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Auftaktveranstaltung

Es braucht Vertrauen, Mut und klare Regeln

Auftaktveranstaltung „Gemeinsam leiten – Verantwortung teilen“ zu Leitungsmodellen für Pastorale Räume im Erzbistum Paderborn

Es wäre schön, wenn 30 bis 40 Personen an der Auftaktveranstaltung „Gemeinsam leiten – Verantwortung teilen“ teilnehmen würden – so waren die ersten Überlegungen des Vorbereitungsteams. Über 200 Menschen kamen am Samstag, 6. Mai, in das Hotel Vivendi in Paderborn und verdeutlichten damit, wie wichtig das Thema Leitung derzeit im Erzbistum Paderborn ist. Ziele der Veranstaltung sollten sein Leitungsmodelle im Erzbistum kennenzulernen, zu verstehen und weiterdenken, von Praxiserfahrungen konkreter Leitungsmodelle zu profitieren und Umsetzungsmöglichkeiten auf den Weg zu bringen.

Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB verdeutlichte zu Beginn, dass angesichts des Priestermangels und des weniger werdenden Personals und Engagements es dringend nötig sei über neue Leitungsmodelle nachzudenken. Gleichzeitig gäbe es viele hauptberuflich, hauptamtlich oder ehrenamtlich Engagierte, die leiten können und dies auch wollen. Gemeinsame Leitungsmodelle bieten da große Chancen. Im Zielbild 2030+ heißt es dazu: „Wir gewinnen Zukunft, wenn wir bei Entscheidungsprozessen haupt- und ehrenamtlich Engagierte einbeziehen und die Selbstorganisation stärken. In unseren komplexen Lebenswelten nimmt so die Entscheidungsqualität zu.“ (S.7) Doch dies gelinge „nur mit gegenseitigem Vertrauen, klaren Regeln und einer ehrlichen Feedbackkultur.“

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Wir suchen nicht das Paderborner Modell

Das Veranstaltungsteam rund um Dr. Rainer Hohmann, Leiter der Abteilung Personalentwicklung pastorales Personal, und Alina Sivaraj, Referentin für Pastorale Planung und Entwicklung im Erzbischöfliches Generalvikariat, machte deutlich, dass das Projekt „Gemeinsam leiten – Verantwortung teilen“ nicht „das Paderborner Modell“ suche, das überall ausgerollt wird, sondern es verschiedene Leitungsmodelle geben soll. „An vielen Stellen wird im Erzbistum Paderborn bereits gemeinsam geleitet“, sagt Alina Sivaraj. „Wir sehen daher, dass gemeinsame Leitung möglich ist, verstehen das Projekt aber durchgehend als einen Lernweg für alle Ebenen. Das bedeutet, auch das Projektteam versteht sich selbst als Lernende, die sich mit einer gemeinsamen Idee auf den Weg machen.“ Dr. Rainer Hohmann ergänzt: „Da wir die Antworten auf viele Fragen noch nicht haben, starten wir dieses Projekt und suchen motivierte Pastorale Räume, Teams und Personen, die sich mit uns auf den Lernweg begeben.“

Insgesamt wurden auf der Auftaktveranstaltung sieben Modelle vorgestellt, die allesamt im Kirchenrecht ausdrücklich vorgesehen sind. Sie sollen helfen zu klären, wer leiten darf, muss, möchte und kann. Die Modelle teilen Verantwortung und auch Macht verbindlich und transparent, ohne zu zentralisieren.

Hier eine Übersicht über die verschiedenen Leitungsmodelle:

1. Gemeinsame Leitung im Pastoralen Raum

a. auf ein Territorium bezogen (z. B. Gemeindeteams)
b. auf ein Thema bezogen (z. B. Schwerpunkte, Projekte)

2. Gemeinsame Leitung des Pastoralen Raumes

a. Pfarrer + Verwaltungsleitung
b. Pfarrer + Verwaltungsleitung + Pastorale Koordination*
c. Leitung in solidum (mehrere Priester) nach can. 517,1 + VL
d. Leitung des Raumes durch einen Pfarrbeauftragten oder eine Pfarrbeauftragte mit moderierendem Priester nach can. 517,2 + VL
e. Ehrenamtliche beteiligen sich an der Leitung des Pastoralen Raumes

