee / Shutterstock.com

Zahlen, Daten und Fakten zum Thema Kirchenaustritt

Auf dieser Seite finden Sie Statistiken und Forschungsergebnisse zum Thema Kirchenaustritt. Die Informationen helfen dabei, sprachfähig zu der Thematik zu sein und differenziert zu argumentieren.

Erklärungen zu den Peaks in der Statistik:

1992: Einführung des „Solidaritätszuschlags“
2010: Bekanntwerdung des Missbrauchsskandals
2014: neues Einzugsverfahren der Kirchensteuer auf Kapitalerträge
2018: Veröffentlichung der MHG-Studie zum Missbrauch
ab 2021: Schrittweise Veröffentlichungen der Missbrauchsstudien aller 27 Diözesen, begonnen mit dem problematischen Start der Veröffentlichung der Kölner Missbrauchsstudie

Die meisten Ausgetretenen gehören der jüngeren Generation an. Sie haben in den meisten Fällen schon jede Bindung zur Kirche verloren oder besaßen sie nie.

Der Altersmedian der Ausgetretenen lag im Jahr 2018 bei 32 Jahren.

Alter beim Kirchenaustritt zwischen 2018 und 2021

18-35 Jahre
evangelische Kirche: 49 Prozent
katholische Kirche: 46 Prozent

36 bis 59 Jahre
evangelische Kirche: 40 Prozent
katholische Kirche: 45 Prozent

mind. 60 Jahre
evangelische Kirche: 11 Prozent
katholische Kirche: 9 Prozent

Austrittsgründe

Oft werden der Missbrauchsskandal und Reformstau als Gründe für einen Kirchenaustritt vermutet. Das trifft nur indirekt zu. Die Kirchenaustrittsforschung unterschiedet zwischen dem Austrittsgrund und dem Austrittsanlass.

Austrittsgrund

Der tiefer liegende Grund für einen Kirchenaustritt ist in den meisten Fällen die Entfremdung zwischen Kirche und Kirchenmitgliedern sowie eine fehlende Kirchenbindung. Studien zeigen, dass sich immer weniger Menschen als kirchlich verbunden bzw. religiös erleben. Kirche und christliche Religion werden als irrelevant für das eigene Leben empfunden.

Austrittsanlass

Ein äußerer Anlass – in den meisten Fällen der Missbrauchsskandal und der Umgang damit – bewirkt dann, dass der Kirchenaustritt, der aufgrund der fehlenden Kirchenbindung meist schon länger erwogen wurde, schließlich in die Tat umgesetzt wird.

Allerdings treten tatsächlich die meisten Menschen ohne einen besonderen Anlass aus der Kirche aus, wie die letzten Studien klar zeigen.  Viele verabschieden sich in jungen Jahren zu Beginn des Arbeitslebens von der Kirche, wenn sie zum ersten Mal wahrnehmen, dass sie Kirchensteuern zahlen müssen.

Auf den Punkt gebracht:

„Selbst wenn man berücksichtigt, dass die kirchlichen Skandale durchaus zur Austrittsspitze […] beigetragen haben […] , bleibt die Frage, inwieweit sich der Trend zum offenbar anhaltend hohen Niveau der Kirchenaustritte überhaupt bremsen oder gar umkehren lässt, zumal solche Anlässe [Skandale] für die Mehrheit der Menschen, die ihre Kirche verlassen, nach den vorliegenden Ergebnissen nicht ausschlaggebend für diesen Schritt sind. Wie schon in den Ergebnissen früherer Untersuchungen kristallisiert sich in der aktuellen Studie eine persönliche Irrelevanz von Kirche und (christlicher) Religion als bedeutender Faktor für den Kirchenaustritt heraus, begleitet von einem nicht religiösen Selbstbild und einer fehlenden mentalen und handlungspraktischen Verbundenheit mit der Kirche.“ (Petra-Angela Ahrens, in: Kirchenaustritte seit 2018: Wege und Anlässe)

Umfrage Sozialwissenschaftliches Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland

Die Mehrheit der Menschen tritt ohne einen konkreten Anlass aus. Zwischen 2018 und 2021 haben 63% aller Ausgetretenen die Katholische Kirche ohne einen bestimmten Anlass verlassen. Je älter die Menschen zum Zeitpunkt ihres Austritts sind, desto häufiger wird ein konkreter Anlass genannt.

Umfrage von Statista

Eine Umfrage von Statista zu Beginn des Jahres 2022 hat ehemalige Katholiken zu ihren Austrittsanlässen befragt. Die genaue Frage lautete: „Welche dieser [angegebenen] Gründe haben Sie bewogen, aus der katholischen Kirche auszutreten?“ Das sind die Antworten:

Kirchensteuer: 62 %

Missbrauchsskandale: 47 %

Umgang mit Frauen: 40 %

Fehlender Glaube: 39 %

Weiterbestehen des Zölibats: 37 %

Umgang mit Menschen aus der LGTBQ-Community: 20 %

Anderer Grund: 27%

Weiß nicht: 3 %

Statista 2023: Umfrage vom 28.01.2022 bis 02.02.2022; 751 Befragte; Ehemalige Katholiken;

Die Kirchenaustrittsforschung zeigt, dass Kirchenaustritte und Kirchenbindung in unmittelbarem Zusammenhang stehen: Je fester sich Menschen der Kirche verbunden fühlen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie austreten. Nehmen sie zusätzlich noch regelmäßig an Gottesdiensten teil, verringert sich die Wahrscheinlichkeit eines Austritts nochmal deutlich. Allerdings steigt auch bei kirchlich Verbundenen mittlerweile die Austrittswahrscheinlichkeit etwas an.

Bei Menschen, die von 2018 bis 2021 aus der katholischen Kirche ausgetreten sind…

…bezeichneten sich zur Zeit des Austritts

  • 72 % der Befragten als kaum/gar nicht kirchlich verbunden
  • 20% als etwas verbunden
  • 8 % als sehr / ziemlich verbunden

…besuchten zur Zeit des Austritts einen Gottesdienst

  • 1 % der Befragten ein bis zwei Mal im Monat / fast jeden Sonntag
  • 70 % der Befragten nur an großen kirchlichen Feiertagen oder familiären Anlässen
  • 26 % der Befragten nie

Daten aus der Studie „Kirchenaustritte seit 2018: Wege und Anlässe“ (2022) von Petra-Angela Ahrens

Eine scheinbare Diskrepanz...

Für viele Gemeindemitglieder ergibt sich aus diesen Forschungsergebnissen eine scheinbare Diskrepanz: Sie erleben, dass mittlerweile Menschen austreten, die man aus der Gemeinde kennt.  Das scheint dem zu widersprechen, was die Studien sagen: Menschen, die keine Kirchenbindung haben, treten aus der Kirche aus.

Ein Zahlenspiel hilft, diese scheinbare Diskrepanz zu lösen:

Im Erzbistum Paderborn sind im Jahr 2022 fast 27.000 Katholiken ausgetreten. Geht man gemäß der Studie der EKD davon aus, dass sich davon ca. 8% kirchlich verbunden fühlen, so wären das 2.160 kirchenverbundene Ausgetretene. Verteilt auf die 600 Gemeinden des Erzbistums sind das zwar objektiv nicht viele Ausgetretene, aber es sind Menschen, die wir kennen. Sie sind in der Statistik kaum sichtbar, aber ihr Austritt schmerzt und fällt ins Gewicht.

 
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