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Vermittler zwischen verschiedenen Positionen

Interviewreihe "7 Leitsätze zur Organisationsentwicklung" mit Gregor Segin
News
13. Juli 2020

Vermittler zwischen verschiedenen Positionen

Interviewreihe "7 Leitsätze zur Organisationsentwicklung" mit Gregor Segin

Interviewreihe „7 Leitsätze zur Organisationsentwicklung“: Gregor Segin aus dem Bereich Pastorale Dienste über den Glauben im Arbeitsalltag

Wenige Monate nach Veröffentlichung des Zukunftsbildes erhielten die Mitarbeitenden im Erzbischöflichen Generalvikariat einen Satz bunter Karten mit „7 Leitsätzen der Organisationentwicklung“.  Diese Sätze zeigten eine erste Richtung an, wie der vom Zukunftsbild beabsichtigte Kulturwandel im Generalvikariat aussehen könnte.

Fünf Jahre danach fragen wir bei Abteilungsleitungen nach: Werden die Leitsätze gelebt? Wie hat sich die Kultur in unserer Behörde schon verändert? Gregor Segin, Geschäftsführer des Bereichs Pastorale Dienste, gibt Auskunft zum Leitsatz: „Wir arbeiten mit Leidenschaft für Jesus Christus und die Menschen, indem wir das Evangelium zur Geltung bringen.“

Redaktion

Sie haben die Geschäftsführung eines großen Bereichs im Generalvikariat inne. Was genau zählt zu Ihren Aufgaben?

Gregor Segin

Ich bin verantwortlich für Finanz-, Organisations- und Verwaltungsfragen. In dieser Funktion bin ich Ansprechpartner sowohl für die Kolleginnen und Kollegen im Bereich Pastorale Dienste als auch in den vielen Außenstellen, die uns zugeordnet sind. Aktuell stimme ich beispielsweise die Etatplanung 2021 für unseren gesamten Bereich mit den jeweiligen Verantwortlichen der einzelnen Abteilungen und Einrichtungen ab. Bei pastoralen Großveranstaltungen des Erzbistums wie beispielsweise den Kinderwallfahrten oder den Teilnahmen an Katholikentagen, die federführend durch unseren Bereich verantwortet werden, bin ich gemeinsam mit meiner Kollegin für die organisatorische und finanzielle Begleitung dieser Veranstaltungen zuständig.

Redaktion

Außenstellen sind zum Beispiel…

Gregor Segin

… die Dekanate, die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen, die Ausländischen Missionen und insbesondere die vielen Stellen der Kategorialseelsorge. Letztere sind oft sehr kleine Einheiten, manchmal nur eine Person.

Redaktion

Wie sehen typische Arbeitsvorgänge aus?

Gregor Segin

Als Ansprechpartner für die genannten Kolleginnen und Kollegen spielt Kommunikation natürlich eine wesentliche Rolle. Telefonate, Mails und persönliche Gesprächstermine stellen somit letztlich auch den Schwerpunkt meiner täglichen Arbeit dar. Bei diesen Kontakten geht es manchmal aber auch einfach nur um eine Vermittlung an den richtigen Ansprechpartner in unseren Fachabteilungen.

Redaktion

Der Bereich Pastorale Dienste hat im Zuge der Organisationsentwicklung gerade eine große Veränderung hinter sich. Wie hat das Ihre Arbeit beeinflusst?

Gregor Segin

In der Umstellungszeit war viel Organisation nötig, zum Beispiel die Büroplanung und die damit verbundenen Umzüge. Die Kolleginnen und Kollegen sollten ja entsprechend der neuen Abteilungsstruktur beieinander sitzen. Außerdem musste die Kostenstellensystematik an die neuen Strukturen angepasst werden, wir mussten Stellenplanveränderungen mit der Personalabteilung klären. Im Ergebnis empfinde ich die neue Struktur wesentlich klarer und nachvollziehbarer als bisher. Vorher gab es viele Stabsstellen, die direkt dem Leiter des Bereichs Pastorale Dienste zugeordnet waren und nun einer der sieben Abteilungen. Viele Abstimmungsfragen sind für mich dadurch viel strukturierter mit den jeweiligen Abteilungsleitungen möglich.

Es ist ja so, dass bei uns jeder und jede für sich eine Fachprofession oder eine bestimmte Perspektive hat. Aber es ist auch wichtig, über die eigene Perspektive hinaus in den Austausch zu kommen. Hier versuche ich gerne, zwischen Kollegen zu vermitteln.

Gregor Segin

Redaktion

Ihre Arbeit hat viel mit Zahlen, Organisation, Verwaltung zu tun. An welchen Punkten kommt der Glaube ins Spiel?

