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10
November
2020
10.November.2020

„Viele Bauchgefühle bestätigen sich“

Erste Ergebnisse der Corona-Umfrage von Haupt- und Ehrenamtlichen liegen vor

Was kann die Kirche aus der Corona-Krise lernen? Im September hatten Haupt- und Ehrenamtliche im Erzbistum Paderborn die Möglichkeit ihre Erfahrungen dazu in einer Online-Umfrage mitzuteilen. Sie wurden unter anderem gefragt, was sie in der Krise wahrgenommen haben, was Ihnen gefehlt hat, was gut oder nicht gut geklappt hat. Die Umfrage ist Teil des Schlüsselthemas „Corona und die Zukunft der Kirche“ beim Diözesantag, der am kommenden Samstag stattfindet.

Nun liegen die ersten Ergebnisse der Umfrage vor und wir haben mit Maximilian Schultes aus dem Bereich Pastorale Dienste gesprochen, der die Themengruppe gemeinsam mit Dr. Katharina Lammers leitet. Wir haben ihn gefragt, welche Thesen sich bereits jetzt aufstellen lassen und um einige Tipps und Tricks gebeten, mit denen wir besser durch den derzeitigen zweiten, kleineren Lockdown kommen können.

Redaktion

Herr Schultes, kurze Frage vorab, sind Sie mit der Beteiligung an der Umfrage zufrieden?

Maximilian Schultes

Absolut. Wir sind von der regen Teilnahme sogar ein wenig überwältigt. In den etwas mehr als zwei Wochen, in denen die Umfrage online stand, haben wir 1048 Rückmeldungen bekommen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis und spricht für die Aktualität des Themas.

Was uns zudem sehr freut, ist, dass wir ein sehr buntes Bild aus dem Erzbistum zurückgemeldet bekommen haben. Es haben sich nicht nur pastorale Mitarbeitende und Priester beteiligt, sondern auch zahlreiche Lehrer, Erzieher, Verwaltungsmitarbeitende und Ehrenamtliche. Auch haben wir einen guten Querschnitt in der Altersstruktur erreichen können. Die Umfrage haben Personen zwischen 17 und 85 Jahren ausgefüllt, der Median liegt bei 54 Jahren und auch die Geschlechterverteilung ist ausgeglichen.

Daher erhoffen wir uns in der Auswertung umfassende und aussagekräftige Ergebnisse bekommen zu können.

Redaktion

Die ersten Ergebnisse liegen sogar schon vor. Was können Sie uns mitteilen?

Maximilian Schultes

Es gibt einige zentrale Aussagen, die sich klar abzeichnen. Zum einen ist sehr deutlich abzulesen, dass den Gläubigen im Hinblick auf die verschiedenen Angebote der persönliche, seelsorgliche Kontakt in der Corona-Zeit am bedeutendsten ist. Noch vor Angeboten wie Gottesdienst-Streamings oder Telefon- und Onlineseelsorge hat der persönliche bzw. telefonische Kontakt vor Ort die größte Bedeutung. Den Menschen ist es wichtig mit ihren Fragen und Sorgen in ihrer Heimatpfarrei gehört zu werden.

Zum anderen spielen eingespielte Beteiligungsformate eine große Rolle. Sitzungen von Räten oder Gremien sind für das Gemeindeleben wichtig, konnten aber in der Pandemie-Situation nicht immer so durchgeführt werden, wie gewohnt. Vielerorts wurden Alternativen geschaffen, anderenorts sind die Sitzungen ausgefallen und damit wichtige Kommunikationsbrücken abgerissen. Das hat viele traurig und ärgerlich gestimmt.

Ein weiterer Punkt, der sich zeigt, ist, dass die hauptberuflich Engagierten sehr unterschiedlich auf die neue Situation reagiert haben. Von Verunsicherung über Erfindungsreichtum bis hin zu Resilienz haben sich sehr viele Reaktionen gezeigt. Am meisten beeindruckt hat mich hierbei aber, dass für die große Mehrheit der eigene Glaube die Ressource war, die sie durch die Zeit getragen hat. Auch wenn sich überall Defizite aufgetan haben, haben die meisten angegeben, dass sie ihr Vertrauen, ihr Gottvertrauen, nicht verloren haben.

Redaktion

Gab es denn auch Ergebnisse, wo sich unterschiedliche Tendenzen abgezeichnet haben?

