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Schrift Inklusion aus Bauklötzen© Birgit Reitz-Hofmann/Shotshop.com
News
12. März 2024

Ein wichtiger Baustein für inklusive Gottesdienste

Neues Hochgebet in Leichter Sprache soll Orientierung geben und allen Menschen religiöse Teilhabe ermöglichen

Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen haben oft Schwierigkeiten, Gottesdienste mitzufeiern, weil sie das Gesprochene nicht verstehen oder die Lieder nicht mitsingen können. Deshalb ist es wichtig, Texte, Gebete und Riten so zu gestalten, dass Menschen mit Beeinträchtigungen am Gottesdienst teilnehmen können.

 

Bereits bei der Vollversammlung der Bischöfe in Wiesbaden im September 2023 wurde über ein liturgisches Hochgebet in Leichter Sprache diskutiert. Nun wurde bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Februar 2024 ein Hochgebet in Leichter Sprache veröffentlicht. Mehr als zehn Jahre habe die Arbeit an diesem Text gedauert. „Verfasst wurde das Gebet von Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die in der Behindertenseelsorge tätig sind und sich mit Leichter Sprache auskennen. So konnte das Hochgebet speziell auf die Bedürfnisse dieser Menschen ausgerichtet werden“, weiß Anja Fecke, Diözesanbeauftragte Seelsorge für und mit Menschen mit Behinderung aus dem Bereich Pastorale Dienste. Zwar gab es in der Vergangenheit bereits ein Hochgebet für Gehörlose und für Kinder, eines für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen hatte jedoch gefehlt.

Im eigenen Umfeld schauen, welche Menschen auf Leichte Sprache angewiesen sind

Wenn Texte und Gebete in Leichte Sprache übersetzt werden, können Menschen mit kognitiven Einschränkungen diese besser verstehen. Leichte Sprache verzichtet auf komplizierte Satzkonstruktionen und Fremdwörter. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind auf Sprachformen mit präsentischen Handlungsabläufen und verbalen Botschaften angewiesen, die in der Regel aus zwei bis drei oder sechs bis acht Wörtern bestehen: Keine Fremdwörter, kurze Sätze und alle Sätze in der Gegenwarts-Form.

 

Das neue Hochgebet in Leichter Sprache basiert auf dem Hochgebet II des Messbuchs und wird von einer pastoralen Einführung begleitet. Mit diesem Gebet hoffen die Bischöfe, dass sie kognitiv beeinträchtigten Menschen die aktive Teilhabe am Gottesdienst erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen. „Ich empfehle allen, sich dieses Hochgebet anzuschauen und zu überlegen, ob es auch im eigenen Umfeld Menschen gibt, die auf ein solches Gebet angewiesen sind. Am Gottesdienst aktiv mitfeiern kann ich doch nur, wenn ich auch alles verstehe und mich zu Hause fühle“, betont Fecke.

 

Sie ist überzeugt davon, dass mit dem neuen Hochgebet ein guter Kompromiss für alle Menschen mit Beeinträchtigungen gefunden wurde. „Auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen sind traditionsbewusst“, sagt Fecke. So bleiben bei der Übersetzung des Gebets in Leichte Sprache wesentliche Elemente der Originalfassung erhalten, darunter beispielsweise der Einleitungsdialog der Präfation, Sanctus, Einsetzungsworte, Akklamation nach den Einsetzungsworten sowie die Doxologie.

An Lebenswelt von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen anknüpfen

Zudem soll die Textform helfen, Zeichen und Handlungen besser zu verstehen und an die aktuelle Lebenswelt von Menschen mit Beeinträchtigungen anknüpfen. Sie sollen dadurch auch die Zuwendung Gottes sowie die Einbindung in den Gottesdienst erfahren. Das Hochgebet in Leichter Sprache ist für Anja Fecke eine logische Erweiterung für Menschen mit kognitiven Einschränkungen. So gab es bereits Evangelien in Leichter Sprache, nun folgt das Hochgebet. Wenn dann auch noch Tagesgebete hinzukämen, die ebenfalls in Leichte Sprache übertragen werden würden, wären vollkommen inklusive Gottesdienste möglich.

Anja Fecke ist fest davon überzeugt, dass alle Menschen von dem neuen Hochgebet in Leichter Sprache profitieren, unter anderem auch Menschen, die über keine ausgeprägten Deutschkenntnisse verfügen. Zudem verweist sie auf das Grundgesetz, indem die religiöse Teilhabe jedem Menschen ermöglicht sein soll: „Es ist ein Menschenrecht, den Gottesdienst so mitzufeiern, dass jeder weiß, was er feiert.“ Wer sich weiterführend mit Gebeten und Arbeitshilfen in Leichter Sprache beschäftigen möchte, findet mehr Informationen im Internet unter https://www.dbk-shop.de/de/publikationen/arbeitshilfen.html

Hochgebet in Leichter Sprache

P: Der Herr sei mit euch. A: Und mit deinem Geiste. P: Erhebet die Herzen. A: Wir haben sie beim Herrn. P: Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott. A: Das ist würdig und recht. P: Gott, wir danken dir. Jesus ist dein Sohn. Du bist sein Vater im Himmel. Mit Jesus danken wir dir. Das ist richtig. Das ist gut. Du hast Jesus geschickt. Er ist für uns da. Er ist Mensch geworden. Maria ist seine Mutter. Jesus hat auf der Erde gelebt. Jesus ist am Kreuz gestorben. Gott, du hast zu Jesus gehalten. Du hast Jesus auferweckt. Jesus hat seinen Freunden gezeigt: Ich lebe. Jesus hat uns gezeigt: Es gibt ein Leben nach dem Tod. Wir freuen uns. Wir loben dich. Wir singen mit allen Engeln und Heiligen: A: Heilig, heilig, heilig Gott, Herr aller Mächte und Gewalten. Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe. Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe. P: Gott, du bist groß. Gott, du bist heilig. Du machst alles gut. Wir kommen zu dir. Wir feiern dich mit allen, die getauft sind.

(an Sonntagen) P: Wir feiern den Sonntag. An einem Sonntag ist Jesus auferstanden. Jesus ist jetzt ganz nah bei dir. Mit Jesus bitten wir dich: Sende den Heiligen Geist. Mache das Brot heilig. Mache den Wein heilig. Lass sie zum Leib und Blut von Jesus Christus werden.

P: Am Abend vor seinem Tod nimmt Jesus das Brot. Er dankt dir. Jesus bricht das Brot in Stücke. Er gibt seinen Freunden von dem Brot.

Jesus sagt: Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.

Jesus nimmt den Kelch. Er dankt dir. Er gibt den Kelch seinen Freunden.

Jesus sagt: Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.

P: Geheimnis des Glaubens: A: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

P: Jesus ist gestorben. Jesus ist auferstanden. Das feiern wir. Dieses Brot ist Jesus. Dieser Wein ist Jesus.

Gott, wir bringen dir dieses Brot und diesen Wein.

Wir dürfen davon essen. (Wir dürfen davon trinken.) Lass uns ganz zu Jesus gehören. Lass uns eine Gemeinschaft sein.

P: Viele Menschen gehören zu dieser Gemeinschaft.

Wir beten für sie:

  • Für unseren Papst [N.]
  • Für unseren Bischof [N.]
  • Für die Priester und die Diakone.
  • Für alle in der Kirche.

Und für die Gestorbenen. Auch sie gehören zu unserer Gemeinschaft.

Gott, lass sie bei dir im Himmel sein.

Wir beten für uns. Gott, lass uns bei dir im Himmel sein.

Im Himmel ist auch Maria. Sie ist die Mutter von Jesus.

Im Himmel sind die Apostel. Im Himmel sind alle Heiligen.

Mit ihnen loben wir dich. Mit Jesus preisen wir dich.

P: Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater,

in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre, jetzt und in Ewigkeit.

A: Amen.

© Tinnakorn jorruang / Shutterstock.com
© Tinnakorn jorruang / Shutterstock.com
Ein Beitrag von:
Redaktion

Miriam Westfechtel

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