Leitung kann ganz unterschiedlich aussehen

Zuerst ist es wichtig zu unterscheiden, dass es die gemeinsame Leitung IM Pastoralen Raum gibt und die gemeinsame Leitung DES Pastoralen Raumes. Die gemeinsame Leitung IM Pastoralen Raum kann territorial oder thematisch geschehen (1a und 1b). Beide haben gemeinsam, dass das Leitungsteam aus Pfarrer, Verwaltungsleitung und dem Pastoralteam besteht. Bei der territorialen Struktur führen darüber hinaus Ehrenamtliche und Hauptberufliche einzelne Gemeinden oder Kirchstandorte. Bei der thematischen Struktur betreuen Ehrenamtliche und Hauptberufliche einzelne Themen wie beispielsweise die Firmvorbereitung oder die Familienpastoral für den gesamten Pastoralen Raum. Die Entscheidung über die gemeinsame Leitung IM pastoralen Raum kann vor Ort eigenständig entschieden werden. Für die im Folgenden skizzierten Modelle 2 braucht es jedoch die Zustimmung aus dem Generalvikariat.

Denn die gemeinsame Leitung DES Pastoralen Raumes kann vielfältiger ausfallen. Das Modell 2a, welches den bisherigen Standard im Erzbistum abbildet, sieht ein Leitungs-Duo aus Pfarrer und Verwaltungsleitung vor, das seinerseits eingebettet ist in ein Pastoralteam. Im Modell 2b kommt noch eine Pastorale Koordination* hinzu. Diese Person entwickelt und koordiniert ein Netzwerk verschiedener pastoraler Systeme („Erlebnisfelder“). Zudem soll sie zu einer kommunikativen Atmosphäre beitragen, in der Engagierte ihre Charismen einbringen können. Modell 2c bildet eine solidarische Leitung ab, in der es nicht einen leitenden Pfarrer gibt, sondern ein leitendes Pfarrerteam. Hier werden mehrere Priester zu Teampfarrern für den gesamten Pastoralen Raum ernannt.

Neue Wege gehen

Die Leitungsmodelle 2d und 2e beschreiben ganz neue Wege ohne einen leitenden Pfarrer im Leitungsteam. Da die Leitung eines Pastoralen Raumes rechtlich aber nicht ohne Priester möglich ist, gibt es in diesen Modellen einen sogenannten moderierenden Priester. Dieser trägt die kirchenrechtliche Verantwortung, aber sitzt möglicherweise gar nicht im Pastoralen Raum, sondern ist in einer anderen Einrichtung eingebunden oder Ähnliches. Dennoch hat er die Verantwortung für die Feier der Sakramente, das Taufrecht und die allgemeine Trauvollmacht und unterstützt und begleitet die haupt- und ehrenamtlichen Verantwortungsträgerinnen und -träger. Er muss jedoch nur punktuell im Pastoralteam und in Gremien anwesend sein.

In Modell 2d kommt noch eine neue Rolle hinzu: der oder die Pfarrbeauftragte. Diese Person verantwortet die Umsetzung pastoraler Zielsetzungen, übernimmt liturgische Aufgaben und nimmt an der Pfarrerkonferenz teil. Der Dienstvorgesetzte für die Pfarrbeauftragte oder den Pfarrbeauftragten ist der Erzbischof. Modell 2e unterscheidet sich in der Hinsicht, dass die Stelle des oder der Pfarrbeauftragten durch ein Team aus Ehrenamtlichen ersetzt wird. Beide Modelle, 2d und 2e, gibt es bisher im Erzbistum Paderborn nicht, aber in unseren Nachbarbistümern Essen, Münster und Osnabrück. Mit diesen ist das Erzbistum im regen Austausch und profitiert von deren Erfahrungen. Daher waren auch Vertreterinnen und Vertreter aus diesen Bistümern bei der Auftaktveranstaltung zu Gast und haben als Expertinnen und Experten in Gesprächsrunden zur Verfügung gestanden.

