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© R_Tee / Shutterstock.com
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Transformation als Kompass

Kirchenvorstände im GemeindeVerband Mitte beraten über die Kirche der Zukunft

MESCHEDE / ERZBISTUM PADERBORNDie katholische Kirche im Erzbistum Paderborn befindet sich in einer Phase der tiefgreifenden Neuausrichtung, die weit über rein organisatorische Anpassungen hinausgeht. In der Schützenhalle Meschede kam am vergangenen Dienstag die Verbandsvertreterversammlung des GemeindeVerbandes Mitte zusammen, um über die drängenden Fragen der Zukunft zu beraten. 240 Kirchenvorstände aus über 250 katholische Kirchengemeinden zwischen Hamm und Siegen nahmen in Präsenz teil, während sich weitere 95 Teilnehmer digital zuschalteten. Das dominierende Thema des Abends: Die „Transformation im Erzbistum“.

Die Diskussionen in Meschede wurden intensiv und hochgradig emotional geführt, blieben dabei jedoch in einem konstruktiven Rahmen. Im Zentrum stand der unter dem Leitwort „Glauben. Gemeinsam. Gestalten.“ gestartete Bistumsprozess. Dieser Prozess ist eine Antwort auf massive gesellschaftliche Umbrüche wie sinkende Mitgliederzahlen und schwindende personelle Ressourcen. In der Versammlung wurde deutlich, dass dieser Wandel bei vielen Beteiligten Ängste auslöst – insbesondere die Sorge um den Verlust der vertrauten Identität vor Ort.

Zwei Säulen der Veränderung: Pastoral und Verwaltung

Der Transformationsprozess gliedert sich in zwei wesentliche Bereiche: den seelsorgerischen Part und die Modernisierung der Kirchenverwaltung. Die pastorale Transformation sieht vor, dass bis zum Jahr 2030 im gesamten Erzbistum maximal 25 Seelsorgeräume entstehen. Diese neuen Einheiten sollen durch multiprofessionelle Teams und „verlässliche Orte“ eine neue Qualität der Präsenz ermöglichen.

Die Verwaltungstransformation hingegen zielt darauf ab, die administrative Arbeit effizienter aufzustellen. Hierbei steht ein möglicher Zusammenschluss der bisherigen drei Gemeindeverbände und des Erzbischöflichen Generalvikariats zu einer zentralen Dienstleistungseinheit im Raum.Volker Mauß, Diözesan-Ökonom und Leiter des Bereichs Finanzen im Erzbistum Paderborn, vertrat den Prozess vor Ort und betonte die Bedeutung der Subsidiarität.

 „Das Subsidiaritätsprinzip bleibt unser Anker. Wir schaffen zwar effiziente, zentrale Strukturen, aber die Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort müssen so groß wie möglich bleiben. Die Kirche muss dort lebendig sein, wo die Menschen leben.“

Volker Mauß, Diözesan-Ökonom und Leiter des Bereichs Finanzen im Erzbistum Paderborn

Kirchenverwaltung ist kein Selbstzweck

Ein Konsens aller Redner der Versammlung war, dass Kirchenverwaltung niemals ein Selbstzweck sein darf. Sie hat die Aufgabe, den pastoralen Auftrag zu unterstützen und die ehrenamtlich Engagierten von bürokratischen Lasten zu befreien. Dechant Georg Schröder, Vorsitzender der Verbandsvertretung, unterstrich: „Die Kirche wandelt sich fundamental. Das erfordert Mut zum Abschied, aber auch die Kraft, das Neue so zu gestalten, dass die Verwaltung der Seelsorge dient und nicht umgekehrt.“

Sebastian Schrage, Geschäftsführer des GemeindeVerbandes Mitte, sieht sich hierbei als Brückenbauer. Er machte deutlich, dass er die Anliegen der Basis direkt in die Planungen einfließen lässt:

Ich sehe es als meine Kernaufgabe in diesem Prozess an, die Sorgen und konstruktiven Bedenken, die Sie hier in der Versammlung äußern, mit in die Entscheidungsgremien des Erzbistums zu nehmen. Dieser Prozess ist für unsere Kirche beispiellos; es gibt keine Blaupausen, auf die wir einfach zurückgreifen könnten. Mein Ziel ist es, dass das Ehrenamt am Ende gestärkt aus dieser Transformation hervorgeht und wieder mehr Raum für das eigentliche Gemeindeleben gewinnt.“

WIR-KITAs: Gemeinschaft in stürmischen Zeiten

Ein weiterer Schwerpunkt war die Situation der Kindertageseinrichtungen. Mit der Fusion zur „WIR-KITAs gem. GmbH“ ist einer der größten Träger der Region entstanden. Michael Stratmann, Geschäftsführer der WIR-KITAs, verdeutlichte die aktuelle Lage: „Die Zeiten sind mehr als stürmisch, sie sind transformativ. Wir brauchen jetzt Menschen, die mutig mitgehen. Wir müssen einfach machen – die Kinder in unseren Einrichtungen machen uns diesen unbefangenen Umgang mit Veränderungen jeden Tag vor.“ Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen durch das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) bleibe das Ziel, die Kitas als pastorale Orte in den künftigen Seelsorgeräumen zu sichern. Michael Startmann ist sich sicher: „Die Größe unserer neuen WIR-KITA gem. GmbH erlaubt es uns nicht nur, manches politisch gemachtes Finanzproblem temporär abzufedern, sondern macht uns gegenüber den Verantwortlichen in Verwaltungen und Parlamenten auch zu einem relevanten Gesprächspartner auf Augenhöhe.“

Finanzielle Solidarität und Ausblick

Ein wichtiges Signal der Unterstützung kam aus dem Kirchensteuerrat. Erstmalig berichteten in dieser Versammlung Iris Korbmacher (Erwitte) und Burkhard König (Schmallenberg) als neugewählte Mitglieder des Gremiums über die finanzielle Lage und die geplanten Investitionen des Erzbistums. Trotz rückläufiger Erträge verfügt das Erzbistum über eine solide Basis, um den Wandel zu finanzieren. Insgesamt 43,8 Millionen Euro aus dem Bilanzgewinn werden für Sonderförderungen ausgeschüttet. Diese Mittel fließen direkt in die Seelsorge vor Ort, in einen Hilfsfonds für dringende bauliche Maßnahmen der Gemeinden sowie in soziale Projekte und den ökologischen Umbau von Immobilien.

Die Versammlung in Meschede hat gezeigt, dass die Transformation ein gemeinsamer Lernweg ist. Es geht nicht um den reinen Selbsterhalt der Institution, sondern darum, den Glauben in einer sich wandelnden Welt handlungsfähig zu halten. Mit der Wahl des neuen Verbandsausschusses und der Bestätigung von Ralf Bartmeier als stellvertretendem Vorsitzenden blickt der GemeindeVerband Mitte stabil in die Zukunft.

Ihr Einsatz ist das Fundament, auf dem wir die Kirche von morgen bauen. Lassen Sie uns diesen Weg des Wandels gemeinsam gehen – mit Zukunftsmut, Gemeinschaft und Vertrauen.“

Dechant Georg Schröder

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