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Menschenverachtung entgegentreten

Wie pädagogische Arbeit verhindern kann, dass Ablehnungshaltungen entstehen und sich verfestigen
News
27. Februar 2020

Menschenverachtung entgegentreten

Wie pädagogische Arbeit verhindern kann, dass Ablehnungshaltungen entstehen und sich verfestigen

Schwerte/Paderborn, 27.02.2020 (cpd) – Ein fachbereichsübergreifendes pädagogisches Konzept zur Bekämpfung von Ausgrenzung und Abwertung hat Prof. Dr. Kurt Möller von der Hochschule Esslingen bei einer Fachtagung des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn präsentiert. „Haltungen wie Respekt fallen nicht vom Himmel“, erklärte Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig bei der Veranstaltung zum Thema „Menschenverachtung entgegentreten“ in Schwerte. In den Diensten und Einrichtungen der Caritas erlebe man sowohl, dass Klienten ausgegrenzt und abgewertet würden, als auch, dass Klienten selbst andere Menschen und Gruppierungen ablehnen und ausgrenzen. Gerade für die Caritas, die die Gottesebenbildlichkeit des Menschen betone, sei dies „in keiner Weise hinnehmbar“, sagte Lüttig. Bei der Bekämpfung von Menschenverachtung habe deshalb die soziale und pädagogische Arbeit eine besondere Verantwortung.

Als ein Mittel zur Bekämpfung von demokratiefeindlichen Haltungen, die ein respektvolles Miteinander bedrohen, stellte Prof. Dr. Kurt Möller ein „lebensweltnahes“ Konzept vor, das berücksichtigt, wie politische Haltungen biographisch zustande kommen, und welche Rolle dabei zum Beispiel die Familie oder Freundeskreise spielen. Es gehe darum zu erklären, wie undifferenzierte und verallgemeinernde Ablehnungen von Gruppierungen, Weltanschauungen oder Religionen entstehen, sagte Möller.

Ablehnungshaltungen würden sich häufig auf Krisenerscheinungen in der Gesellschaft beziehen, etwa auf die ungleiche Verteilung von Wohlstand und gesellschaftlichen Gütern, die Krise politischer Repräsentation oder den mangelnden gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ablehnungshaltungen von Jugendlichen seien weniger von Ideologie geprägt, als vielmehr bezogen auf Aspekte der eigenen Lebenswelt, wie Musikstile oder „natio-ethno-kulturelle Hintergründe“. Deshalb sei es für die Sozialpädagogik wichtig, in den Blick zu nehmen, wie Ablehnungshaltungen entstehen, und wo die Einfallstore liegen für menschenverachtende Erklärungsmuster, nationalstaatliche Rückbesinnung oder Rückgriffe auf Konstruktionen wie „Volksgemeinschaft“.

Begünstigt würden Ablehnungshaltungen von einer Reihe von persönlichen Faktoren, erklärte Prof. Möller. Dazu gehörten enttäuschte Erwartungen bei der Lebensgestaltung, ein Mangel an Kontrolle über das eigene Leben, mangelnde Zugehörigkeit und Teilhabechancen, Schwierigkeiten bei der Integration sowie fehlende Sinnerfahrung. Dazu komme, dass das Selbstbewusstsein und die Sozialkompetenz oft nicht so weit entwickelt seien, dass Jugendliche in ausreichendem Maße Resistenzen gegen pauschalierende Ablehnungskonstruktionen aufbauen könnten. Wenn Jugendliche dann einfache Lösungen und Erklärungen präsentiert bekämen, seien sie für extreme Positionen anfällig.

Entgegenwirken könne die Sozialarbeit, indem sie Jugendlichen helfe, Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen. „Anderen Respekt zu bezeugen, fällt Menschen leichter, denen selbst Interesse, Anerkennung und Respekt entgegengebracht wird“, sagte Möller. Wenn Jugendliche respektvoll angesprochen und integriert würden, und ihnen zudem Selbstbewusstsein und Sinn vermittelt werde, beuge dies pauschalen Ablehnungshaltungen und antidemokratischen Tendenzen vor.

Ziel pädagogischer Arbeit müsse es deshalb sein, die Sinnhaftigkeit bestimmter Werte wie soziale Gleichheit, Gleichwertigkeit, Fairness und Gerechtigkeit zu vermitteln, mit Jugendlichen die Gründe für abwertende Haltungen zu erarbeiten und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihren Alltag so gestalten können, dass er als sinnvoll erfahren werde, so Prof. Dr. Kurt Möller.
In einer abschließenden Gesprächsrunde betonte Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig, dass im pädagogischen Umgang mit Jugendlichen mehr Geduld notwendig sei. Caritas müsse in ihren Einrichtungen und Diensten Menschen so nehmen, wie sie sind. Andererseits müsse Caritas aber auch entschieden Position beziehen und Flagge zeigen. Gleichzeitig müsse sie sich ihres Profils als katholische Einrichtung sicher sein, um Klienten bei der Sinnsuche helfen zu können.

 
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