Seit Beginn des Spirituellen Sommers im Jahr 2012 war und ist die Christliche Wegbegleitung eine Hauptakteurin. Allein von 2012-2019 waren es 346 Veranstaltungen, mit 18.070 Teilnehmer:innen, die nur im Rahmen der Christlichen Wegbegleitung stattfanden. „Lichterkirche und Bibelgarten sind da nicht mitberücksichtigt“, so Monika Winzenick. Sie staunt selbst immer noch über die Masse an Menschen, die erreicht wurden. Weitere fünf Jahre sind noch gar nicht einbezogen.
Die Spirituelle Sommer richten sich jeweils auf ein für drei Jahre vorgegebenes Leitthema. Höhepunkte der Veranstaltungsreihe sind Konzerte und Lesungen mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Von Pilgerangeboten über Gottesdienste bis hin zu Tanzworkshops oder Achtsamkeitsübungen: An vielen besonderen Orten in Südwestfalen gibt es vielfältige Zugänge zum Thema Spiritualität. Eine besondere Rolle spielen dabei Projekte im Bereich der bildenden Kunst. Hinzu kommen Diskurs-Angebote zum Verhältnis von spirituellem Denken und Handeln und gesellschaftlicher Verantwortung. Das Leitthema des Spirituellen Sommers für 2022 bis 2024 lautete „Himmel und Erde“, von 2025 bis 2027 wird es um die „SINN(E)“ gehen.
Die Angebote laden die Menschen ein, innezuhalten, bewusst Momente der Stille und Entschleunigung zu erleben und sich auf sehr unterschiedliche Weise mit sich, mit der Welt und mit spirituellem Denken und Handeln auseinanderzusetzen. Dies in jährlich ca. 250 Veranstaltungen an mehr als 80 Orten über drei Monate. Rund 100 Seiten umfasst mittlerweile das Programmheft. In Südwestfalen ist so in den letzten Jahren eine einzigartige, lebendige und vielseitige spirituelle Kultur entstanden, die Neues und Unvermutetes erprobt und den Reichtum der überlieferten spirituellen Praxis vermittelt. Zu erleben sind die Angebote im Kreis Olpe, im Hochsauerlandkreis, im Kreis Siegen-Wittgenstein, im Märkischen Kreis und im Kreis Soest, also in der Wirtschafts- und Touristikregion Südwestfalen.
Das „Netzwerk Wege zum Leben. In Südwestfalen“
Seit dem Jahr 2012 ist in Südwestfalen ein starkes Netzwerk aus Touristikern, Kirchen, Kulturschaffenden und Heimatbünden entstanden, das von der Historikerin Barbara Rickert an der Schnittstelle zwischen Tourismus und Kirche geleitet wird. In der Lenkungsgruppe war von Anfang an, als Vertreter der Katholischen Kirche der Dekanatsreferent aus HSK-Mitte dabei, die Erziehungswissenschaftlerin Britta Spahlholz führt dies nun fort.
Gleichzeitig entstand im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe das Projekt Christliche Wegbegleitung. Tourismuspastoral im Erzbistum Paderborn versteht sich als konkrete Netzwerkarbeit – und möchte auch in Zukunft einen solchen Weg gehen. Darüber freut sich Hubertus Winterberg, Südwestfalen Agentur. Er betonte im Rahmen der Fachwerkstatt: „Diejenigen, die aus der ureigensten Sache heraus Werte, Halt und Orientierung geben wollen und können, werden von den Suchenden nicht gefunden! Die Konsequenz scheint fast so einfach wie logisch: Kirche muss mit ihren Glaubensinhalten wieder stärker die Wege der Menschen kreuzen – niederschwellig, authentisch und auf Augenhöhe, mit neuen Bildern und in einer den Menschen zugänglicheren Sprache.“ Wege – Orte – Menschen: In Südwestfalen entstehe eine beispielgebende neue Qualität des spirituell orientierten Tourismus, bei dem nicht nur Wege und Orte in Bezug gesetzt würden. „Als dritte Dimension werden noch stärker als bisher die Menschen der Region aktiver einbezogen als Gastgebende oder Zuhörende, die bei Bedarf ihre Lebenserfahrung und Glaubenserfahrungen miteinbringen und sich auch im Gegenzug öffnen für die Welt des Gegenübers.“
Sauerland-Seelenorte und Open-Mind-Places
Felsen und Steinbrüche, Kirchen und Bergkuppen, mächtige Bäume und unterirdische Grotten, Seen und Täler. 42 Orte, über die Sauerland-Wanderdörfer verteilt: Auch wenn jeder Sauerland-Seelenort seine eigene Geschichte erzählt, gibt es eine Qualität, die alle verbindet: Lebendige Stille. „Die großartige Resonanz auf diese Neu- und Wiederentdeckung von Landschaft und Inspiration bei Touristen wie Bevölkerung zeigt, wie erfolgreiche Verbindungen gestaltet werden können“, betonte Hubertus Winterberg. In Medebach-Referinghausen verbindet eine Route neun Open-Mind-Places des Architekten und Künstlers Christoph Hesse.“ Und es geht weiter: Im Juni 2024 wurde im benachbarten Hillershausen die von Christoph Hesse gestaltete „Bergkapelle“ eingeweiht – ein Raum für Gedanken, Wünsche und die Begegnung mit Gott in der Natur.
Die Wissenschaft
Prof. Dr. Birgit Hoyer betonte in Bad Fredeburg: „Die Transformation, die wir angehen, ist ein kulturelles Projekt: Es geht darum, wie wir in Zukunft leben, wer wir in Zukunft sein wollen. Für diese Transformation benötigen wir Nordsterne, Zielperspektiven, an denen wir uns und den notwendigen Kulturwandel ausrichten. Im Sauerland/Südwestfalen/Ostwestfalen verstehen Sie etwas von dieser übergeordneten Bestimmung, vom Nordstern, vom Himmel, von der Sehnsucht. Es geht in diesem Workshop um die Selbstfindung der Region und die Selbstfindung der Kirche im Erzbistum Paderborn – und weit darüber hinaus.“
Das Zielbild
Stephan Lange, Leiter der Abteilung „Leben im Pastoralen Raum“ stellte dazu im Rahmen der Fachwerkstatt u.a. diesen Satz aus dem „Zielbild 2023+“ vor: „Wir im Erzbistum Paderborn gewinnen Zukunft aus der lebensverändernden Kraft des Evangeliums und unserem Einsatz für die Gesellschaft.“ Lange betonte: „Die Tourismuspastoral ist auch ein Ort, in dem die Akteure selbst aktiv und kreativ sein können. Denn die Menschen vor Ort, die kirchlich engagierten, aber auch die Fachleute in ihren jeweiligen Professionen – Touristiker, Künstler, Kultur- und Museumsleute – sind Spezialisten auf ihrem Feld. Sie müssen die Freiheit haben, ihr Können zu entfalten. Wir im Erzbistum Paderborn gewinnen Zukunft, wenn wir auf vielfältigen Wegen die gemeinschaftliche und individuelle Spiritualität fördern. Nichts anderes wird im Sauerland mit dem Spirituellen Sommer seit vielen Jahren getan. Als Kirche haben wir einen reichen Schatz von Erfahrungen, von Wissen, von Können, auch von Riten und Ritualen, von Liturgie. Wir können sie unaufdringlich anbieten. Wir können Anknüpfungspunkte bieten, können zeigen, dass unser Glaube eine Möglichkeit bietet, eigene Erfahrungen einzuordnen in eine lange Tradition, die seit vielen Jahrhunderten Menschen in ihrem Leben hilft.“
Monika Winzenick fasst es wie folgt zusammen: „Tourimuspastoral ist als Wort gut zu merken, aber eigentlich machen wir Pastoral in touristischer Region!“