Diese Expertinnen und Experten waren vor Ort:

Für Leitungsmodell 1a:
  • Rainer Beckmann, Dekanat Märkisches Sauerland, Projekt „Entwicklung der ehrenamtlichen Mitverantwortung“
  • Prof. Dr. Dr. Oliver Reis, Universität Paderborn, Projekt „Entwicklung der ehrenamtlichen Mitverantwortung“
  • Pater Werner Vullhorst OSB, Pastoraler Raum Arnsberg, Projekt „Entwicklung der ehrenamtlichen Mitverantwortung“ in Arnsberg
Für Leitungsmodell 1b:
  • Dominik Mutschler, Pastoraler Raum Witten, Auf dem Weg von der Leitung im Raum zur Leitung des Raumes
  • Christina Bolte, Pastorlaer Raum Warburg, Leitung des familienpastoralen Schwerpunkts
Für Leitungsmodell 2b:
  • Klaus Junghans, Pastoraler Raum Lippe-Detmold, Pastorale Koordination*
  • Josef Tempelmann, St. Ludgerus Schermbeck im Bistum Münster, Gemeinsame Leitung aus Sicht eines Ehrenamtlichen
  • Desirée Kaiser, St. Ludgerus Schermbeck im Bistum Münster, Gemeinsame Leitung aus Sicht einer Pastoralreferentin
Für Leitungsmodell 2d:
  • Sandra Schnell, St. Matthäus Altena im Bistum Essen, Pfarrbeauftragte
  • Dr. Wilfried Prior, Bistum Osnabrück, Umsetzung von Projekten gemeinsamer Leitung im Bistum Osnabrück

Bewerbung zum Projekt

Die Teilnehmenden konnten sich für zwei Expertenrunden entscheiden und sich in diesen für jeweils 45 Minuten austauschen und ihre eigenen Fragen einbringen. Mit diesen neu gewonnenen Erfahrungen wurde im anschließenden Plenum das anstehende Projekt mit seinen Rahmenlinien vorgestellt. Beginnen soll es im Herbst 2023 und über drei Jahre andauern. Gesucht werden jetzt rund sechs motivierte Pastorale Räume, die sich mit dem Erzbistum auf den Weg machen wollen und neue Leitungsformen gemeinsam weiterentwickeln und erproben möchten. Engmaschig begleitet werden die Pastoralen Räume dabei von kompetenten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern. Wenn das Projekt für Ihren Pastoralen Raum interessant klingt, können Sie bis zum 21. Juli 2023 eine schriftliche Bewerbung einreichen. Voraussetzung ist die ausdrückliche Zustimmung von Pfarrer, Pastoralteam, Verwaltungsleitung und Gremien.

„Gemeinsame Leitung wird eine der wichtigsten Zukunftsfragen im Erzbistum Paderborn sein“, verdeutlicht Dr. Rainer Hohmann. „Und wir sind uns bewusst, dass ohne die Bereitschaft zum Lernen und zur Veränderung eingespielter Routinen gar nichts geht. Es gibt keine Garantie, dass das Projekt funktioniert, aber nur zusammen können wir die Zukunft des Erzbistums gestalten.“

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an:

Dr. Rainer Hohmann

Leitung Fortbildung pastorales Personal, Domvikar

Alina Sivaraj

Abteilung Leben im Pastoralen Raum

„Entwicklung ehrenamtlicher Mitverantwortung“

Wie kann ehrenamtliches Engagement in den Gemeinden attraktiver und wirksamer gestaltet werden? Welche Rahmenbedingungen braucht es dazu? Ergebnisse auf diese Fragen wurden im Modellprojekt zur ehrenamtlichen Mitverantwortung entwickelt.

zum Abschlusskongress des Projekts

© Chanyanuch Wannasinlapin / Shutterstock.com
© Chanyanuch Wannasinlapin / Shutterstock.com

*Die Bezeichnung Pastorale Koordination hieß zuvor Leitung pastorales Netzwerk. Zwischenzeitlich hat eine Begriffsanpassung stattgfunden.

Ein Beitrag von:
Redakteirin

Lena Jordan

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