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Für unser gemeinsames Haus sorgen

Ideen zur Ausgestaltung der Schöpfungszeit im Erzbistum Paderborn
Natnan Srisuwan / Shutterstock.com Natnan Srisuwan / Shutterstock.com
News
03. September 2021

Für unser gemeinsames Haus sorgen

Ideen zur Ausgestaltung der Schöpfungszeit im Erzbistum Paderborn

Online-Forum des Liborianums am 30. August 2021

Der Abend steht dieses Mal ganz im Zeichen der Schöpfungszeit. Christinnen und Christen weltweit sind vom 1. September bis zum 4. Oktober dazu aufgerufen, für die Schöpfung zu beten und sich für ihre Bewahrung einzusetzen. Die Online-Diskussion stellt vor diesem Hintergrund Themen wie „christliche Schöpfungsverantwortung“ und „Nachhaltigkeit“ in den Fokus. Vier Expertinnen und Experten unterschiedlicher Konfessionen und beruflicher Hintergründe zeigen auf, wie sich der Einsatz für eine nachhaltige Lebensweise schon im kleinen Rahmen bemerkbar macht, und was der Einzelne konkret tun kann, um seinerseits einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten.  Dafür erzählen sie von verschiedenen best practice-Beispielen, die sich auch im Rahmen der Schöpfungszeit in allen kirchlichen Gemeinden und Gruppen umsetzen lassen.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßt Maximilian Schultes, der als Moderator durch den Abend führt, die Referentinnen und Referenten und die rund fünfundzwanzig Teilnehmenden aus dem ganzen Erzbistum, die sich auf der Online-Plattform im Chat mit ihren Fragen und Impulsen ebenfalls in die Diskussion einbringen können. Danach stellen sich die vier Expertinnen und Experten vor, die auf dem Podium von ihren Erfahrungen berichten werden:

Laudato Si-Wanderungen

Leonie Jedicke, Referentin für Kompetenz und Profilbildung im Caritas-Diözesanverband, bietet mit den Laudato Si-Wanderungen eine konkrete Anregung zum Aufgreifen der Schöpfungszeit. Dahinter verstecken sich themenbezogene Touren durch das Bistum, durch welche man die Möglichkeit bekommt, die Natur aktiv zu erleben. Mit diesem überkonfessionellen spirituellen Angebot des Caritas-Diözesanverbandes an seine Mitarbeitenden haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, verschiedene Bereiche der Natur, ihre Vielfalt, aber auch die Spuren des menschengemachten Klimawandels ganz individuell zu entdecken. Dadurch soll ein neues Bewusstsein geschaffen werden, um auf diese Weise dazu anzuregen, sich ganz persönlich für den Erhalt der Schöpfung einzusetzen.

Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit

Ein ganz ähnliches Angebot stellt Christian Graf, evangelischer Diakon am Institut für Kirche und Gesellschaft vor. Am 14. August startete der 5. Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit, der die Welt-Klimakonferenz von Katowice im Jahr 2018 durch einen Zuweg aus Polen mit der schottischen Stadt Glasgow verbindet, wo in diesem Jahr die Welt-Klima-Konferenz stattfinden soll. Auf diesem Weg, der zwischen dem 16. und 21.09.21 von Beverungen über Detmold und Bielefeld auch durch das Erzbistum Paderborn führt, mitzugehen, dazu seien alle Christinnen und Christen herzlich eingeladen. Im Rahmen des Pilgerweges gebe es zudem ganz unterschiedliche Bildungsveranstaltungen, so Graf weiter, durch welche ihrerseits das Bewusstsein für die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit geschärft werden soll.

Die Schöpfungsverantwortung unbedingt aus globaler Perspektive begreifen

Susanne Föller als Leitung des Teams Weltmission im Erzbischöflichen Generalvikariat bringt an diesem Abend die weltkirchliche Perspektive in den Dialog mit ein. Man müsse die Schöpfungsverantwortung unbedingt aus globaler Perspektive begreifen, so Föller. Gerade vor dem Hintergrund, dass Länder des Globalen Südens nicht in erster Linie für den menschengemachten Klimawandel verantwortlich seien, gelte es, die eigene Verantwortung zu reflektieren und anwaltschaftlich zu handeln.

Die Verantwortung der Einzelnen im Fokus

Auch Christian Machold, seit dem 1. Mai 2021 Klimaschutzmanager im Erzbischöflichen Generalvikariat, stellt die Verantwortung der Einzelnen in den Fokus. Zwar sei es wichtig, ganz konkret bei sich selbst zu schauen, wie man der Schöpfungsverantwortung gerecht werden könne. Gleichzeitig wäre es aber ebenso wichtig, ein Gespür dafür zu entwickeln, was um einen herum geschehe. Es gelte mit positivem Beispiel voranzugehen, um auf diesem Wege andere Menschen zu motivieren und für den Klimaschutz und die Eigenverantwortung zu begeistern. Das Erzbistum selbst nehme seine Schöpfungsverantwortung daher ebenfalls aktiv war, wie man anhand des in 2019 verabschiedeten Klimaschutzkonzeptes und der gegenwärtigen Planungen zur Einrichtung eines diözesanen Klimaschutz-Fonds erkennen könne.

Die Natur mit allen Sinnen erfassen

An diesem Punkt würden auch die Laudato Si-Wanderungen ansetzen, bemerkt Leonie Jedicke im nachfolgenden Gespräch. In dem jeder Einzelne ganz praktisch die Möglichkeit bekäme, die Natur auf diesem Weg mit allen Sinnen zu erfassen, würde zum einen ein individuelles Bewusstsein für den Wert unserer Umwelt geschaffen. Zum anderen biete die Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten eine gute Möglichkeit, Parallelen zwischen der Natur und unserer Gesellschaft zu entdecken. „Wenn wir uns die Frage stellen, wie wir mit der Vielfalt der Arten in der Natur umgehen, liegt die Frage nach dem Umgang mit der Vielfalt in unserer Gesellschaft nahe“, so Jedicke. Durch die Wanderungen könne ein kollektives Bewusstsein dafür geschaffen werden. Um davon ausgehend wiederum Zusammenhänge zum eigenen Lebensstil aufzuzeigen, und sich die Frage nach der christlichen Verantwortung des Einzelnen zu stellen.

Schöpfungsverantwortung beginnt im Kleinen

Der Meinung ist auch Christian Graf. Schöpfungsverantwortung müsse im Kleinen beginnen, wenn man als Gemeinschaft etwas verändern wolle. Jeder könne für sich schauen, was er ganz individuell in seinem Verhalten ändern kann. Dies beginne schon bei mehr Bewusstsein für den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf.

Darüber hinaus könne man sich dann die Frage stellen, wie man als Kirche und Gemeinde Einfluss nehmen könne, um davon ausgehend langsam einen Weg zur globalen Verantwortung zu schaffen. Auf dem diesjährigen Klima-Pilgerweg gebe es solche Anregungen zum Beispiel in Form von sogenannten Kraftpunkten, um positive Entwicklungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit hervorzuheben, die es stark zu machen gelte. Dies sei zum Beispiel die Zunahme der Photovoltaik im privaten Bereich.

Das persönliche Erlebbarmachen oder Pilgerfahrten biete eine gute Möglichkeit, sich über Zusammenhänge in Ökologie und Gesellschaft bewusst zu werden, sind sich Graf und Jedicke einig. „Je mehr man versteht, umso mehr ist man auch bereit, sich dafür einzusetzen“, so die Referentin des Caritas-Verbandes.

Zusammenhang von persönlichem Glauben und politischem Handeln

Zu den weiteren Themenfeldern, die an diesem Abend im Fokus stehen, gehört auch die Frage nach dem Zusammenhang von persönlichem Glauben und politischem Handeln. Kirchen hätten per se eine große Verantwortung zur Bewahrung der Schöpfung, so Christian Graf, dennoch sei die Politik angehalten, mit positivem Beispiel voranzugehen und durch Entscheidungsfindungen, zum Beispiel im Bereich der Massentierhaltung, ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz zu setzen.

Kirche wiederum habe durch ihre zentrale Rolle, die sie in der Gesellschaft einnimmt, die Möglichkeit, auch auf die Politik einzuwirken, ist sich Christian Machold sicher, und müsse ihre Position und die daraus resultierende Verantwortung in jedem Falle wahrnehmen.

Was man ganz persönlich tun kann

Zum Abschluss der Veranstaltung wirft Moderator Maximilian Schultes die Frage in den Raum, was man als engagierter Christ ganz persönlich im Kontext der Schöpfungszeit tun könne?

Antworten gibt es einige. Anknüpfungspunkte müssten vor allem auf lokaler Ebene gefunden werden. So sind die Durchführung einer Laudato-Si-Wanderung, die Ausgestaltung eines Gottesdienstes mit Materialien zu fairem Handel oder der Schöpfungsverantwortung sowie das etappenweise Mitgehen auf dem Klimapilgerweg konkrete Anknüpfungspunkte, die sich in jeder Gruppe und Gemeinde umsetzen lassen. Zudem bestehe die Möglichkeit, entsprechende Petitionen, beispielsweise beim kirchlichen Hilfswerk MISEREOR,  zu zeichnen.

Die Schöpfungszeit lebe letzten Endes davon, dass wir als Christen Verantwortung übernehmen würden und für die Bewahrung der Schöpfung einträten, ist sich Leonie Jedicke sicher und führt zum Ausklang des Abends noch ein Zitat von Papst Franziskus aus seiner Enzyklika Laudato Si auf, das allen Engagierten Kraft für dein weiteren Weg geben will:

„Mögen unsere Kämpfe und unsere Sorgen um unseren Planeten uns nicht unsere Freude und unsere Hoffnung nehmen.“

Einladung

Die Online-Seminarreihe „Kultur im Wandel“ bietet einen Diskussionsraum, in dem erfahrene Praktikerinnen und Praktiker kurze Impulse aus ihren Tätigkeitsfeldern geben. Veranstaltet wird dieses Online-Forum von der Abteilung „Glauben im Dialog“ in Kooperation und Trägerschaft des Bildungs- und Tagungshauses Liborianum. Eine Besonderheit ist, dass sich alle Teilnehmenden im Chat mit ihren Fragen und Perspektiven in das Gespräch der Podiumsgäste einbringen können. Mit einer Veranstaltung zur Ausgestaltung der Schöpfungszeit meldete sich die Seminarreihe nun aus der Sommerpause zurück.

Herzliche Einladung zur nächsten Veranstaltung:

Online-Forum: “Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun”

Interreligiöser Dialog in Aktion

27.09.2021  19:00 Uhr – 20:00 Uhr

Die Teilnahme ist kostenfrei!

 
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