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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Was braucht es, damit Transformation gelingt?

Beim Amtssitzwechsel von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz kamen Mitarbeitende aus Pastoral und Verwaltung mit dem Erzbischof über den Bistumsprozess ins Gespräch. Es ging um die eigene Rolle im künftigen Seelsorgeraum, Kommunikation und Vertrauen, multiprofessionelle Zusammenarbeit.

Was beschäftigt die Mitarbeitenden jetzt, da viele Rahmenbedingungen der Transformation konkreter werden? Dieser Frage stellte sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz am Donnerstagabend bei einem Dialog mit hauptberuflichen Mitarbeitenden im Café im Eickeler Park. Nach einer Eucharistiefeier in der St. Marien-Kirche Eickel bot sich Priestern, Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten sowie Mitarbeitenden aus Dekanaten und Verwaltung die Möglichkeit, ihre Fragen, Sorgen und Erfahrungen einzubringen.

„Ihre Resonanzen mitzunehmen, ist ein Anliegen des Amtssitzwechsels“, erklärte Moderator Maximilian Schultes aus dem Bereich Pastorale Dienste zu Beginn. Es gehe auch darum, dass die Bistumsleitung nicht weit weg sei – weder räumlich noch vom Arbeitsalltag der Mitarbeitenden.

Zwischen Aufbruch und Skepsis

„Der Bistumsprozess ist inzwischen in eine neue Phase eingetreten“, sagte Erzbischof Dr. Bentz zu Beginn des Austauschs. Die Seelsorgeräume sind umschrieben, Übergangsleitungen benannt und die Lernräume auf den Weg gebracht. Damit werde für viele Menschen konkreter, was die Veränderungen für sie persönlich bedeuten.

Wie unterschiedlich die Reaktionen darauf ausfallen, hatte der Erzbischof bereits bei einer Begegnung mit Gremienvertretungen zu Beginn der Woche erfahren. Auf der einen Seite stehe die Kritik, dass Beteiligung gar nicht erwünscht sei und sowieso alles „von oben“ entschieden werde. Auf der anderen Seite gab es aber auch die Frage nach Chancen des Bistumsprozesses.

Zwischen diesen Polen bewegte sich auch der Dialog mit den Mitarbeitenden. Neben grundsätzlicher Bereitschaft zur Veränderung wurden Unsicherheiten, offene Fragen und Zweifel deutlich.

Wo ist mein Platz im Seelsorgeraum?

Eine Sorge betraf die eigene Rolle in den künftigen großen Seelsorgeräumen. Mitarbeitende fragten, ob sie dort weiterhin einen passenden Platz finden und lokal wirken können – oder ob die Gefahr besteht, in den größeren Strukturen ein Stück weit „heimatlos“ zu werden.

Erzbischof Bentz machte deutlich, dass deshalb genau geklärt werden müsse, wie Verantwortung unterhalb des Leitungstrios organisiert wird und wie Menschen weiterhin vor Ort Verantwortung übernehmen können. Wichtig sei, dass Aufgaben und Menschen zueinanderpassen.

Gleichzeitig warb er für einen realistischen Blick auf die Möglichkeiten in den großen Räumen. „Flächendeckende Nähe wird dort nicht mehr in derselben Weise möglich sein wie bisher“, sagte er. Nähe müsse deshalb anders gedacht werden: durch Konzentration auf bestimmte Orte, Aufgaben und Angebote, an denen wirkliche Nähe zu Menschen möglich werde.

Dazu gehöre auch eine ehrliche Bestandsaufnahme. Nicht alles, was bislang vorhanden sei, könne fortgeführt werden.

Neue Professionen – neue Zusammenarbeit

Auch die künftige Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams beschäftigte die Runde. Sind pastorale Mitarbeitende darauf vorbereitet, künftig stärker mit Menschen zusammenzuarbeiten, die andere berufliche Hintergründe, Kompetenzen und Perspektiven mitbringen? Und wie kann eine solche Zusammenarbeit vorbereitet werden?

Der Erzbischof betonte, dass Multiprofessionalität nicht bedeute, fehlende Priester oder Gemeindereferentinnen und -referenten einfach durch andere Berufsgruppen zu ersetzen. Ausgangspunkt müsse vielmehr die konkrete pastorale Aufgabe sein: „Welche Bedarfe gibt es in einem Seelsorgeraum – und welche Professionen und Kompetenzen werden benötigt, um darauf zu antworten?“ fragte er

Wenn Informationen nicht ankommen

Breiten Raum nahm die Kommunikation im Bistumsprozess ein. Erzbischof Bentz beschrieb eine Erfahrung, die ihn derzeit beschäftige: „Zwischen Paderborn und der Fläche scheine es bisweilen eine Art ‚Schwammschicht‘ zu geben, in der Informationen versickern.“ Immer wieder höre er den Satz: „Das ist bei mir nicht angekommen.“

Zugleich appellierte er an die Hauptberuflichen, selbst Teil des Kommunikationsnetzwerks zu sein und Informationen weiterzugeben. Denn Transformation könne nur gelingen, wenn Informationen durchlässig würden und Entwicklungen vor Ort besprochen werden.

Neue Begriffe brauchen Erklärung

Damit verbunden war der Wunsch nach einer besseren Übersetzung mancher Begriffe des Bistumsprozesses. Der Erzbischof hielt dagegen: „Neue Wirklichkeiten benötigen neue Begriffe“, sagte er. „Sonst werden neue Strukturen immer wieder mit alten Vorstellungen gefüllt.“

Als Beispiel nannte er die „Pfarrei“. Mit diesem Begriff seien vielfach noch Bilder einer kirchlichen Wirklichkeit verbunden, die es so nicht mehr gebe. Umso wichtiger sei es, neue Begriffe zu erklären und darüber miteinander im Gespräch zu bleiben.

Lernräume: nicht alles muss schon fertig sein

Eine weitere Frage galt den drei Lernräumen, die bei der Entwicklung der neuen Seelsorgeräume vorangehen – einer davon ist der künftige Seelsorgeraum Emschertal, in dessen Gebiet der Dialogabend stattfand. Wie kann es gelingen, innerhalb eines Jahres derart komplexe neue Strukturen auszugestalten?

Erzbischof Bentz ermutigte dazu, diese Aufgabe auch mit „Abenteuerlust“ anzugehen. Die Lernräume müssten ihren Weg nicht allein finden, sondern könnten auf verschiedene Begleitungs- und Unterstützungsangebote zurückgreifen.

Aus der Runde kam zugleich die Sorge, sich angesichts der vielen Aufgaben im Seelsorgeraum zu verzetteln. Neben der Beschäftigung mit einzelnen Strukturen brauche es möglicherweise stärker eine gemeinsame Vision, die Orientierung gebe und Bistum und Fläche miteinander verbinde.

Veränderung braucht Verbindlichkeit

An einer Stelle wurde der Dialog grundsätzlich. Mehrere Rückmeldungen drehten sich um die Frage, wie verbindlich Hauptberufliche selbst den Bistumsprozess mittragen. Nicht überall würden Informationen zur Bistumsentwicklung weitergegeben oder mit den Menschen vor Ort besprochen.

Erzbischof Bentz sah darin eine Frage der Kultur innerhalb der Dienstgemeinschaft: „Es fehlt teilweise an einer Kultur der Verbindlichkeit.“ Diesen Mangel wolle er jedoch nicht in erster Linie disziplinarisch angehen. Entscheidend sei vielmehr das Selbstverständnis der Mitarbeitenden und damit letztlich ein Kulturwandel.

Eine besondere Herausforderung der gegenwärtigen Phase bleibe dabei, dass viele Mitarbeitende verständlicherweise bereits wissen möchten, was die Transformation ganz konkret für ihre eigene Arbeit bedeutet. Gleichzeitig werden in den verschiedenen Teilprojekten noch grundlegende Fragen geklärt. Deshalb könne es derzeit noch nicht auf alles fertige Antworten geben.

Diese Ungleichzeitigkeit gelte es auszuhalten – und zugleich weiter miteinander im Gespräch zu bleiben.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi/Erzbistum Paderborn
Redaktion

Dr. Claudia Nieser

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