Maximilian Schultes

Die gibt es. Schauen wir uns die Frage an, ob die Krise auch Chancen bergen kann, gibt es eine ganz klare Tendenz zwischen Alt und Jung. Sehen die Menschen unter 36 Jahren vermehrt die Chance, verändert – vielleicht auch erfrischt und neu aufgestellt – aus der Situation heraus zu gehen, haben die Menschen über 59 Jahren hier eine sehr große Skepsis. Sie sehen weniger die Möglichkeit, dass die Krise Chancen birgt, und haben ihre Zweifel daran.

Maximilian Schultes
Maximilian Schultes
Maximilian Schultes

Zentrale Aussagen

  1. Persönlicher, seelsorglicher Kontakt ist für die Gemeindemitglieder während des Lockdowns am wichtigsten
  2. Eingespielte Beteiligungsformate müssen auch unter veränderten Bedingungen aufrecht erhalten werden
  3. Es gab sehr unterschiedliche Reaktionen auf die Krise
  4. Menschen unter 36 Jahren sehen mehrheitlich Chancen in der Krise, Menschen über 59 Jahre sind eher skeptisch
  5. Kirchlich gebundene Ehrenamtliche haben ihre Bereitschaft zum Engagement auch durch die Krise nicht verloren und sich in vielfältigen Formen weiter engagiert
Redaktion

Das sind sehr interessante erste Erkenntnisse. Können Sie auch schon den einen oder anderen Tipp für den derzeitigen „kleinen“ Lockdown geben?

Maximilian Schultes

Ich kann es gerne versuchen. Da wäre zum einen unsere Empfehlung, in den Gemeinden von hauptamtlicher Seite die möglichen Beteiligungsformate coronakonform weiterlaufen zu lassen. Seien es Versammlungen, die eigentlich persönlich stattfinden, virtuell laufen zu lassen oder eine Telefonkonferenz einzurichten. Mein konkreter Tipp lautet hier: je mehr Kontakt aufrechterhalten oder hergestellt werden kann, desto besser.

Dies würde auch dem zuvor bereits angesprochenen Abbruch von Kontaktbrücken entgegen wirken. Es ist wichtig, dass die Gemeindemitglieder in Verbindung bleiben. Die Umfrage hat gezeigt, dass sich viele über ein Zeichen der Verbundenheit freuen würden. Mit einem lieben Brief, einer Karte oder einem kurzen Anruf ist solch ein Zeichen schnell gesetzt.

Denn es hat sich zudem gezeigt, dass das Thema „Einsamkeit“ unterschätzt worden ist. Da viele zufällige oder spontane Begegnungen entfallen, wären niederschwellige Angebote, wie ein offener Treff unter freiem Himmel, beispielsweise eine Idee. Solche Angebote können Gemeinschaft schaffen, denn nur in den seltensten Fällen wird bemerkt, wer wirklich einsam ist und sich nach Gesellschaft sehnt.

Diese Empfehlung sollte selbstverständlich erst dann umgesetzt werden, wenn es auch von behördlicher Seite wieder erlaubt ist.

Zum Schluss noch ein ganz praktischer Tipp: Wir sollten bereits jetzt schauen, wie wir in Zukunft mit bestimmten Zusammenkünften umgehen wollen. Es ist ratsam in dieser Zeit langfristige und strategische Konzepte beispielsweise für Jugendfreizeiten auszuarbeiten. Zudem ist jetzt außerdem die richtige Zeit für mittel- und langfristige Strategieplanungen: Wo steht unsere Pfarrei im kommenden, in fünf oder in zehn Jahren? Gerade dadurch, dass die Pandemie den Kanon unserer Gewohnheiten durcheinandergewirbelt hat, bietet sie nun eine einzigartige Möglichkeit zur Sammlung und Schwerpunktsetzung.

Redaktion

Wie ordnen Sie abschließend die Umfrage ein? Hat sich der Aufwand gelohnt?

Maximilian Schultes

Auf jeden Fall. Ich denke, die Umfrage bestätigt viele persönliche Einschätzungen und Bauchgefühle wandeln sich in einen Grad der Gewissheit. Gerade im Kontext des nun unmittelbar bevorstehenden Diözesanen Tages ist es sehr wertvoll zu sehen, dass die Intuition der Christinnen und Christen in unserem Erzbistum hilfreiche Impulse für unser künftiges Kirche-Sein bereithält.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ein Beitrag von:

Lena Jordan
Redakteurin
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