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© YUCALORA / Shutterstock.com
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Räume im Wandel wie Kirche unter neuen Bedingungen nahe bleibt

Blog-Beitrag von Generalvikar Prälat Thomas Dornseifer

Viele Menschen im Erzbistum Paderborn fragen sich, wie die Kirche vor Ort unter den veränderten Bedingungen weitermachen kann. Was bedeutet es, wenn sich vertraute Orte verändern oder wenn wir künftig weniger Gebäude unterhalten können?

Diese Fragen berühren nicht nur Räume, sondern auch die Identität. Sie verdienen ehrliche Antworten. Dabei müssen wir uns immer wieder daran erinnern, dass Kirche im Kern Beziehung ist. Nähe entsteht durch Begegnung, Aufeinander-Zugehen und Sich-Einlassen. Hören, Verstehen, Antworten. Darin drückt sich eine Haltung aus, die entscheidender ist als jeder Grundriss.

Wir werden nicht überall räumlich präsent sein können wie bisher. Aber wir können personale Nähe stärken. Und wir können Menschen neu erreichen. Das ist keine Verkleinerung der Kirche, sondern eine Einladung, das Evangelium mit neuer Klarheit zu leben.

Weniger Gebäude, aber Räume, die mehr ermöglichen

Es stimmt: Wir werden künftig weniger Immobilien unterhalten. Die Räume, die bleiben, sollen jedoch intensiver und vielfältiger genutzt und für die Realität geöffnet werden. Dabei stellen sich wichtige Fragen: Welche Gebäude stärken die kirchliche Präsenz? Welche Räume sind so identitätsstiftend, dass sie die Orte prägen? Wie gelingt eine vielfältige Nutzung, ohne das Sakrale zu verlieren?

Ein Beispiel zeigt, wie die Zukunft aussehen kann: Ein über hundert Jahre alter Kirchenraum wird behutsam verkleinert. Der liturgische Raum bleibt erhalten, während rundherum flexible Räume für Begegnung, Bildung, Beratung und Begleitung entstehen. Bestehendes wird kleiner und macht so Neues möglich. Solche Lösungen zeigen: Wir verlieren keine Räume, sondern gewinnen neue Möglichkeiten zur Gestaltung des kirchlichen Lebens hinzu.

Was ist erhaltenswert, was ist schützenswert?

Eine der drängendsten Fragen lautet: Welche Gebäude sollen erhalten bleiben? Pauschale Antworten helfen hier nicht weiter. Eine klare Unterscheidung ist jedoch möglich: Ein Gebäude ist erhaltenswert, wenn es pastoral benötigt wird. Schützenswert ist ein Gebäude hingegen, wenn es ein sichtbares Zeichen christlicher Kultur und kirchlichen Lebens ist.

Manchmal ist ein Gebäude beides, manchmal nur eines von beiden. Und manchmal ist ein Gebäude denkmalpflegerisch wertvoll, pastoral jedoch kaum noch tragbar. Diese Ehrlichkeit in der Unterscheidung ist wichtig, um begründet und mit Maß zu entscheiden, ohne etwas abzuwerten.

Um Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen, eignen sich fünf Leitlinien. Die betreffen die pastorale Notwendigkeit, kulturelle und spirituelle Bedeutung, ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und generationengerechte Nutzung. Diese Kriterien ersetzen nicht die Gespräche und das Ringen vor Ort. Sie machen jedoch deutlich, dass Entscheidungen nicht zufällig, sondern verantwortbar getroffen werden.

Neue Nutzungen, tragfähige Partnerschaften

Beim Umgang mit kirchlichen Gebäuden muss auch die Frage gestellt werden: Wer kann diese Räume künftig nutzen? Und wofür? Das Spektrum möglicher Gruppen und Partner ist größer als viele vermuten: ökumenische Kooperationen, soziale und kulturelle Träger, Initiativen aus dem Dorf oder Stadtteil, Bildungs- und Jugendeinrichtungen sowie neue geistliche und gemeinschaftliche Formen.

Wenn eine Kirche nicht mehr liturgisch genutzt wird, bedeutet das nicht, dass sie abgeschlossen oder abgerissen werden muss. Im Gegenteil: Viele Gebäude können eine neue Bestimmung finden, wenn stabile und zukunftsfähige Trägerschaften entstehen, die nicht oder wenigstens nicht unbedingt von den bisherigen Finanzmitteln abhängig sind.

Wichtig dabei ist: Auch bei alternativen, neuen Trägern soll die geistliche Grundprägung und Strahlkraft der Räume spürbar bleiben. So können die Gebäude auch bei neuen Nutzungen christlich geprägt bleiben und in die Gesellschaft einwirken.

Kirche bleibt Beziehung – für alle Generationen

Veränderung darf niemanden aus dem Blick verlieren. Kinder und Jugendliche benötigen Räume, die sie selbst gestalten können. Ältere Menschen brauchen Orte der Vertrautheit und Geborgenheit. Und auch Menschen, die der Kirche fernstehen, sollen sich angesprochen und eingeladen fühlen. Die neu gestalteten Räume müssen deshalb offen, flexibel und nutzer- bzw. gastfreundlich sein. Sie sollen nicht weniger, sondern anders Kirche ermöglichen. Etwas Anderes, das zu etwas Größerem führt und in der Wahrnehmung der Menschen ein tatsächliches Mehr bedeutet.

Mut, Vertrauen und gemeinsames Gestalten

Unser Erzbischof bringt es auf den Punkt: „Veränderungsprozesse greifen nur, wenn keine fertigen Antworten vorgesetzt werden.“ Ich bitte Sie daher: Bleiben Sie im Gespräch. Bringen Sie Ihre Sichtweise und Ihre Vorstellungen ein. Sie kennen Ihre Orte, Ihre Bedürfnisse und Ihre Geschichte am besten. Ohne Ihre Perspektiven kann es keine tragfähigen Lösungen geben.

Haben wir gemeinsam den Mut, Neues zuzulassen. Nicht, weil das Alte wertlos wäre, sondern weil Zukunft entsteht, wenn wir ihr Raum geben. Denken wir großzügig und über bisherige Grundrisse hinaus. Kirche wächst dort, wo Menschen miteinander glauben, hoffen und handeln.

Räume, die dem Leben dienen

Wir können nicht alles erhalten. Aber wir können alles, was wir tun, so gestalten, dass es dem Leben der Menschen dient, heute wie morgen. Räume verlieren nicht ihre Bedeutung. Sie verändern sich und ermöglichen dadurch Neues.

Wenn wir gemeinsam unterwegs bleiben – ehrlich, mutig und im Vertrauen auf das Evangelium –, dann bin ich überzeugt, dass eine Kirche erlebbar ist und wächst, die auch unter neuen Bedingungen nahe bei den Menschen bleibt und neue Wege eröffnet.

Ihr
Generalvikar Thomas Dornseifer

„Veränderung darf niemanden aus dem Blick verlieren. Kinder und Jugendliche benötigen Räume, die sie selbst gestalten können. Ältere Menschen brauchen Orte der Vertrautheit und Geborgenheit. Und auch Menschen, die der Kirche fernstehen, sollen sich angesprochen und eingeladen fühlen. Die neu gestalteten Räume müssen deshalb offen, flexibel und nutzer- bzw. gastfreundlich sein. Sie sollen nicht weniger, sondern anders Kirche ermöglichen. Etwas Anderes, das zu etwas Größerem führt und in der Wahrnehmung der Menschen ein tatsächliches Mehr bedeutet.“

Generalvikar Prälat Thomas Dornseifer

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