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© Sonja Funke / Erzbistum Paderborn
© Sonja Funke / Erzbistum Paderborn

Kraft tanken für Einsätze in Ausnahmesituationen

Beim ersten Oasentag der Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn standen Gemeinschaft, geistliche Impulse und Zeit für sich selbst im Mittelpunkt.

Mit „Ein Tag – nur für Euch“ war das Treffen überschrieben, das allen guttun sollte: „Aufatmen, etwas für sich tun, sich austauschen und vernetzen, (christliche) Impulse bekommen oder einfach Spaß haben, um dem Alltag wieder gelassener begegnen zu können“, so hatte es die Arbeitsgemeinschaft (AG) Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn in ihrer Einladung formuliert. Bestens versorgt mit Slush-Eis, Kaffee und Kuchen sowie einem stärkenden Mittagessen konnten sich die Teilnehmenden in den Workshops mit Neuem beschäftigten. Tätigkeiten, auf die sie schon immer einmal Lust hatten, oder für die im Alltag oft die Zeit fehlt.

Großes Gemeinschaftsbewusstsein und gelebte Ökumene

Das war für die einen eine Pilgerwanderung, für die anderen Tanzen. Eine Gruppe wagte sich zum Klettern in den Wald. Die Nächste probierte Kendo, eine japanische Kampfkunst, aus. Und wieder andere entspannten im Raum mit Klangschalen, beim gemeinsamen Singen oder beschäftigten sich mit Teresa von Ávila, welche die Seele des Menschen mit einer Bug vergleicht, die viele Wohnungen hat.  Unabhängig davon, ob die Selbsterfahrung nun weit oben im Baumgipfel oder tief im Seelenleben stattfand, war in allen Gruppen ein großes Gemeinschaftsbewusstsein spürbar. Dies prägt die gesamte Notfallseelsorge, bestätigt Julia Makhardt, selbst Notfallseelsorgerin und Koordinatorin beim Erzbistum Paderborn für diesen Bereich.

Ungefähr 50 Engagierte hatten sich zum ersten Oasentag angemeldet, aus den insgesamt 29 Teams im Erzbistumsgebiet und auch über die Bistumsgrenze hinaus. Gerne hätten es auch mehr sein dürfen, platztechnisch war Luft nach oben. Erstmals hatte die AG Notfallsorge diesen Oasentag statt der Jahrestagung angeboten. Zukünftig ist geplant, diesen Tag NRW-weit anzubieten. „Dass wir bistumsübergreifend vernetzt sind, ist Usus in der Notfallseelsorge. Für unsere Teams sind die Grenzen über Bistümer, Landeskirchen und sogar Bundesländer hinweg so fließend, dass das absolut Sinn macht“, sagt Mitorganisatorin Julia Makhardt (Notfallseelsorgerin in Gütersloh). Sie wurde von den anderen Mitgliedern der AG – Frank Manegold, Pfarrer Klaus Engel (beide Hochsauerland), Burkhard Rother (Herford) und Anita Papenheinrich (Paderborn) – unterstützt. In der Notfallseelsorge – kurz: NFS – duzt man sich, und das Ehrenamt verbindet. Entsprechend ungezwungen und freundschaftlich ging es an diesem Tag zu.

Notfallseelsorge heißt, sich selbst mit- und ganz einzubringen

Seinen Helm und einen ganzen Koffer voller Utensilien, die er in der Notfallseelsorge benötigt, hatte Klaus Engel mitgebracht. Was darin war? Ein Teddybär, Wasser, Decken, Zettel und Stift und – anscheinend für viele in der Trostbedürftigkeit nicht unwichtig: Zigaretten.

Ich glaube allerdings, das Wichtigste, was ihr mitnehmt zum Einsatz, seid ihr selbst. Denn jeder von uns nimmt sich immer ganz und gar mit. Heute stärken wir genau das.

                                                                                                                                                                                                                 Pfarrer Klaus Engel

Gestärkt in Einsätze gehen, die Spuren hinterlassen

In der Elkeringhauser Zeltkirche stimmten sich alle singend und betend auf den Tag ein. Im Zentrum stand Psalm 139, wo es unter anderem heißt: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne mich im Denken!“ Denn jede und jeder kommt auch aus der eigenen Situation heraus an den Ort des Geschehens. Und das sind Notfallsituationen jeglicher Art: ob ein schwerer Unfall, ein Suizid, das Überbringen einer Todesnachricht. Einige der Teilnehmenden erzählen: Meist ist es gar nicht der große Unfall, zu dem sie dazu gerufen werden, viel öfter sind es die „kleinen Katastrophen“, wie zum Beispiel der häusliche Tod. Gerade wenn Kinder versterben, gehe das auch an den Notfallseelsorgerinnen und -seelsorgern nicht spurlos vorbei

Eigene Rituale helfen, nach dem Einsatz wieder in den Alltag zu finden

Menschen geraten durch den plötzlichen Tod eines Angehörigen oder einen anderen Notfall von einer Minute auf die andere in einen Zustand der Hilflosigkeit und Verzweiflung. „Nichts ist plötzlich mehr so, wie es war. Hier bietet die Notfallseelsorge menschlichen Beistand und Begleitung an.“ So beschreibt es der Bereich Pastorale Dienste. Vor Ort erzählten die Engagierten, wie aufregend die Hinfahrt zum Einsatz ist, weil sie nicht wissen können, was sie erwartet. Diese Ungewissheit gilt es als erstes auszuhalten. Und es sei gut, sich am besten gar kein Szenario auszumalen, weil es sowieso meist anders kommt, schildert ein Teilnehmer. Auch hat er erlebt, wie gern in den meisten Fällen der angebotene Segen angenommen wird.

Wir glauben, im wahrsten Sinne des Wortes, dass wir eben nicht allein gehen. Dass da ein anderer mitgeht, dass ein anderer mit dabei ist und der auch schon vor Ort ist, wenn wir dort eintreffen. Und der auch euch, auf unterschiedliche Weise begleitet.

 

 Pfarrer Klaus Engel

Nach dem Einsatz nicht allein

Die Engagierten berichteten von Ritualen, mit denen sie nach dem Einsatz wieder in ihren Alltag finden. Der eine hört im Auto immer die gleiche Melodie, die andere wechselt komplett ihre Kleidung und der nächste zündet immer eine Kerze bei der Marienstatue in der Pfarrkirche an. In Elkeringhausen tauschten sie sich auch dazu aus, wie unterschiedlich die verschiedenen NFS-Teams arbeiten, zum Beispiel beim Regeln der Bereitschaft.

Eines wurde dabei auch deutlich: Wenn die Notfallseelsorge selbst Unterstützung braucht, etwa wegen personeller Engpässe, ist aufeinander Verlass. Über Bistums-, Landeskirchen und Landesgrenzen hinweg.

Mehr dazu, was die Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger in Elkeringhausen erlebt haben, erzählen Hans Bexkens, Michaela Treichel, Franz-Herbert Hense und Siegfried Schramm in der nachfolgenden Diashow mit Text zum Durchscrollen. Ihre Schilderungen zeigen: Notfallseelsorge lebt von Menschen, die in schwierigen Momenten da sind – getragen von Erfahrung, Empathie und Vertrauen.

© Sonja Funke / Erzbistum Paderborn
© Sonja Funke / Erzbistum Paderborn

Hans Bexkens, seit Jahrzehnten Diakon und Notfallseelsorger im Hochsauerlandkreis:

„Ich kenne jede Haustür, wo ich drin gewesen bin. Und ich denke: Da hast du vielleicht Gutes gewirkt. Vielleicht bist du als Kirchenmann zum ersten Mal wieder in einer Familie gewesen, die lange Abstand zur Kirche gehabt hat. Ich frage selbstverständlich immer: ‚Darf ich Sie segnen?‘ Oft wird dies sehr gern angenommen.“

© Sonja Funke / Erzbistum Paderborn
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Michaela Treichel, Notfallseeslorgerin in Minden-Lübbecke:

„Der Ort hier in Elkeringhausen ist etwas Besonderes. So eine Veranstaltung wie heute hilft dabei, durch den Austausch wieder anzukommen. Und das Schönste sind die Menschen, weil wir alle sehr empathisch sind und anders miteinander umgehen.  Das gefällt mir!“

© Sonja Funke / Erzbistum Paderborn
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Franz-Herbert Hense, Notfallseelsorger in Lippe:

„Ich habe heute Vormittag den Workshop „Klangschalen“ besucht. Das war sehr, sehr eindrucksvoll. Erstmal die Einführung und die Hinführung, und dann das selbst zu erleben, wie die Referentin die Schale geschlagen hat. Das spürt man wirklich, es gibt ein Erklingen auch im eigenen Körper. Das war schön. Das war wirklich etwas, was man mitnehmen kann.“

© Sonja Funke / Erzbistum Paderborn
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Siegfried Schramm, Dekanatsbeauftragter Notfallseelsorger im Kreis Soest:

„Du brauchst in der Notfallseelsorge drei Dinge: das Vertrauen zu dir selbst, Gottvertrauen und das Vertrauen zu deinen Kollegen. Diese drei Dinge müssen da sein.“

Ein Beitrag von:
Sonja Funke

Sonja Funke

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