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18
November
2019

Energieoffensive mit bestmöglichem Komfort

Gelungenes Beispiel für Klimaschutz: Bedarfsgerechte Heizungssteuerung

Wie kann ein bestmöglicher Komfort gewahrt werden, ohne unnötig Energie zu verbrauchen? Diese Frage stellte sich Franz Ziesché (61) als ehrenamtliches Mitglied des Kirchenvorstandes des Pastoralverbundes Stockkämpen, als er 2015 das Energiegutachten für das Pfarrheim OASE in Halle einsehen konnte. Er gab sich folgende Aufgabenstellung: das Leerstände in ungenutzten Zeiten nicht zu heizen und trotzdem sicherzustellen, dass bei Veranstaltungen eine angenehme Temperatur in den Räumen herrscht.

„Die Heizung war für ein normales Wohnhaus eingestellt: von 6 bis 22 Uhr an sieben Tagen auf Betrieb“, erinnert sich Franz Ziesché. „Und diese Einstellungen waren nach dem Belegungsplan einfach nicht erforderlich.“ Er sammelte dann die Termine der Gruppen, Verbände und Gremien im Pfarrheim und erarbeitete einen Nutzungsplan.

Seit 2007 ist Franz Ziesché im Kirchenvorstand der Herz-Jesu-Gemeinde für die Bereiche Sicherheit und Technik zuständig. Sein Beruf qualifiziert ihn für diese Aufgaben. Vor 22 Jahren zog Ziesché aus beruflichen Gründen nach Ostwestfalen. Der Dipl.-Ing. Elektrotechniker arbeitete als Entwicklungsingenieur für Hard- und Software bei einer großen Firma. Seit ein paar Jahren kümmert er sich im „Paperwork-Bereich“ um Juristisches, Normen und Zulassungen.

Ressourcen schonen – Schöpfung bewahren

„Ressourcen schonen – Schöpfung bewahren“, war schon immer sein Lebensmotto und passt zu seiner katholischen Grundeinstellung. Der verheiratete Familienvater schloss sich nach seinem Umzug nach Halle schnell dem Pfarrgemeinderat an, sah seine Qualitäten dann aber doch besser im Kirchenvorstand aufgehoben. Das Energiegutachten ließ ihm keine Ruhe. „Den Nutzungsplan habe ich versucht auf die Schaltuhr der Heizungsanlage umzusetzen, doch eigentlich war dies nicht so erfolgreich. Denn der Faktor Flexibilität war nicht einberechnet“, so Franz Ziesché.

Franz Ziesché erläutert die Funktion der bedarfsgerechten Heizungssteuerung.

Einschalten via Telefon

Der Elektrofachmann erinnerte sich an Systeme, die Vermieter von Ferienwohnungen benutzen, die nicht vor Ort am Urlaubsort wohnen. So wurde die Idee der nutzergesteuerten Umschaltung des abgesenkten Nachtbetriebs auf den Tagbetrieb war geboren. „Dabei habe ich keinen Eingriff an der Heizungsanlage vorgenommen oder eigenwillig herumgebastelt, sondern ein Modul der Heizungsfirma genutzt und an die Schaltung angeschlossen“, erklärt Franz Ziesché. Die Folge: Die Heizung lässt sich per Telefonanruf steuern.

Daher erhielt die Heizung ein Zusatzmodul, mit dem der Tagbetrieb mit einem potentialfreien Kontakt oder Schalter ausgelöst werden kann. Dazu kam die eigentliche Nutzersteuerung, die im Wesentlichen aus einem Netzteil und dem Zeitrelais für die Nutzungszeit besteht. Zum  Auslösen der Nutzungszeit per Telefon wurde noch ein GSM-Modul benötigt.

