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© MartiniDry / Shutterstock.com
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Kleine Anfänge

Blog-Beitrag von Weihbischof Matthias König

Eigentlich ist es unglaublich und ich wundere mich jedes Mal aufs Neue: dass nach den langen Wintermonaten, in denen in unseren Breiten die Natur wie tot zu sein scheint, auf einmal überall Leben sprießt. Die gestutzten Sträucher hinter meinem Haus schlagen aus, sind jetzt schon wieder mit frischgrünen Blättern versehen. Andere müssen bald beschnitten werden, sonst ufern sie aus.

Wie gut tut all das Grün! Wie gut tun die bunten Farben der Blumen! Welch ein Wunder ist es, dass die kleinen Knospen, die irgendwann im Winter sichtbar wurden, sich so entfalten und vor neuem Leben strotzen. Aus kleinsten Anfängen sprießt überall unbändiges Leben.

Diese Botschaft der Natur im Frühling passt gut zum Osterfest, das bei uns hierzulande in diese besondere Zeit fällt. Wie ein Samenkorn wurde der tote Jesus ins Grab gelegt – und er ist auferstanden! Seine Jünger konnten das im Anfang nicht begreifen. Er selbst musste ihnen als der Auferstandene begegnen und sie an diesen Glauben heranführen. Erst war es eine kleine Schar, die diesen Glauben annahm. Aber sie wuchs und breitete sich letztlich über die ganze Erde aus.

Glaube verändert die Welt

In unseren Breiten geht der Glaube an dieses Geheimnis rapide zurück. Uns erschreckt, dass der Anteil der Menschen, die der katholischen oder evangelischen Kirche angehören wollen, mittlerweile deutlich unter 50 Prozent der Gesamtbevölkerung liegt. Auch, wenn wir die orthodoxen Christen und die Freikirchen hinzunehmen, kommen wir kaum noch auf die Hälfte der Bevölkerung in unserem Land.

Das kann verzagt machen, zumal die Kirche sehr deutlich und schnell ihre Gestalt verändert hat, was Strukturen und Präsenz angeht. Wir werden klein und kleiner als katholische oder evangelische Kirche.

Aber muss uns das wirklich mutlos machen? Der Blick auf die Anfänge des Auferstehungsglaubens zeigt, dass eine kleine, entschiedene Schar von Gefolgsleuten Jesu die Welt verändert hat. Sie wussten ihren Herrn lebendig in ihrer Mitte. Das gab ihnen Kraft zu einem Zeugnis, das sich selbst von Todesdrohungen nicht einschüchtern ließ.

In vielen Ländern sind katholische Christinnen und Christen eine kleine Minderheit. Aber sie sind wirksam. Ihr Glaube entfaltet eine Kraft, die die Gesellschaft prägt und verändert.

Das habe ich Anfang des Jahres bei einer Reise nach Äthiopien erleben dürfen. In dem Land mit der zweitgrößten Bevölkerungszahl in Afrika – bis zu 132 Millionen Menschen leben dort – machen Katholikinnen und Katholiken nur circa 1 Prozent der Bevölkerung aus. Aber durch ihre Bildungseinrichtungen, durch gute Schulen und Universitäten, sowie durch ein ausgebautes Gesundheitssystem, das auch dort zu finden ist, wo der Staat (noch) nicht präsent ist, durchdringen katholische Christinnen und Christen die Gesellschaft.

Gelebter Glaube macht Mut zum Leben

Die Menschen dort, koptische und evangelische Christen, Muslime und auch andere wissen: Hier sind wir mit unseren Nöten willkommen. Hier werden unsere Kinder und Jugendlichen auf das Leben vorbereitet. Hier sind wir im Blick und es wird uns geholfen.

Die Kraft dazu nehmen die wenigen Katholikinnen und Katholiken aus ihrem tiefen Glauben. Der wird intensiv gefeiert, wenn am Sonntag die Heilige Messe nach lateinischer Tradition oder nach dem orientalischen Ritus begangen wird. Ich durfte solche Feiern miterleben und bin nach wie vor tief berührt von der Innigkeit, die aus den Gesichtern der meist jungen Leute sprach. Die Gesänge, die innere Beteiligung waren ergreifend. Hier war spürbar, dass aus dem Kleinen und Verborgenen der Eucharistie eine unbändige Kraft erwächst. Auch hier gilt: Dieser gelebte Glaube zieht Kreise. Er verändert die Gesellschaft, er macht Mut zum Leben.

Wenn ich in diesem Jahr Ostern feiere – in all den Bedrängnissen der Weltlage und der Situation unserer Kirche – dann habe ich all das im Herzen und fasse Mut. Die Auferstehung Jesu berührt auch heute noch Menschen, die dadurch Kraft und Mut fassen, die Welt zu verändern – zunächst im Kleinen.

Ihr
Weihbischof Matthias König

„Der Blick auf die Anfänge des Auferstehungsglaubens zeigt, dass eine kleine, entschiedene Schar von Gefolgsleuten Jesu die Welt verändert hat. Sie wussten ihren Herrn lebendig in ihrer Mitte. Das gab ihnen Kraft zu einem Zeugnis, das sich selbst von Todesdrohungen nicht einschüchtern ließ. In vielen Ländern sind katholische Christinnen und Christen eine kleine Minderheit. Aber sie sind wirksam. Ihr Glaube entfaltet eine Kraft, die die Gesellschaft prägt und verändert.“

Weihbischof Matthias König

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