Propst Dietmar Röttger, Dechant und designierter Übergangsleiter des Seelsorgeraums Hellweg, hatte zu einem internen Gesprächsabend in die Stadthalle Werl eingeladen. Am Dienstagabend kamen dort pastorale Mitarbeitende und Gremienvertretungen aus Hamm, Soest, Werl und Lippetal mit Verantwortlichen für den Bistumsprozess „Glauben.Gemeinsam.Gestalten“ aus dem Erzbischöflichen Generalvikariat zusammen. Im Mittelpunkt stand die Ausgestaltung des künftigen Seelsorgeraums Hellweg.
Hintergrund war die im Dekanat laut gewordene Kritik an der Entscheidung, dass die zukünftigen Seelsorgeräume im Regelfall aus nur einer fusionierten Pfarrei bestehen sollten. In den Pastoralen Räumen, Pfarreien und Pastoralverbünden des Dekanates Hellweg hatte man sich zuvor für drei Pfarreien ausgesprochen.
Dechant Röttger begrüßte die Teilnehmenden und warb dafür, in einem guten Geist miteinander zu reden und vor allem auch zuzuhören: „Wenn wir im Geist Jesu, im Geist der Wahrhaftigkeit, des Respektes, der Geschwisterlichkeit im Glauben bleiben, dann gehen wir heute Abend gestärkt auseinander.“
Barbara Hucht und Ute Völlmeke moderierten den Austausch, in dem es auch um die bisherige Kommunikation zwischen den Verantwortlichen für den Bistumsprozess und den Vertretungen des Dekanates ging. Sie riefen dazu auf, die verschiedenen, durchaus kontroversen Perspektiven offen auszusprechen, einander zuzuhören und respektvoll miteinander umzugehen.
Bistumsleitung erläutert die Entscheidung
In einer persönlichen Videobotschaft richtete sich Generalvikar Dr. Michael Bredeck an die Versammelten. Er erläuterte die im April in den Diözesangremien und in der Bistumsleitung getroffene Entscheidung: Nur bei schwerwiegenden rechtlichen und finanziellen Problemen könnten auf Beschluss der Bistumsleitung mehrere Pfarreien pro Seelsorgeraum bestehen, höchstens jedoch drei.
Er räumte Unstimmigkeiten in der Kommunikation ein. Es sei berechtigt gewesen, den dialogischen Prozess noch einmal kritisch zu hinterfragen, auch wenn bereits viele persönliche Gespräche stattgefunden hätten.
Die Bistumsleitung habe aber keine rechtliche oder finanzielle Notwendigkeit gesehen, im Seelsorgeraum Hellweg vom Regelfall einer einzigen Pfarrei abzuweichen. Bredeck bat darum, die Herausforderung gemeinsam anzunehmen und die Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb des Seelsorgeraums konstruktiv zu nutzen.
Kritik an Strukturen und Beteiligung
Bevor die Teilnehmenden in Workshops an der künftigen Ausgestaltung arbeiteten, stand die Aufarbeitung des bisherigen Prozesses im Mittelpunkt. In einer Performance mit eigens gebastelten Plakaten brachten Maria Hagenschneider und weitere Gremienvertretungen aus Hamm ihr Entsetzen und ihre Sorgen zum Ausdruck. Dabei war die Rede von „Entmündigung“, „Enteignung“, „Entmutigung“ und „Erschöpfung“.
Die demokratischen Strukturen der Kirchengemeinden würden durch die neuen Strukturen auf ein Minimum reduziert. Pastorale Gründe sprächen für mehrere Pfarreien, so die Stimmen aus Hamm. Auch Seelsorger und Gremienvertretungen aus Werl, Soest, Körbecke und Lippetal äußerten Kritik.
Thomas Klöter und Dr. Annegret Meyer aus der Leitung des Bereichs Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat sowie Tobias Heinrich, Koordinator der Pastoraltransformation, reagierten auf die Kritik. Sie räumten Verbesserungsbedarf im Austausch mit dem Dekanat über die Entscheidungsfindung ein.
Sie äußerten ihr persönliches Verständnis für die vorgebrachten Argumente. Schließlich seien sie selbst an Kirchorten beheimatet, deren Zukunft ihnen am Herzen liege. Gerade deshalb seien sie überzeugt, mit dem Bistumsprozess den strategisch richtigen Weg für eine zukunftsfähige Kirche eingeschlagen zu haben.
Thomas Klöter beschrieb die Veränderungen der vergangenen zehn Jahre im Erzbistum. Dabei ging es um die Fragen, wie sich künftig Gremien besetzen und gemeindliches Leben organisieren lassen. Für 2040 verwies er auf eine Prognose von nur noch 100 Priestern im Erzbistum. Hinzu komme ein gesellschaftlich bedingter Rückgang des ehrenamtlichen Engagements.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen sei Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz mit der Erzbischöflichen Leitungskonferenz, dem Diözesanpastoralrat und dem Priesterrat zu der strategischen Richtungsentscheidung für bis zu 25 Seelsorgeräume mit in der Regel jeweils einer Pfarrei gelangt. „Wenn wir jetzt schon springen müssen, dann sollten wir doch gleich den großen Sprung machen. Aus der strategischen Verantwortung heraus“, so Klöter.
Eigenverantwortung vor Ort ermöglichen
Tobias Heinrich erläuterte, dass alle Rückmeldungen, auch die der Gremien aus dem Dekanat Hellweg, gehört, abgewogen und analysiert worden seien, bevor im April die endgültige Entscheidung für eine Pfarrei gefallen sei.
Besonders wichtig war ihm die Unterscheidung zwischen der Pfarrei als kirchenrechtlicher Einheit und den Gemeinden vor Ort, in denen das kirchliche und caritative Leben stattfinde. In der Pfarrei der Zukunft sei ein Netzwerk aus vielen lokalen und thematischen Gemeinden vorgesehen. Mit Mandat und Budget ausgestattete Gemeindeteams könnten dort eigenverantwortlich handeln.
Wie diese Ausgestaltung konkret aussehen könnte, erarbeiteten die Teilnehmenden im zweiten Teil der Veranstaltung in sechs Workshops. Die Themen waren: Substrukturen und Mandatierung, verlässliche Orte, Budgetierung, Fusionen von Pfarreien, Konsequenzen für den Übergangsrat und Verbesserungsmanagement als Teil des Transformationsprozesses.
In den Workshops wurde deutlich, welche Gestaltungsspielräume die Kirchorte künftig haben sollen. Ortsausschüsse und Gattungsvollmachten ermöglichen eigenverantwortliches Handeln vor Ort. Vorgesehen ist auch ein eigenes Budget für pastorale Themen.
Abschließend vereinbarten alle Beteiligten, weiter im Austausch zu bleiben. In Zukunft gelte es, in den lokalen Gremien mehr Transparenz über die verschiedenen Entscheidungsebenen herzustellen. Dies sei Aufgabe aller Beteiligten.
Dechant Röttger dankte den Teilnehmenden für ihr großes Interesse und die ernsthafte Auseinandersetzung mit den Themen. Das gebe ihm Hoffnung für einen guten Start in die Übergangszeit. „Wir brauchen den Heiligen Geist, um den Prozess weiter voranzubringen. Lassen Sie uns als Volk Gottes aus dem Geist der Geschwisterlichkeit heraus auch weiter um gute Ergebnisse ringen“, sagte Röttger zum Abschluss. Anschließend stimmte er das Vaterunser an und spendete den Segen.
„Wir brauchen den Heiligen Geist, um den Prozess weiter voranzubringen. Lassen Sie uns als Volk Gottes aus dem Geist der Geschwisterlichkeit heraus auch weiter um gute Ergebnisse ringen“ (Probst Dietmar Röttger)