logocontainer-upper
Wir-Portal
logocontainer-lower
© yanik88/Shutterstock.com

Zwischen Hierarchie und Selbstverantwortung

Online-Forum in der Reihe „Kultur im Wandel“ beschäftigt sich mit wachsender Eigenständigkeit von gemeindlichen Gremien

Wie sieht Selbstorganisation in kirchengemeindlichen Gremien zukünftig aus? Um diese Frage ging es beim jüngsten Online-Forum in der Reihe „Kultur im Wandel“ am 16. Januar 2023. Unter der Überschrift „Sonst würde hier nicht mehr laufen“ stellten Professor Dr. Oliver Reis und Lisa Hofmeister vom Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Universität Paderborn das Modellprojekt „Entwicklung der ehrenamtlichen Mitverantwortung“ vor. Beide haben das Projekt im Auftrag des Erzbistums durchgeführt.

Lisa Hofmeister gab zunächst Einblick in die Untersuchungsergebnisse des Modellprojekts, das im Jahr 2016 zusammen mit dem Erzbistum initiiert wurde. Erklärtes Ziel sei es gewesen, gemeindliche Strukturen im Hinblick auf die Selbstorganisation und Partizipation innerhalb von Gremien zu untersuchen. Dabei habe sich gezeigt: Die Gremienarbeit hat sich bereits zwangsläufig verändert und unterliegt auch weiterhin Veränderungen. Grund dafür sei im Wesentlichen die Anpassung an Entwicklungen wie Priestermangel und Kirchenaustritte. Auch die Kultur der Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen unterliege deshalb ständigen Veränderungen.

Rollenbilder aufbrechen

Wie diese Kultur aussehen könne, sei zentraler Untersuchungsgegenstand des Modellprojekts. Ein Beispiel: „In Pastoralen Räumen bilden sich Netzwerkstrukturen“, erklärt Lisa Hofmeister. Je autonomer lokale Gemeinden organisiert seien, umso auffälliger zeigten sich Abweichungen von klassischen hierarchischen Strukturen. Dies wirke sich vor allem bei der Bedeutung des Geschlechtes als Differenzmerkmal aus. Diese Merkmale würden mitunter genutzt, um Frauen auf bestimmten Plätzen zu halten, erklärt Professor Dr. Reis. Stichwort: Klassische Rollenbilder. Anders herum zeige sich, dass in Gremien, wo Hauptamtliche weniger präsent seien, hierarchische Strukturen eher aufweichten.

Auf die Frage einer Teilnehmerin, was sich ändern würde, wenn der Hauptamtliche nicht mehr die Leitung eines Gremiums inne habe, sondern lediglich ein Teil dessen sei, antwortete Professor Dr. Reis: „Wenn ein Priester zum Beispiel als Unterstützung in ein Gemeindeteam geholt wird, verändert sich auch die hierarchische Struktur.“ Je eigenständiger die Gruppe von vornherein organisiert sei, umso leichter fiele es den Hauptamtlichen, innerhalb dieser Gruppe andere Aufgaben zu übernehmen.

Ehrenamtliche Strukturen stärken

Eine andere Frage zielte auf die Gesamtentwicklung der Gremien im Erzbistum. Hier zeige sich: Jedes Gemeindegefüge ist individuell. Es sei folglich nicht möglich, einzelne Erfahrungen eins zu eins auf andere Gemeinden zu übertragen. Vielmehr spiele hier zum Beispiel eine Rolle, wie sehr Hauptamtliche die Ehrenamtlichen in Punkto Eigeninitiative unterstützen würden. Ein gelungenes Beispiel dafür sei die Fronleichnamsprozession der Gemeinde Fleckenberg, wo das Gemeindeteam eigenständig den Fronleichnamsumzug organisiert und durchgeführt hat.

„Wo Hierarchie reproduziert wird, kommt selten etwas in Gang“, weiß Professor Dr. Reis zu berichten. Daher liege es in der Verantwortung von Hauptamtlichen, ehrenamtliche Strukturen zu stärken und eine entsprechende Würdigungskultur zu etablieren. Ebenso erfordere es mittelfristig die Bereitschaft zu neuen Rollenübernahmen seitens der Ehrenamtlichen. Eine wichtige Grundvoraussetzung sei es daher, in den Dialog zu gehen und den Ehrenamtlichen Möglichkeiten aufzuzeigen, um deren Motivation zu einer gelungenen Mitverantwortung zu stärken.

Projektbericht “Modellprojekt ehrenamtliche Mitverantwortung”

Sie möchten mehr über das Modellprojekt „Entwicklung der ehrenamtlichen Mitverantwortung“ erfahren? Dann bestellen Sie den Projektbericht, der im Erzbistumsshop kostenlos als Broschüre zur Verfügung steht.

 

Reihe „Kultur im Wandel“

Die Online-Reihe „Kultur im Wandel“ möchte interessierte Menschen in den Austausch bringen und Anregungen zur Umsetzung im eigenen Umfeld bieten. Veranstaltet wurde dieser Abend vom Modellprojektteam „Entwicklung der ehrenamtlichen Mitverantwortung“ und dem Bildungs- und Tagungshaus Liborianum.

Ein Beitrag von:
Freie Mitarbeiterin

Anna Petri

Weitere Einträge

News Halleluja, endlich Schulkind

„Jedes Kind braucht einen Engel“ - Schulstart-Aktion 2024 der Initiative „1000 gute Gründe“
© Anna-Sophie Meyer/Erzbistum Paderborn
Die Auffrischungsschulung zur Prävention sexualisierter Gewalt ist alle fünf Jahre verpflichtend. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und die leitenden Geistlichen haben sich zum Thema "Macht und Ohnmacht" schulen lassen. Das Foto zeigt von links Weihbischof Matthias König, Weihbischof Josef Holtkotte, Stefan Beckmann, Referent der Koordinationsstelle Prävention, Vanessa Meier-Henrich, Präventionsbeauftragte, Offizial Hans-Jürgen Rade, Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Generalvikar Prälat Thomas Dornseifer, Regens Msgr. Dr. Menke-Peitzmeyer, Dr. Michael Werneke, Anna Meermeyer-Decking, Referentin der Koordinationsstelle Prävention, Domdechant Prälat Alfons Hardt, Matthias Micheel, Referent des Erzbischofs, und Dr. Florian Kleeberg.

News Zwischen Macht und Ohnmacht

Auffrischungsschulung zur Prävention sexualisierter Gewalt für Erzbischof Bentz und die leitenden Geistlichen des Erzbistums Paderborn
© etcetc Werbeagentur

News Kirche als Streetworkerin

Die Marktkirche Geseke konnte jetzt einjähriges Jubiläum feiern. Für Gemeindereferentin Ute Paschedag hat sich gezeigt: Das ist eine andere Form von Kirche.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit