Austausch nach Veröffentlichung der Studie
Die unabhängige Studie der Universität Paderborn zu sexueller Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum stand am Dienstag im Mittelpunkt einer Mitarbeitendenversammlung. Rund 450 Frauen und Männer verfolgten die Veranstaltung vor Ort im Erzbischöflichen Generalvikariat oder per Livestream. Im Mittelpunkt standen die Einordnung der Ergebnisse, erste Reaktionen aus dem Erzbistum sowie die laufenden Dialogprozesse in den Regionen.
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz sowie die Generalvikare Dr. Michael Bredeck und Thomas Dornseifer berichteten von ihren Eindrücken der vergangenen Tage und verwiesen auf die begonnenen regionalen Dialogveranstaltungen. Ziel sei es, „mit den Menschen in der Fläche und den Engagierten ins Gespräch zu kommen“, so der Erzbischof.
Studie bewegt Verantwortliche und stellt Vertrauen in den Fokus
Die beiden Generalvikar Dr. Michael Bredeck und Thomas Dornseifer, die beide von Erzbischof Degenhardt zum Priester geweiht wurden, machten zu Beginn deutlich, dass sie die Ergebnisse der Studie stark beschäftigten und zahlreiche Fragen erzeugten. „Das wühlt mich auf“, sagte Generalvikar Thomas Dornseifer.
Erzbischof Bentz machte deutlich, dass die Dienstgemeinschaft nach den Erkenntnissen der Studie nun zunächst Teil eines „irritierten Systems“ sei: „Dieser innerste Kern, dass eine Dienstgemeinschaft lebt aus gegenseitigem Vertrauen und Verlässlichkeit, das ist jetzt erst einmal grundsätzlich infrage gestellt.“ Hier sei wichtig, innezuhalten und wahrzunehmen, dass Verfahren im Bereich Prävention, Intervention und Aufarbeitung in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und verbindlich geregelt wurden.
Dialogveranstaltungen zeigen unterschiedliche Resonanzen
Aus den bisherigen regionalen Dialogveranstaltungen berichtete die Bistumsleitung von einer hohen Beteiligung und vielfältigen Rückmeldungen. Neben strukturellen Fragen und der Forderung nach einem Kulturwandel wurden insbesondere persönliche Erfahrungen und Betroffenheiten angesprochen.
„Wir können und wollen die Menschen damit nicht allein lassen“, sagte Erzbischof Bentz. Er machte deutlich, dass er von allen pastoralen Mitarbeitenden erwarte, die Gemeinden zu der Thematik seelsorgerisch zu begleiten. Bei Bedarf könne auch Unterstützung vom Erzbischöflichen Generalvikariat angefragt werden. „Eine Tabuisierung hat über Jahrzehnte stattgefunden, jetzt nicht mehr.“ Die Auseinandersetzung mit dem Thema müsse auf allen Ebenen geführt werden. Dabei gehe es auch darum, unterschiedliche Formen von Betroffenheit – etwa im familiären oder gemeindlichen Umfeld – wahrzunehmen und einzubeziehen.
Rückmeldungen aus der Dienstgemeinschaft und Ausblick
In der Versammlung brachten Mitarbeitende eigene Erfahrungen und Beobachtungen ein. Thematisiert wurden unter anderem unterschiedliche Reaktionen in Gemeinden, Fragen zur Sprachfähigkeit im Umgang mit dem Thema sowie Erwartungen an klare Haltungen und Verfahren.
Mit Blick auf die nächsten Schritte kündigte die Bistumsleitung an, Inhalte der Studie weiter aufzubereiten und Unterstützungsangebote auszubauen. Erzbischof Bentz betonte die Bedeutung des gemeinsamen Austauschs: „Wir brauchen eine Sprachfähigkeit für all das. Dann werden wir auch zu einem Umgang damit fähig sein.“
Zugleich unterstrich er die gemeinsame Verantwortung im weiteren Prozess: „Die wichtigste Botschaft ist, dass wir das gemeinsam anpacken und einen Kulturwandel gestalten.“