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Pfingsten verpflichtet

Blog-Beitrag von Weihbischof Matthias König
Rick Schroeppel / Shutterstock.com Rick Schroeppel / Shutterstock.com
Kulturwandel Blog
28. Mai 2021
Paderborn

Pfingsten verpflichtet

Blog-Beitrag von Weihbischof Matthias König

Vor wenigen Tagen haben wir Pfingsten gefeiert, das Fest des Heiligen Geistes, das Geburtsfest unserer Kirche. Die Apostelgeschichte überliefert uns das Pfingstwunder, das die Menschen der Urkirche erlebten:

Vom Himmel her hörten sie ein stürmisches Brausen, es war ihnen, als ob Feuer-Zungen auf sie herabkamen. Vom Heiligen Geist erfüllt redeten sie in anderen Sprachen, wie es der Geist ihnen eingab. Und so wurden sie von den Menschen „aus allen Völkern unter dem Himmel“ verstanden. (Apg 2, 1-13) Dieses Bild zeigt uns: Die kleine Urgemeinde, die zunächst unter sich geblieben war, war der Samen für Jesu weltumspannende Kirche, in der Verständigung trotz unterschiedlicher Sprachen gelingt – Dank dem Geist Gottes.

Gelebte weltkirchliche Verantwortung

Wir haben das Pfingstfest zum zweiten Mal unter wenig begeisternden Voraussetzungen gefeiert: Die Corona-Pandemie hat uns mürbe gemacht. Sie hat auch bei uns in Deutschland viele Todesopfer gefordert und zahlreiche Menschen in Verzweiflung, Einsamkeit und Überforderung gestürzt. Aber schauen wir trotzdem auch über den eigenen Tellerrand hinaus, auf die Welt und in die Weltkirche, wie es das Pfingstwunder uns lehrt: Die Not unzähliger Menschen rund um die Erde hat sich durch die Pandemie um ein Vielfaches verschärft. Die Lebensbedingungen in vielen Ländern lassen oft keine Hygiene- und Abstandsregeln zu, deren Einhaltung uns mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen ist – die aber dennoch bei uns teilweise immer noch hinterfragt werden.

Immer wieder erhalte ich Berichte und Hilferufe aus aller Welt. Unser Erzbistum unterstützt regelmäßig Nothilfemaßnahmen. Erst kürzlich hat Erzbischof Hans-Josef Becker  beispielsweise für die Menschen in Indien 100.000 Euro aus dem Katastrophenfonds des Erzbistums zur Verfügung gestellt.

Christus und seiner Kirche Gestalt geben

Das Pfingstwunder, das unseren Blick auf „alle Völker unter dem Himmel“ lenkt, darf nicht nur ein schönes Bild bleiben, es nimmt uns auch in die Pflicht. Deswegen möchte ich auch jetzt noch dazu aufrufen, die Pfingstkollekte Renovabis für die Menschen in Mittel- und Osteuropa zu unterstützen. Sie war auch in diesem Jahr durch die Pandemie als Kollekte in den Kirchen nur eingeschränkt möglich. Auch in den anderen Hilfswerken – Adveniat, dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, dem Kindermissionswerk “Die Sternsinger”, Misereor und Missio – machen viele Frauen und Männer auf der ganzen Welt Gottes Geist spürbar. Ich möchte dazu einladen, diese Arbeit je nach eigener Möglichkeit zu unterstützen – das ist ein gelebtes Stück weltkirchlicher Verantwortung im Geist von Pfingsten.

Ein weiterer Punkt liegt mir sehr am Herzen, wenn ich in der gegenwärtigen Zeit an die Geburtsstunde unserer Kirche denke, die als katholische Kirche eine allumfassende Weltkirche ist. Als Bischofsvikar für die Weltmission durfte ich schon an vielen Orten dieser Erde erleben, wie vielfältig Glaube aussehen kann – unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, aber vielfach lebendig und unter dem guten Geist Gottes. Papst Franziskus lädt immer wieder dazu ein, voneinander zu lernen. Darum ruft er zu einem Synodalen Weg, der den Austausch innerhalb der Weltkirche fördern und fruchtbar machen soll.

Ich wünsche mir, dass aller Austausch und Dialog auch weiterhin unter Gottes gutem Geist stehen. Und ich wünsche mir, dass wir auch hier unseren Horizont weiten: Unser Bezugspunkt darf nie ausschließlich das sein, was wir für das Beste für uns selbst halten. Unser Bezugspunkt muss Jesus mit seiner froh machenden Botschaft sein. „Da schreitet Christus durch die Zeit in seiner Kirche Pilgerkleid“, singen wir jedes Jahr zu Pfingsten. Nehmen wir den Pfingst-Geist mit und geben wir gemeinsam Christus und uns als seiner Kirche in dieser Zeit Gestalt, immer wieder neu, an vielen Orten, mit Blick über den eigenen Horizont hinaus. Ein Herr, eine Kirche. Ein Leib und viele Glieder.

 

Ihr Weihbischof Matthias König

Über den Autor

Matthias König empfing die Bischofsweihe am 5. Dezember 2004 gemeinsam mit Weihbischof Manfred Grothe durch Erzbischof Hans-Josef Becker. Als Leitwort wählte er „Omnia in nomine Jesu Domini“ – „Alles im Namen Jesu, des Herrn“. Als Bischofsvikar ist Weihbischof König für die Aufgaben der Weltkirche und Weltmission sowie für Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften des apostolischen Lebens zuständig. Darüber hinaus ist er Mitglied in der Kommission Weltkirche (X) der Deutschen Bischofskonferenz und in deren Unterkommission für Lateinamerika (insbesondere Adveniat) sowie in der Migrationskommission (XIV). Zudem hat Weihbischof König das Amt des Delegierten der Deutschen Bischofskonferenz für die deutschsprachigen Auslandsgemeinden inne.

 
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