logocontainer-upper
Wir-Portal
logocontainer-lower
© Marcel Clasen / Erzbistum Paderborn
© Marcel Clasen / Erzbistum Paderborn

Prävention braucht Haltung

Beim Fachtag Prävention 2026 in der Kommende Dortmund zeigte Prof. Pater Hans Zollner SJ, warum wirksames Safeguarding mehr braucht als Leitlinien: sichere Beziehungen, transparente Strukturen und Menschen, die Verantwortung leben.

Schutzkonzepte, Leitlinien und verbindliche Regeln sind unverzichtbar. Doch Prävention gelingt erst dann, wenn sie im Alltag gelebt wird: in Gruppenstunden und Beratungsgesprächen, in Schulen und Kitas, in Pastoral, Verwaltung, Verbänden und Einrichtungen. Genau darum ging es jetzt beim Fachtag Prävention 2026 des Erzbistums Paderborn in der Kommende Dortmund.

Unter dem Leitmotiv „Verantwortung leben – Schutz gestalten. Zwischen Haltung, Struktur und gelebter Prävention“ kamen Präventionsfachkräfte, Schulungsreferenten und Verantwortliche zusammen, um die nächste Etappe der Präventionsarbeit in den Blick zu nehmen. Nachdem in den vergangenen Jahren vielerorts Schutzkonzepte entwickelt und umgesetzt wurden, stand nun die Frage im Mittelpunkt, wie daraus eine dauerhaft wirksame Kultur des Schutzes entstehen kann. Eingeladen hatte dazu die Koordinierungsstelle für Prävention unter der Leitung von Vanessa Meier-Henrich und den Mitarbeitenden Stefan Beckmann, Anna Meermeyer-Decking und Matthias Kornowski.

Den Hauptvortrag hielt Prof. Pater Hans Zollner SJ, Direktor des Institute of Anthropology – Interdisciplinary Studies on Human Dignity and Care (IADC) an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und Professor an der Gregoriana. In seinem Vortrag „Safeguarding² – Was über Leitlinien hinaus wichtig ist“ machte der international anerkannte Kinderschutzexperte deutlich: Safeguarding ist mehr als ein Verfahren. Es ist eine Haltung.

Zollner würdigte ausdrücklich die Arbeit der anwesenden Präventionsfachkräfte und Schulungsreferenten. Sie seien für das Erzbistum Paderborn „ein unglaublicher Schatz“. Auch Vanessa Meier-Henrich, Präventionsbeauftragte des Erzbistums Paderborn, betonte, dass Prävention weit mehr sei als das bloße Einhalten formaler Vorgaben: „Ein Dokument im Aktenordner schützt niemanden.“

Sichere Räume, sichere Beziehungen

Der Begriff „Safeguarding“ sei selbst im Englischen nicht eindeutig definiert, erklärte Pater Zollner. Für ihn umfasst Safeguarding sichere Räume, sichere Beziehungen, sichere Praktiken und Prozesse sowie sichere Strukturen – sowohl im physischen als auch im digitalen Raum.

Sichere Beziehungen bedeuteten dabei einen achtsamen Umgang miteinander: eigene Grenzen wahrnehmen und setzen, die Grenzen anderer achten, Würde schützen und Menschen beteiligen. Prävention beginnt damit nicht erst bei einem Verdacht oder in einer Krise. Sie beginnt im alltäglichen Miteinander.

„Safeguarding bedeutet, alles zu tun, was in unserer Macht steht“, sagte Pater Zollner. Ziel sei es, Kinder, Jugendliche sowie schutz- und hilfebedürftige Erwachsene bestmöglich zu schützen und zugleich in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken.

Mit Blick auf die weltweite Kirche berichtete Zollner von sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Auf allen Kontinenten sei Prävention sexualisierter Gewalt inzwischen ein Thema. Zugleich gebe es weiterhin Unbehagen, Unwissenheit und Widerstände: „Das Abwehren in der katholischen Kirche ist nach wie vor weltweit spürbar“, sagte er. Gleichzeitig werde heute deutlich mehr in Schutzmaßnahmen investiert: „Die katholische Kirche macht weltweit insgesamt mehr als jede andere Religion, Konfession oder Institution, einschließlich staatlicher Einrichtungen.“

Gerade deshalb sei ein Fachtag wie der in Dortmund wichtig: Er mache sichtbar, dass Prävention nicht als einmalige Pflichtaufgabe verstanden werde, sondern als dauerhafter Prozess der Qualitätsentwicklung, der persönlichen Auseinandersetzung und der gemeinsamen Verantwortung.

