logocontainer-upper
Wir-Portal
logocontainer-lower
© Copyright 2026, PubliKath GmbH, www.kna.de, All Rights Reserved
© Copyright 2026, PubliKath GmbH, www.kna.de, All Rights Reserved

Sechste Synodalversammlung Zwischen Abgründen und Aufbruch

Eindrücke, Stimmen und Perspektiven aus Stuttgart: Delegierte aus dem Erzbistum Paderborn blicken auf die letzte Synodalversammlung zurück – und auf das, was daraus vor Ort wachsen kann.

Stuttgart war kein Schlusspunkt sondern ein Prüfstein

Vom 29. bis 31. Januar 2026 fand in Stuttgart die sechste und letzte Synodalversammlung des Synodalen Weges statt. In den Tagen danach wurde bereits über zentrale Ergebnisse und nächste Schritte berichtet. Dieser Beitrag ergänzt diese Perspektiven um einen weiteren Blick: Er versammelt Eindrücke und Stimmen von Delegierten aus dem Erzbistum Paderborn – persönlich, nachdenklich und mit Blick darauf, was Synodalität vor Ort bedeuten kann.

Denn die Gespräche zeigen: Der Synodale Weg wird nicht nur als Reformprojekt wahrgenommen, sondern als Lernprozess, der tief reicht – bis hinein in Fragen von Glaubwürdigkeit, Vertrauen und persönlichem Glauben. So unterschiedlich die Perspektiven auch sind, in einem Punkt sind sich alle einig: Kirche braucht Räume des Zuhörens, eine offene Haltung gegenüber Lebensrealitäten – und den Mut, den Weg weiterzugehen, auch wenn er unbequem bleibt.

„Zwischen Zuhören und Streiten – aber dennoch Zusammenbleiben“

Weihbischof Josef Holtkotte

Wie wurden diese Tage in Stuttgart erlebt? Weihbischof Josef Holtkotte beschreibt die Synodalversammlung als ein Ringen, das Kirche gerade jetzt braucht:

„Wir haben uns bewegt zwischen Zuhören und Streiten – aber dennoch Zusammenbleiben. Gerade das ist für mich ein Zeichen von Synodalität: Dass wir nicht ausweichen, sondern miteinander im Gespräch bleiben.“

Pastor Sascha Heinrich, Vertreter des Priesterrates im Erzbistum Paderborn, aus dem Pastoralen Raum Marsberg erlebte die Dynamik der Versammlung sehr deutlich. Die offiziellen Debatten seien teilweise schwer auszuhalten gewesen:

„Ich habe in den Sitzungen viel Enttäuschung, viel Verletzung wahrgenommen. Da wurde sehr emotional gesprochen, manchmal auch aggressiv. Und trotzdem habe ich in den persönlichen Gesprächen gemerkt: Da gibt es auch ganz viel Wertschätzung und Miteinander.“

Für ihn brachte der Prozess auch persönliche Glaubensfragen mit sich. Herausfordernd sei die Sorge, die Einheit in der Vielfalt zu verlieren – oder sie nicht wirklich leben zu können. In seinem Glauben sei besonders eine Frage deutlich geworden:

„Was ist eigentlich Gottes Plan für seine Kirche?“

Nicht die Frage nach dem eigenen Wollen stehe im Mittelpunkt, sondern die nach Gottes Weg – auch angesichts einer zunehmenden Säkularisierung, die Heinrich als Warnsignal versteht.

„Glaube setzt Kräfte frei“

für Weihbischof Josef Holtkotte ging es in Stuttgart nicht nur um Strukturen, sondern um eine Grundhaltung. Der Synodale Weg sei richtig, sagt er, „mit allen Ecken und Kanten und allen Verletzungen, die da sind“. Entscheidend sei die Frage, ob man sich öffne, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Wer Synodalität ernst nehme, brauche eine größere Toleranz – auch gegenüber Themen, die schmerzhaft sind. Gerade dann müsse man sagen können: Ja, das hat es gegeben, das war nicht gut – und trotzdem ist es wichtig, zusammen unterwegs zu bleiben. Der Weg sei holprig und nicht immer gelungen, aber gerade deshalb bedeutsam: „Was wäre gewesen, wenn wir diesen Weg nicht gegangen wären?“

Für Josef Holtkotte steht dahinter eine geistliche Kraftquelle: „Glaube setzt Kräfte frei.“

Eine Versammlung der Bilanz: Monitoring und Verlässlichkeit

Im Mittelpunkt der sechsten Synodalversammlung stand weniger die Frage nach neuen Texten, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme: Was ist aus den Beschlüssen geworden? Wo ist Umsetzung gelungen – und wo nicht?

Das Monitoring zeigte bundesweit Unterschiede zwischen den Bistümern: zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen ersten Schritten und Zurückhaltung. Viele Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner verbinden damit eine zentrale Erwartung: Reformen dürfen kein Flickenteppich bleiben. Verlässlichkeit entsteht nur dann, wenn Beschlüsse in allen Diözesen ernst genommen und vergleichbar umgesetzt werden.

Im Erzbistum Paderborn übernehmen dabei synodale Beratungsgremien wie der Kirchensteuerrat und der neu aufgestellte Diözesanpastoralrat eine wichtige Rolle. Sie tragen dazu bei, synodale Prozesse strukturell zu verankern und Entwicklungen auf diözesaner Ebene zu begleiten.

„Mit gemischten Gefühlen – und dennoch entschlossen“

Nadine Mersch, Jan Hilkenbach

Die Vorsitzenden des Diözesankomitees, Nadine Mersch und Jan Hilkenbach, ziehen eine Bilanz, die Hoffnung und Ambivalenz verbindet. Jan Hilkenbach formuliert die Dringlichkeit sehr klar:

„Wir haben in die Abgründe der Kirche geschaut. Umso unverständlicher ist es, dass manche Bistümer bisher nur sehr wenige Beschlüsse in die Umsetzung gebracht haben.“

Der Satz stand für ihn besonders auch im Zusammenhang mit den Begegnungen und Perspektiven der Betroffenenvertretung, die die schmerzhaften Seiten kirchlicher Realität noch einmal greifbar gemacht hätten. Der Prozess habe ihn dabei auch persönlich herausgefordert:

„Ist das noch meine Kirche? Da habe ich meine eigene Ungeduld und meine Grenzen gespürt.“

Gerade diese Ungleichzeitigkeiten gefährdeten die Glaubwürdigkeit des gesamten Prozesses.

Für Nadine Mersch ist deshalb deutlich:

„Die Stunde der Bistümer ist angebrochen. Synodalität stärkt die Zukunft der Kirche – aber nur, wenn wir jetzt konsequent weitergehen und Verantwortung übernehmen.“

Nadine Mersch unterstreicht, dass vieles, was kirchenrechtlich noch schwierig sei, im pastoralen Alltag auf diözesaner Ebene bereits vorgedacht und erprobt werden könne. Es gehe darum, die Impulse des Synodalen Weges jetzt mit Leben zu füllen – etwa durch neue Beteiligungsformen wie den Diözesanpastoralrat, der bereits implementiert wurde und durch das neue Statut mehr Mitbestimmung ermöglicht.

„Ich habe meinen Glauben neu überprüft“

Finja Miriam Weber

Finja Miriam Weber, Delegierte aus dem Erzbistum Paderborn, beschreibt, wie tief die Fragen des Synodalen Weges gehen können:

„Ich habe meinen Glauben in diesem Prozess neu überprüft. Und gerade dadurch wurde mir wieder klar, wie wichtig Ehrlichkeit ist – auch gegenüber sich selbst.“

Kirche müsse lernen, in einer schnelllebigen Welt mitzuhalten:

„Transparenz darf nicht nur gefordert werden, sie muss gelebt werden. Wir dürfen Tabuthemen nicht länger verschieben.“

Synodalität bedeute für sie einen Kulturwandel – und eine offene Haltung, die Vielfalt nicht vertagt.

