Die Jubiläumsfeier spannte einen weiten Bogen von den Anfängen bis zur Gegenwart. Die beiden Stränge, die 1995 als Gemeinde- und Organisationsberatung und 2000 als Pastorale Supervision begannen, wurden 2015 zu den heutigen Beratungsdiensten zusammengeführt. Diese Bündelung markierte den Startpunkt der gemeinsamen Einheit, deren zehnjähriges Bestehen nun gefeiert wurde. Seitdem hat sich die Abteilung kontinuierlich weiterentwickelt und umfasst heute rund 40 Expertinnen und Experten. Supervision und Coaching, Organisationsberatung, Mediation, Moderation und Teamentwicklung bilden ein vielfältiges Portfolio. Ihr Leitgedanke lautet: im Transformationsprozess das Gleichgewicht zwischen Organisationsentwicklung und der Begleitung von Menschen zu halten. Besonders im Blick stehen die Neuausrichtung der pastoralen Räume, komplexe Veränderungsschritte in der Bistumsorganisation und die Rolle der Beratungsdienste als verlässlicher Partner für Haupt- und Ehrenamtliche. Organisiert und moderiert wurde der Fachtag von Gunther Landschütz (Leiter Beratungsdienste) Barbara Hucht (stellv. Leiterin Beratungsdienste) und Markus Menke (geistlicher Leiter der Beratungsdienste).
Zehn Jahre Beratungsdienste. Gemeinsam wachsen und Zukunft gestalten
Ein Jahrzehnt Beratungskompetenz im Erzbistum Paderborn
Wertschätzung und klare Perspektiven für die Zukunft
Generalvikar Dr. Michael Bredeck und Generalvikar Thomas Dornseifer nahmen beide an der Jubiläumsfeier teil. Gemeinsam mit Thomas Klöter, Leiter der Pastoralen Dienste, eröffneten sie den Fachtag mit einer deutlichen Würdigung der Beratungsdienste. Generalvikar Michael Bredeck verwies auf das biblische Wort aus Sprüche 24,27 – „Bestelle zuerst dein Feld, dann baue dein Haus.“ Damit machte er deutlich, wie wichtig die grundlegende Vorbereitungs-, Klärungs- und Orientierungsarbeit ist, die die Beratungsdienste im Bistum leisten. Sie schaffen Strukturen, begleiten Teams, moderieren Konflikte und ermöglichen so, dass Veränderungsprozesse auf einem tragfähigen Fundament stattfinden können. „Sie sind ein Segen und es ist gut, dass es Sie gibt“, sagte Generalvikar Michael Bredeck mit Blick auf die weitreichenden Veränderungen in der pastoralen Landschaft. Thomas Klöter hob die „Stetigkeit und Beharrlichkeit“ hervor, die den Beratungsdiensten eigen sind. Ohne ihre Gründung vor zehn Jahren, so sein augenzwinkernder Hinweis, müsste man sie heute dringend erfinden.
Geistlicher Impuls und Orientierung aus der biblischen Erzählung
Ein geistlicher Impuls verband die Beratungstätigkeit mit der Heilungsgeschichte am Teich Bethesda (Joh 5,1–9). Die Fragen Jesu an den Kranken – „Willst du gesund werden?“ – wurden als Spiegel für die Beratungspraxis verstanden. Jede Veränderung beginnt bei der inneren Bereitschaft des Menschen, Lösungen selbst zu entwickeln. Ebenso regte die Aussage Jesu „Nimm deine Liege und geh“ dazu an, über hilfreiche und hemmende Grenzen im Beratungsprozess nachzudenken. Diese geistliche Verortung zeigte, wie eng christliche Motivation und professionelle Beratungspraxis miteinander verbunden sind und stärkte den gemeinsamen Blick auf das Wesentliche.
Impulse für eine Kirche im Wandel und der Blick auf den „Dritten Raum“
Valentin Dessoy, Theologe und Psychologe sowie langjähriger Kooperationspartner der Beratungsdienste, schloss das inhaltliche Programm mit einem Impuls ab. In 15 Thesen beleuchtete er die zunehmenden gesellschaftlichen und kirchlichen Spannungen, ihre Bedeutung für Entwicklungsprozesse sowie mögliche Konsequenzen für die Rolle der Beratungsdienste. Er erklärte dabei auch das Konzept des „Dritten Raums“ – einen geschützten Zwischenraum, in dem nicht die Logiken der Linienorganisation gelten, sondern in dem kirchliche Akteurinnen und Akteure gemeinsam innehalten, reflektieren und neue Perspektiven entwickeln können. Seine Stichworte reichten von Polarisierung und Resilienz über den Umgang mit Unsicherheit bis hin zum „Dritten Raum“ als Denk- und Handlungsraum innerhalb von Transformationsprozessen. Der Beitrag ordnete die Beratungsdienste als strategisches Gegenüber zur Linienorganisation ein und bot Impulse für ihre künftige Ausrichtung. Ein interaktiver Abschluss rundete den Abend ab. An der „Fragenwand“ brachten die Teilnehmenden eigene Gedanken ein, die gemeinsam reflektiert und beantwortet wurden, bevor der Abend in Gesprächen, Musik und geselligem Miteinander ausklang.
An drei Stellen des Abends setzte Saxophonist Uli Lettermann mit frei improvisierten musikalischen Resonanzen besondere Akzente. Seine letzte Improvisation über das Adventslied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ griff die Themen des Fachtags – Aufmerksamkeit, Veränderungsbereitschaft und gemeinsames Weitergehen – noch einmal auf und ließ das gemeinsame Arbeiten in einem offenen, hoffnungsvollen Klangraum ausklingen.