„In den letzten eineinhalb Jahren hat sich das System gut eingespielt“, ist Ziesché zufrieden, wenngleich Feinarbeiten das Projekt immer wieder aufbessern. Benutzer des Pfarrheims können nun auf zwei Arten einen Vier-Stunden-Tagbetrieb auslösen. Entweder kann die Heizungsanlage im Pfarrheim selbst mittels der Telefonanlage eingeschaltet werden oder über das Funkmobilnetz, wenn man sich zuvor registriert hat. „42 Frauen und Männer nutzen dieses System bereits“, freut sich Ziesché über die Akzeptanz.

Beispiel: Wer um 16 Uhr ein Treffen in einem Raum des Pfarrheims hat, kann beispielweise um 15 Uhr die „OASEn-Heizungs-Telefonnummer“ anrufen und erwartet eine Stunde später eine wohlige Temperatur im Sitzungszimmer.

Stets den Zähler kontrollieren

Ziesché ist froh, dass er in Verbindung mit der Energieoffensive des Erzbistums Paderborn etwas gegen den Klimawandel tun konnte. Für Pfarrhaus, Kirchengebäude oder speziell die Heizung für die Orgel hat er noch weitere Ideen. Manchmal sind es eben auch nur Kleinigkeiten. Im Eingangsbereich des Pfarrheims hat er dafür gesorgt, dass die Tür nicht mehr eingehakt werden kann. „Somit fällt die Tür wieder zu, und es kann nicht unnötig Energie entweichen.“

Auch im eigenen Heim achtet Franz Ziesché auf Nachhaltigkeit und Energieersparnis. Ganz wichtig sei es zur Kontrolle von Maßnahmen und auch zur Fehlererkennung stets die Zähler von Strom und Wasser abzulesen. Selbst eine unbeachtet dauerlaufende Wasserspülung könnte hohe Kosten verursachen.

Innenansicht des Pfarrheims in Halle.
Über das Telefon im Pfarrheim lässt sich die Heizung steuern. (Foto: Ronald Pfaff)
Über das Telefon im Pfarrheim lässt sich die Heizung steuern. (Foto: Ronald Pfaff)

Rechenbeispiel

Mittels eines OASEn-Telefons (Foto) oder eines Mobilfunknetzes kann die Heizung im Pfarrheim für vier Stunden eingeschaltet werden. Damit werden genau die Bedarfe erfüllt.

In der Energieersparnis liest sich das so: An Strom wurden  in der OASE seit 2014 in Summe 7.210 kWh oder 3.872 kg CO2 gespart und an Gas sogar 62.604 kWh oder 12.646 kg CO2, zusammen also 16.518 kg CO2.

Dies entspricht ca. 100.000 Pkw-Kilometern bei einem Verbrauch von gut 6,6 l Benzin / 100 km.

Nachahmenswerte Beispiele der Energieoffensive
2015

Beispiele aus Herz Jesu Grüne, St. Marien Salome Höxter-Ovenhausen, St. Walburga Hausberge Porta Westfalica, Liebfrauen Holzwickede, St. Johannes Bapt. und St. Nikolaus Rüthen.

Plakate Energieoffensive 2015

2017

Beispiele aus St. Petrus Canisius Hemer-Westig, St. Pankratius Warstein-Belecke, Liebfrauen Holzwickede, St. Martin Blomberg.

Plakate Energieoffensive 2017

2019

St. Nikolaus Büren und Christkönig Bredelar, Abtei Königsmünster Meschede.

Plakate Energieoffensive_2019_01

Preisträger 2019

Prämiert: St. Johannes Bapt. Bad Arolsen, St. Martin Bad Lippspringe, St. Gervasius und Protasius Altenrüthen, Maria – Königin des Friedens Augustdorf, St. Martin Blomberg, Herz-Jesu Letmathe-Grüne, St. Joseph Marienloh, St. Laurentius Thüle, Heilig Kreuz Weidenau, Heilig Kreuz Horn/Bad Meinberg, St. Nikolai Höxter, St. Agnes Hamm, Herz Jesu Halle,

Plakate aller Preisträger

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