Gregor Segin

Natürlich über meine Kolleginnen und Kollegen aus den “Inhaltsabteilungen“ unseres Bereichs. Was im Erzbistum umgesetzt und angeboten wird, sehe ich durch diese Nähe jetzt viel konkreter als bei meinen früheren Stellen in der Finanzabteilung. Allerdings fand ich es auch da schon immer wieder spannend, bei Außenterminen vor Ort zu sehen, was mit Kirchensteuermitteln alles verwirklicht wird.

Redaktion

Warum haben Sie sich für einen kirchlichen Arbeitgeber entschieden?

Gregor Segin

Entscheidend dafür ist natürlich als Erstes meine Sozialisation in der Kindheit zu nennen. Kirche und Gottesdienstbesuch wurden von meinen Eltern zunächst ausdrücklich vorgegeben und vorgelebt. Später ist aber der „Funke“ übergesprungen und hat zu einer persönlichen Glaubensüberzeugung geführt. Als ich mich vor 17 Jahren beim Erzbistum beworben habe, waren mir die Verwaltungs- und Organisationsstrukturen der Kirche von Paderborn allerdings gar nicht so bekannt. Da habe ich im Vergleich zu meiner vorangegangenen Berufsausbildung zum Bankkaufmann Einiges neu erfahren können – bis heute. Und auch bei neuen Kolleginnen und Kollegen nehme ich häufig wahr, dass diese erst einmal in eine für sie besondere Welt eintauchen müssen, etwa was die Arbeitsbedingungen angeht oder die Kultur.

Redaktion

Was meinen Sie mit dieser besonderen Kultur?

Gregor Segin

Dass insbesondere der Mensch zentral in den Blick genommen wird. Das könnte zwar durchaus noch stärker geschehen als bisher, aber im Vergleich zur freien Wirtschaft steht der einzelne Mensch bei uns schon deutlich mehr im Fokus. Ich empfinde das als sehr wertschätzend. Auch die Gemeinschaft in unserem Haus erlebe ich als sehr positiv. Das geht bis hin zu freundschaftlichen Verbindungen.

Redaktion

„Mit Leidenschaft für Jesus Christus und die Menschen arbeiten“ – was bedeutet das für Sie konkret in Ihrem Arbeitsalltag?

Gregor Segin

Ich versuche generell, mich am Leben Jesu zu orientieren. Das heißt, den Menschen, so wie er ist, in den Vordergrund zu stellen und ihn auch so anzuerkennen. Und dabei zunächst einmal das Positive  zu sehen. Wenn das gelingt, wirkt sich das in der Regel auch positiv auf den Umgang miteinander aus und auch auf die Art, wie wir miteinander reden.

Redaktion

Erinnern Sie sich an Momente oder Situationen im Arbeitsalltag, von denen Sie sagen: Hier habe ich als gläubiger Mensch gehandelt?

Gregor Segin

Eben wenn es mir gelingt, den Menschen in den Vordergrund zu stellen. Oder auch, wenn ich Vermittler zwischen verschiedenen Perspektiven bin. Es ist ja so, dass bei uns jeder und jede für sich eine Fachprofession oder eine bestimmte Perspektive hat. Aber es ist auch wichtig, über die eigene Perspektive hinaus in den Austausch zu kommen. Hier versuche ich gerne, zwischen Kollegen zu vermitteln. Als ehemaliger Mitarbeiter der Finanzabteilung, der diese Perspektive selbst sehr lange inne hatte, werbe ich beispielsweise in meinem jetzigen Arbeitsbereich auch immer wieder gerne um Verständnis für diese besondere Fachsicht. Umgekehrt gilt natürlich das gleiche: Es hilft, den Bereich Pastorale Dienste zu kennen, um bei meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen hin und wieder Verständnis für pastorale Blickrichtungen zu erzeugen.

Redaktion

Gab es Momente im Arbeitsalltag, die Sie als Stärkung im Glauben erlebt haben?

Gregor Segin

Es berührt mich, wenn ich mitbekomme, wie Menschen konkret geholfen wird. Wenn zum Beispiel die Kolleginnen und Kollegen aus der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Menschen in schwierigen Situationen ganz konkret zur Seite stehen. Dasselbe gilt für die Kategorialseelsorge. In unserem Bereich erlebe ich auch, was konkrete Weltverantwortung heißt, etwa im Zusammenhang mit unserem Missionsgarten zu Libori, der als Ziel hat, Förderprojekte in der Weltmission zu unterstützen. Wenn ich auf Fotos der Förderprojekte sehe, wieviel Positives mit dem Geld entsteht, das wir sammeln, dann ist das schön und motivierend. Ganz persönlich erlebe ich auch Liturgie, geistliche Impulse oder Kirchenmusik als Stärkung im Glauben.

Redaktion

Gibt es aus Ihrer Sicht Verhaltensweisen, die ein „No go“ sind?

Gregor Segin

Es stört mich, wenn Menschen ihre eigene Perspektive absolut setzen und nicht gesprächsbereit sind. Das finde ich extrem schade und hat für mich auch nichts mit dem christlichen Glauben zu tun. Zum Christsein gehört für mich Gemeinschaft, und in der Gemeinschaft des Erzbistums Paderborn sitzen wir alle in einem Boot und machen uns gemeinsam Gedanken über die Wege, die Menschen helfen könnten. Das heißt ja nicht, dass wir alle einer Meinung sein müssen. Aber wenn sich jemand verschließt und seine eigene Meinung für die einzig richtige hält, dann führt das nicht weiter.

Redaktion

Erleben Sie auch schon einmal, dass Vorwürfe laut werden, wenn Entscheidungen, etwa über eine finanzielle Förderung, negativ ausfallen?

Gregor Segin

Sicherlich fehlt an der einen oder anderen Stelle schon mal das Verständnis. Aber auch dann sehe ich es als meine Aufgabe an zu vermitteln. Konkret möchte ich auch hier im Gespräch mit den betroffenen Menschen alle Perspektiven in den Blick bringen und dafür auch die nötige Zeit aufbringen, wohl wissend, dass trotzdem eine gewisse Enttäuschung bleiben wird. Einen Antrag ohne weitere Erklärung oder den Versuch einer Perspektivvermittlung abzulehnen, würde mich auf der Beziehungsebene von meinem Gegenüber möglicherweise so weit entfernen, dass sich dies anschließend auch negativ auf zukünftige gemeinsame Wege auswirkt.

Redaktion

Was bedeutet es für Sie als Führungskraft, das Evangelium zur Geltung zu bringen?

Gregor Segin

Verantwortung für Mitarbeitende bedeutet zunächst einmal, den konkreten Menschen zu sehen. Also nicht nur eine Person, die bestimmte Aufgaben erledigt, sondern einen Menschen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Im regulären Alltag ist es allerdings auch regelmäßig immer wieder schwierig, fokussiert auf den einzelnen Menschen einzugehen. Als ein sehr gutes Instrument erlebe ich das vor einigen Jahren eingeführte Mitarbeitendengespräch. Hierbei hat man tatsächlich die Gelegenheit, mit den Mitarbeitenden ganz frei über „Gott und die Welt“ zu reden und falls gewünscht auch persönliche Dinge zu besprechen. Sollten hierbei Konflikte zwischen dem Mitarbeitenden und dem Arbeitgeber zum Vorschein kommen, möchte ich auch in diesen Fällen sehr gerne vermitteln und für ein gegenseitiges Verständnis werben.

Redaktion

Wie sieht für Sie ein Erzbischöfliches Generalvikariat aus, das als Ganzes das Evangelium zur Geltung bringt?

Gregor Segin

Ich würde mir wünschen, dass alle Mitarbeitenden die eigenen Handlungsmöglichkeiten nutzen und zwar mit Offenheit, Freiheit, Mut und Zuversicht, damit uns die Menschen als Kirche erkennen und Kirche für sich persönlich als Stärkung erfahren. Aus meiner Sicht ist dies auch nicht nur ein Thema für die „Inhaltsabteilungen“, sondern für alle. Ich wünsche mir, dass der Mensch überall stärker in den Fokus gestellt wird, und weniger die Strukturen und die Rahmenbedingungen. Natürlich geht es nicht ohne Strukturen, aber sie sollten nicht das Maß aller Dinge oder das vorrangige Ziel sein. Wichtig wäre mir auch, dass wir als Generalvikariat bzw. Erzbistum den Menschen das Gefühl vermitteln: Wir stehen euch zur Seite, wenn ihr uns braucht. Bei uns gibt es jemanden, mit dem ihr euch über Gott und die Welt unterhalten könnt. Das größte Gut ist für mich letztlich die persönliche, innere Zufriedenheit und Gesundheit eines jeden Menschen. Dazu können wir beitragen, indem wir die uns gegebenen Möglichkeiten aktiv nutzen und die Zukunft selbständig und gemeinsam entwickeln.

Redaktion

Wo hilft Ihnen der Glaube oder das Evangelium im Ihrem Arbeitsalltag?

Gregor Segin

Die Kernhaltungen, die mir mein Glaube gibt, sind Zuversicht und Gelassnheit. Es kann ja nicht immer alles gelingen, und es gibt auch schon einmal Schattenseiten. Aber ich glaube und bin auch fest davon überzeugt, dass es am Ende weitergeht. Dass es wichtig ist, dafür eine innere Zufriedenheit zu haben, eine innere Gesundheit. Und da hilft mir persönlich mein Glaube sehr.

 
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