Von der Vorgabe zur gelebten Praxis

Leitlinien, Vorgaben und Praktiken seien wichtig, veränderten aber allein noch nichts. Entscheidend sei, dass aus Theorie gelebte Praxis werde. Dazu brauche es die Entwicklung von Haltungen und eine Veränderung der Mentalität.

„Es muss eine innere Bereitschaft zur Verhaltensänderung geben“, betonte Pater Zollner. Prävention brauche ein „Darüber-Hinausgehen“, ein „Mehr“, das nicht nur Abläufe ordnet, sondern die Persönlichkeit prägt und zu einer ganzheitlichen Haltung der Achtsamkeit führt. Für kirchliche Einrichtungen, Gemeinden, Verbände und Dienste bedeutet das konkret: den eigenen Umgang miteinander immer wieder reflektieren, die Organisationskultur weiterentwickeln, Verantwortung klären und Qualität sichern. Schutzkonzepte dürfen nicht nur vorhanden sein. Sie müssen verstanden, überprüft, eingeübt und im Alltag wirksam werden.

Zugleich verwies Zollner auf das, was im Erzbistum Paderborn bereits gewachsen ist:

„Sie können darauf aufbauen, dass bereits 105.000 Menschen im Erzbistum Paderborn zur Achtsamkeit geschult wurden.“

Prävention stärkt Menschen

Wie sich Mentalitäten verändern lassen, beschrieb Zollner mit mehreren zentralen Punkten: einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der Realität, der Stärkung und Beteiligung von Menschen, Empowerment sowie gemeinschaftlichem Engagement als Teil kirchlicher Sendung.

Damit rückte der Fachtag auch eine wichtige Perspektive für Ehrenamtliche und Hauptberufliche in den Mittelpunkt: Prävention schützt nicht nur vor Gewalt. Sie stärkt Menschen darin, ihre Würde wahrzunehmen, Grenzen zu benennen, Verantwortung zu übernehmen und einander aufmerksam zu begegnen.

Am Nachmittag wurde dieser Ansatz in fünf Fokusgruppen vertieft. Die Teilnehmenden beschäftigten sich unter anderem mit Safeguarding und Glaubwürdigkeit, alltagsintegrierter Prävention, Erfolgsfaktoren für die Implementierung von Schutzstrukturen, Resilienzförderung sowie kreativen sozialkünstlerischen Ansätzen. So wurde deutlich: Prävention ist eine Aufgabe vieler Handlungsfelder – und sie lebt davon, dass Menschen ihre Erfahrungen, Fragen und Kompetenzen einbringen.

Verantwortung als geistliche Frage

Zum Abschluss stellte Pater Hans Zollner grundlegende Fragen in den Mittelpunkt. Unter dem Stichwort Spiritualität fragte er: „Wer sind wir berufen zu sein. Als Getaufte?“ Mit Blick auf Interkulturalität stellte er die Frage: „Was wollen wir sein und wie wollen wir handeln?“ Zur Transparenz gehöre die Frage: „Wie gehen wir mit unseren Fehlern und Verbrechen um?“ Und im Zusammenhang mit Verantwortung und Rechenschaftspflicht fragte Zollner: „Was möchte uns der Gott der Geschichte und Herr seiner Kirche sagen?“

Der Fachtag Prävention 2026 machte damit deutlich: Schutz ist keine Zusatzaufgabe am Rand kirchlichen Handelns. Prävention gehört ins Zentrum einer Kirche, die glaubwürdig sein will. Sie beginnt bei Strukturen, braucht Fachlichkeit und Verfahren – und wird wirksam durch Menschen, die Verantwortung leben und Schutz gestalten.

Weitere Einträge

© PhotoDoc/Shotshop.com

News Die WM 2026 gemeinsam erleben

Was Kirchengemeinden und katholische Einrichtungen beim Public Viewing beachten sollten
© Andrei_Diachenko / Shutterstock.com

News Neue Podcastfolge: Ab wann gibt es die Seelsorgeräume und wie merke ich das?

Ab dem 1. Advent 2026 entstehen die neuen Seelsorgeräume im Erzbistum Paderborn. Was sich dadurch verändert, wie es weitergeht und welche Orte künftig zusammenarbeiten, darüber sprechen Redakteur Tobias Schulte, Generalvikar Dr. Michael Bredeck und Tobias Heinrich.
© TelefonSeelsorge Hagen-Mark

News TelefonSeelsorge Hagen-Mark sucht neue Ehrenamtliche: Ausbildung startet im Juni

Die Ausbildung stärkt die Empathie, fördert die Klarheit in schwierigen Situationen und vermittelt Sicherheit im Umgang mit Menschen. Viele Ehrenamtliche berichten, dass sie nicht nur andere begleiten, sondern auch selbst wachsen.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit