Damit Kirchenstrukturen im Erzbistum Paderborn zukunftsfähig sind, braucht es die Perspektiven und Erfahrungen derjenigen, die Kirche vor Ort mitgestalten – insbesondere der Kirchenvorstände im Erzbistum. Dessen sind sich die Verantwortlichen des Prozesses zur Transformation der Verwaltung einig. Diözesan-Ökonom Volker Mauß und Sebastian Schrage, Geschäftsführer des Gemeindeverbands Mitte, begrüßten die Kirchenvorstände als wichtige „Multiplikatoren und Experten vor Ort“ zu den „ersten Mitmachveranstaltungen“ im Transformationsprozess. Sie fanden in Paderborn, Meschede und Schwerte statt.
Das Ziel: eine gemeinsame Verwaltungseinheit für Erzbistum und Kirchengemeinden mit regionaler Nähe. Von den drei Veranstaltungen wurde eine Dokumentation erstellt, die hier zum Download zur Verfügung steht:
Wertvolle Rückmeldungen aus der Praxis
Die drei Veranstaltungen im Juli hatten ein klares Ziel: Die Kirchenvorstände frühzeitig in die strategische Entwicklung der lokalen sowie bistumsweiten Kirchenverwaltung einzubinden und ihre Expertise zu nutzen. Stefanie Müting, operative Programmleitung der Verwaltungstransformation, brachte es auf den Punkt: „Verwaltung ist kein Selbstzweck – sie soll ermöglichen, was Kirche sein will.“ Die Verwaltung diene dem Weiterleben des Glaubens im Erzbistum Paderborn.
Ein Mitmach-Format
„Egal wohin wir auch gehen, Du bist schon da“, baten die Teilnehmenden gemeinsam im Gebet der Hoffnung um den Beistand Gottes, bevor es an die konkrete Projektarbeit ging.
An Stellwänden diskutierten die Kirchenvorstände mit den Projektverantwortlichen über Rollen und Aufgaben, Unterstützungsbedarfe, Formen des Engagements, Strukturen der Zusammenarbeit und zentrale Werte, die auch in Zukunft Bestand haben sollten. Auch allgemeine Resonanzen zum Bistumsprozess wurden gesammelt.
Die Rückmeldungen waren vielfältig und konkret. So wurde etwa eine bessere, verlässlichere Verwaltungsunterstützung gefordert – mit Bürokratieabbau, klaren Zuständigkeiten, schneller Rückmeldung und Zugang zu Expertenwissen. Als Beispiele: Ticktetsystem, Hotline, abendliche Erreichbarkeit von Verwaltungsexperten.
Auch die neue Rollen der „Verantwortlichen vor Ort“ wurde angedacht. Die Teilnehmenden haben Ideen entwickelt, wie die Brücke zwischen Kirchenvorstand in der größeren Pfarrei im Seelsorgeraum und Gemeindeleben vor Ort zum Beispiel mit „Kümmerern vor Ort“ geschlagen werden könnte. Ideen: klares Aufgabenprofil, Mandatierung, Entscheidungsbefugnis und Budgetverantwortung vor Ort.
Gemeinsam leiten – vielfältig gestalten
Vier Thesen gaben den Rahmen für die Diskussionen. Eine davon: „Der Kirchenvorstand wird zum Ermöglicher neuer Formen von Engagement.“ In einer zunehmend ehrenamtlich getragenen Kirche – geprägt von Vielfalt, Eigenverantwortung und lokalen Initiativen – verändert sich auch das Rollenverständnis. Nicht mehr alle Aufgaben müssen im klassischen Gremium bearbeitet werden. Neue Leitungsmodelle entstehen, beispielsweise als Trio aus Pfarrer, Pastoraler Koordination und Verwaltungsleitung zur Leitung der Seelsorgeräume.
Eine Idee der Kirchenvorstände auf der Veranstaltung in Paderborn: „Abgeordnete“ aus den Ortsgemeinden in den Kirchenvorstand vor Ort entsenden. Ein Kirchenvorstand formulierte seinen Wunsch, sich auch in Zukunft noch sinnvoll engagieren zu können: „Ich tue das, um meinem Glauben Herz, Hand und Verwaltung zu geben.“ Diese Haltung prägte die Abende: pragmatisch und kritisch, aber getragen von einem großen Gestaltungswillen.
Vielfältige Resonanzen in Dortmund und Meschede
Dies zeigte sich auch bei der Veranstaltung für den Raum Dortmund in der Katholischen Akademie Schwerte. Ein Thema war hier der Erhalt der Nähe und der Beziehungen vor Ort. Dazu gab es den Wunsch, dass es auch in einer größeren Struktur weiterhin ein Budget und eine gewisse Gestaltungsfreiheit für die einzelnen Kirchorte geben solle. Die Menschen müssten ihren Ort gestalten können, auch durch eine eigene Finanzverantwortung. Darüber hinaus sorgten sich mehrere Teilnehmende um die künftige Gewinnung von Ehrenamtlichen. Ihr Engagement können nicht mehr „einfach so“ erwartet werden, sondern müsse auch Anerkennung beispielsweise in Form einer Ehrenamtspauschale erhalten.