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© MNStudio / Shutterstock.com
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„Es geht um mehr als einen goldenen Ring am Finger“

Pfarrer Torsten Roland erlebt: Auch weniger kirchenverbundene Paare wissen, worauf sie sich bei der kirchlichen Trauung einlassen. Für ihn eröffnet die Sakramentenvorbereitung Raum für Glaubensfragen.

„Hier in Gütersloh haben wir verhältnismäßig viele Trauungen“, berichtet Torsten Roland, leitender Pfarrer im Pastoralen Raum Gütersloh. In diesem Jahr sind es bislang zwölf. Die Zahl führt er auch auf die oberschlesischen Wurzeln vieler Menschen in der Region zurück. „Sie haben oft noch eine engere Verbindung zum Glauben“, so Roland.

Zudem leben in Ostwestfalen viele aramäische Christen. In Gütersloh und Umgebung verteilen sich etwa 12.000 Aramäer auf drei syrisch-orthodoxe Gemeinden. Da komme es hin und wieder zu Ehen, die zwischen katholischen und syrisch-orthodoxen Christen geschlossen werden, berichtet Roland. Ein typisches Muster für kirchliche Trauungen sehe er aber nicht. „Bei uns gibt es alle Konstellationen, von zwei katholischen Partnern, über katholisch und evangelisch bis hin zu katholisch und ausgetreten.“

Junge Paare haben den Bezug zur Kirche nicht verloren

Der Sonntagsgottesdienst spielt bei den wenigsten Paaren eine Rolle. „Die jungen Brautpaare haben heute in der Regel keinen ganz so engen Bezug mehr zur Kirche“, sagt Roland. Und doch hätten die Paare den Bezug zur Kirche nicht vollständig verloren. „Sei es der Gottesdienst an Ostern und Weihnachten oder Erfahrungen als Messdiener oder als Gruppenleiter in der Ferienfreizeit – viele haben eine Verbindung zur Kirche oder wurden durch sie geprägt.

Viele Paare begründen die kirchliche Trauung mit dem Wunsch, ihre Ehe unter den Segen Gottes zu stellen. „Die Paare wollen mit und vor Gott Ja zueinander sagen“, sagt Roland. In den Traugesprächen habe er bisher immer die Erfahrung gemacht, dass das Paar weiß, worauf es sich da einlässt. „Ich erkläre im Laufe des Gesprächs, was ein Sakrament ist und was explizit das Sakrament der Ehe ausmacht. Da merke ich oft, dass das Paar sich dessen bewusst ist.“ Dazu gehört auch das katholische Verständnis einer unauflöslichen Ehe sowie die Offenheit für Kinder und deren Erziehung im katholischen Glauben.

Das Traugespräche gibt Raum für Glaubensfragen

Wenn möglich, teilt Roland das Traugespräch auf zwei Termine auf. „Beim ersten Treffen geht es darum, sich kennenzulernen und den ganzen Papierkram abzuarbeiten“, sagt er. Liegen die Taufscheine vor? Sind beide Ehepartner katholisch oder nicht? Wer von ihnen ist gefirmt? Wann und wo soll die kirchliche Trauung stattfinden

Beim zweiten Treffen – oft beim Brautpaar zu Hause – sprechen sie dann über die konkrete Gestaltung des Gottesdienstes. „Dabei kommt man zwangsläufig über grundlegende Fragen ins Gespräch, wie: Warum lassen Sie sich kirchlich trauen? Oder: Wie sieht Ihre Verbindung zu Gott und der Kirche aus?“, so Roland. Dabei komme es zu tiefgreifenden Gesprächen, intensiven Diskussionen und ab und an auch zu einer Träne.

Ehevorbereitungskurse sind eine gute Ergänzung

An diese Fragen knüpfen auch die Ehevorbereitungskurse an. Die Kurse dauern meist ein bis zwei Tage und werden von Dekanaten, Bildungshäusern oder der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung organisiert. In diesen Kursen lernen die Brautpaare etwas über das Sakrament der Ehe, bekommen praktische Tipps für die Gestaltung des Gottesdienstes und reflektieren ihre Beziehung.

„Ich habe immer nur Gutes von Paaren gehört, die diese Kurse besucht haben“, sagt Roland. Dort werden solche Fragen besprochen, wie: Warum lasse ich mich eigentlich trauen? Warum bin ich in der Kirche? Was bedeutet mir die katholische Kirche? Welche Rolle spielt Gott in meinem Leben? „Viele schätzen den Austausch mit den anderen Paaren“, sagt Roland.

In der Begleitung der Paare ist mir wichtig, den Menschen mit offenem Herzen zu begegnen.

Pfarrer Torsten Roland

Das Traugespräch ist nicht dazu da, die Paare zu überprüfen

„In der Begleitung der Paare ist mir wichtig, den Menschen mit offenem Herzen zu begegnen. Dann kann aus den Begegnungen eine Menge Positives erwachsen“, sagt Roland. „Bei meiner letzten Stelle in Lippstadt habe ich tatsächlich einmal erlebt, dass sich durch den Kontakt bei der Trauung eine ausgetretene Person dazu entschieden hat, wieder in die Gemeinschaft der Kirche einzutreten.“ Das sei zwar eher die Ausnahme, zeige jedoch, welches Potenzial in solchen Begegnungen stecke.

Roland will die Paare im Traugespräch nicht prüfen oder bewerten. Ihm geht es darum, Fragen nach Gott, Kirche und gemeinsamer Zukunft Raum zu geben. Dabei mache er deutlich, dass der Hochzeitstag nicht nur ein Fest für zwei Menschen sei: Zwar spendeten sich die beiden das Sakrament gegenseitig, zugleich stehe ihr Ja zueinander vor Gott. „Es geht um mehr als einen goldenen Ring am Finger“, so Roland. Wenn Paare in der Vorbereitung auf die Trauung ein Gespür dafür bekämen, dass ein gemeinsames Leben mit Gott eine Bereicherung sein könne, sei für ihn viel gewonnen.

Mehr Informationen rund um das Thema Ehe und Ehevorbereitung finden Sie hier.

 

Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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