Vielfalt und offene Haltung schon jetzt vor Ort gefragt

In den Gesprächen wurde auch deutlich, dass Fragen nach Diversität, queersensibler Pastoral und unterschiedlichen Lebensrealitäten künftig stärker berücksichtigt werden sollen. Menschen mit vielfältigen Lebensgeschichten und gelebte Diversität seien Themen, die nicht auf später verschoben werden dürften und in jedem Bistum mitgedacht werden können.

Viele hoffen, dass bereits jetzt vor Ort Räume entstehen, in denen Menschen sich nicht ausgeschlossen, sondern gesehen fühlen – auch in den neuen pastoralen Strukturen und Transformationsprozessen des Erzbistums Paderborn. Gerade mit Blick auf die Veränderungen in den Seelsorgeräumen wird deutlich: Synodalität bedeutet auch, dass Laien und Ehrenamtliche ihren Platz neu finden, Verantwortung übernehmen und Kirche vor Ort aktiv mitgestalten können. Damit der Wandel nicht abstrakt bleibt, braucht es verlässliche Orte, an denen Engagement wachsen und sich weiterentwickeln kann.

So geht es mit dem Synodalen Weg in Deutschland weiter

Die sechste Synodalversammlung war die letzte Vollversammlung dieser Art – aber sie ist kein Ende. Eher ein Prüfstein: Sie zeigt, wie groß die Erwartungen sind, wie tief die Verletzungen reichen und wie mühsam Erneuerung ist.

Mit ihrem Abschluss endet zugleich die erste Phase des Synodalen Weges in Deutschland. In einem nächsten Schritt soll als bundesweites Gremium für Synodalität eine Synodalkonferenz eingerichtet werden. Dazu wird die Deutsche Bischofskonferenz über ein entsprechendes Statut abstimmen, das bereits vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angenommen worden ist. Anschließend soll die kirchenrechtliche Anerkennung in Rom erbeten werden, um den eingeschlagenen Weg in den weltweiten synodalen Prozess einzubinden. Weitere Informationen hier

Vielleicht steht jetzt nicht mehr die Frage im Raum, ob Synodalität gewollt ist – sondern ob sie gelebt wird. In Strukturen, in Entscheidungen, im Umgang mit Macht und in der Begleitung von Menschen, die Leid erfahren haben.

Die Stimmen aus Paderborn klingen unterschiedlich, aber sie treffen sich in einem gemeinsamen Wunsch: dass Kirche den Mut findet, ehrlich zu sein. Denn nur eine Kirche, die zuhört, Verantwortung übernimmt und Vertrauen nicht einfordert, sondern verdient, kann Hoffnung geben – in einer Welt, die Zukunft hat.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Redakteurin interne Kommunikation

Nadja Ikonomopoulos

Weitere Einträge

© Ground Picture / Shutterstock.com

News Qualifizierungskurs für Ehrenamtliche in der seelsorglichen Patientenbegleitung

Neuer Qualifizierungskurs für Ehrenamtliche in der seelsorglichen Patientenbegleitung startet im Spätsommer 2026 im Erzbistum Paderborn. Interessierte können sich jetzt bewerben.
© Simone Yousef / Erzbistum Paderborn

News Transformation der Verwaltung: Planung der zukünftigen Prozesse

Die zukünftige Ausrichtung der Bistumsverwaltung stand jetzt im Mittelpunkt eines Treffens der Projektverantwortlichen des Gesamtprogramms Verwaltungstransformation in Soest. Gemeinsam arbeiteten sie an der Planung von Prozessen für eine künftig stärker kundenorientierte Verwaltung des Erzbistums.
Die Autoren Dr. Knut Stegmann (v.l.) und Dr. Michael Huyer mit LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Holger Mertens. © LWL
Die Autoren Dr. Knut Stegmann (v.l.) und Dr. Michael Huyer mit LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Holger Mertens.

News Kirchenbau nach 1945 in Westfalen-Lippe

LWL legt Überblicksband vor
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit