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Höre und neige deines Herzens Ohr

Blog-Beitrag von Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB
Kulturwandel Blog
29. Januar 2020

Höre und neige deines Herzens Ohr

Blog-Beitrag von Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB

Am Donnerstag beginnt in Frankfurt am Main die erste Versammlung des Synodalen Weges, zu dem die katholische Kirche in Deutschland aufgebrochen ist. Insgesamt 230 Menschen aus allen deutschen Bistümern gehören dieser Synodalversammlung an. Sie beraten die Voten des Synodalen Weges an Papst Franziskus und die Bischöfe – das ist eine hohe Verantwortung, die diese Frauen und Männer stellvertretend für alle Katholikinnen und Katholiken in Deutschland gemeinsam tragen.

Erzbischof Hans-Josef Becker und wir Weihbischöfe sind Mitglieder der Synodalversammlung, ebenso wie zwölf weitere Frauen und Männer, die in unserem Erzbistum wohnen und hier ihren Glauben leben. Sie stehen für die vielen Menschen in den Pfarrgemeinden, Verbänden, Gruppen oder Einrichtungen, die in ihren jeweiligen Funktionen „Katholisch sein“ konkret erfahrbar machen.

„Wir sind der Synodale Weg“

Die Foto-Aktion „Wir sind der Synodale Weg“ auf der Homepage www.synodalerweg.de macht das eindrucksvoll sichtbar: Schauen Sie doch mal rein, wie viele Menschen dem Synodalprozess ihr Gesicht geben – oder werden Sie selbst Teil dieser Aktion. Besonders freue ich mich, dass auch drei junge Menschen unter dreißig unser Erzbistum in der Synodalversammlung vertreten. Denn der Glaube ist ja nichts, auf das nur ältere oder vermeintlich erfahrene Christinnen und Christen ein Monopol haben.

Viele Wünsche und Erwartungen

Auf meiner Visitationsreise durch das Dekanat Lippstadt-Rüthen bin ich in den vergangenen Wochen vielen Menschen und ihren Erwartungen an den Synodalen Weg begegnet. Die Hauptschlagworte dabei waren natürlich die Themen, die auch in den Synodalforen behandelt werden: Macht in der Kirche, Sexualmoral, Priesterliche Existenz und die Rolle der Frau. Auch eine Postkartenaktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend hat mit über 600 Rückmeldungen „Wünsche, Ideen und Forderungen für die Zukunft unserer Kirche“ zum Ausdruck gebracht.

Ordensregel als Handlungsmaxime

Natürlich können Wünsche – oder gar Forderungen – den Synodalen Weg als Anregung zum Mitdenken begleiten. Dennoch erschrecken mich viele dieser festen Erwartungen. Als Ordenschrist denke ich in diesem Zusammenhang an unsere benediktinische Ordensregel. Im Prolog begegnen mir zwei Handlungsmaxime für das Miteinander der Synodalen: „Höre“ und „Neige das Ohr deines Herzens“. Diese Aufforderungen sind nicht nur für mich als Benediktiner Leitworte. Vielmehr bin ich überzeugt davon, dass es uns allen auf dem Synodalen Weg gut zu Gesicht steht, danach zu handeln: aufeinander zu hören, miteinander zu reden – und erst dann eine Entscheidung zu treffen. Wir haben ja noch gar nicht angefangen mit der Arbeit, aber viele haben sich meines Erachtens dennoch schon ein fertiges Bild gemacht.

Kirche ist mehr als ein Verein

Deshalb hoffe ich darauf, dass wir bereit sind, möglicherweise vorgefertigte Bilder in unseren Köpfen zu öffnen und über die entscheidenden Fragen unseres Glaubens und unserer Kirche in Dialog zu kommen. Kirche ist eben mehr als nur ein Verein, bei dem per Mehrheitsentscheid Dinge schnell verhandelt und entschieden werden können. In der Kirche geht es nicht nur um eine Tagesordnung, die abgehakt werden kann. Kirche hat immer einen „Mehr-Wert“ – und der liegt in der Person Jesu Christi und in seinem Evangelium. Ich vertraue auf das, was in meinem bischöflichen Wahlspruch zum Ausdruck kommt: „Per Christum congregamur“ – „Durch Christus werden wir zusammengeführt“.

Der Weg ist richtig

Der Synodale Weg, der gemeinsame Aufbruch, das miteinander Ringen – all das ist richtig. Unsere Ansichten und Standpunkte mögen verschieden sein – das soll und darf so sein. Aber sorgen wir auch dafür, dass das Hören und Neigen unseres Herzens zum Gegenüber Maßstab und die Leitschnur bleiben. Vertrauen wir auf das Wirken des Heiligen Geistes. Und trauen wir nicht nur unserer eigenen Überzeugung, sondern auch Gott etwas zu.

In dieser Hoffnung fahre ich zur ersten Synodalversammlung und wünsche nicht nur allen dort Mitwirkenden Gottes Segen für ihr Miteinander, sondern auch Ihnen, die Sie hier im Erzbistum Paderborn vor Ort den Synodalen Weg begleiten und um Gottes Geist beten.

Ihr Weihbischof Dominicus

Zum Autor

Am 6. Oktober 2001 wurde Dr. Dominicus Meier OSB Abt der Benediktiner-Abtei Königsmünster in Meschede. Dieses Amt hatte er zwölf Jahre inne, bevor er am 1. September 2013 die neue Aufgabe als Offizial des Paderborner Erzbischofs antrat.

Papst Franziskus ernannte ihn am 15. Juli 2015 zum Titularbischof von Castro di Sardegna und zum Weihbischof in Paderborn. Seine Bischofsweihe erfolgte am 27. September 2015 durch Erzbischof Hans-Josef Becker. Weihbischof Dominicus hat das Leitwort „Per Christum congregamur“ – „Durch Christus werden wir zusammengeführt“ – gewählt. Er ist Mitglied der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste (IV) sowie der Migrationskommission (XIV) der Deutschen Bischofskonferenz. Zudem ist Weihbischof Dominicus Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Gläubigen der mit Rom verbundenen Ostkirchen.

 
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