logocontainer-upper
Wir-Portal
logocontainer-lower
© Heiko Appelbaum
© Heiko Appelbaum

Fachtag in Paderborn widmete sich queersensibler Arbeit in der Kirche

Ein Fachtag im Liborianum Paderborn widmete sich queersensibler Arbeit in der Kirche

Fragt man heute in einer beliebigen Fußgängerzone der Region die Menschen, welche Institution sich aktiv dem Thema „Queere Lebensweisen“ widmet, würde wohl nur selten die katholische Kirche genannt. Dabei gibt es im Erzbistum Paderborn den Diözesanen Arbeitskreis „Queersensible Pastoral“. Dieser hatte jetzt gemeinsam mit der Abteilung bilden + tagen und dem Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V. zu einem Fachtag ins Liborianum Paderborn geladen.

Der Titel „Himmelweit offen?! – Kirche für trans* und inter* Menschen“ und darin besonders das Fragezeichen kennzeichneten den Tenor der gut besuchten Veranstaltung. Im Kern ging es um die Frage, ob queere Lebensweisen in der Kirche angekommen sind. Der gesellschaftliche Diskurs zu dem Thema wird in unserem Land teilweise verbissen geführt – auch aufgrund einer politischen Entwicklung, die Toleranz und das gesellschaftliche Miteinander auf eine harte Probe stellt.

Immer noch begegnen lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* geschlechtliche Menschen Vorurteilen und auch Unwissenheit. Und so war der Fachtag auch dazu geeignet, Wissenstransfer anzuschieben und für Verständnis zu werben. Die Teilnehmenden beleuchteten verschiedene Aspekte einer queersensiblen Arbeit und begegneten wertschätzend nichtheteronormativer Lebensweise.

Die Auseinandersetzung mit Intergeschlechtlichkeit, Transidentität und Non-Binarität war ein zentraler Inhalt des Tages. Erfahrungsgemäß gibt es hier nach wie vor viel Unkenntnis und durchaus auch Ablehnung.

Große Verheißung und ehrliche Anfrage

In seiner Begrüßung bezog sich der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ebenso auf den Tagungstitel: „„Himmelweit offen?!“ — schon der Titel dieser Tagung stellt eine Frage, die uns als Kirche unmittelbar angeht. Für mich klingt darin beides an: eine große Verheißung und zugleich eine ehrliche Anfrage. Wir sprechen von der Weite Gottes. Wir verkünden einen Gott, dessen Liebe nicht eng ist, nicht ausschließend, nicht klein macht. Und zugleich müssen wir uns fragen lassen: Erfahren Menschen diese Weite auch in unserer Kirche? Erfahren sie sie in unseren Gemeinden, in unseren Einrichtungen, in unserer Sprache, in unserer Seelsorge?“

Im Erzbistum Paderborn gibt es seit 2022 den diözesanen Arbeitskreis Queersensible Pastoral im Bereich Pastorale Dienste. Dr. Udo Markus Bentz hat den Auftrag dieses Arbeitskreises im September 2024 bestätigt, weil er überzeugt ist: Queersensible Pastoral ist kein Randthema. Sie gehöre zu der Frage, wie die Kirche heute Menschen begegne. Sie berühre die Haltung, die Sprache, die Seelsorge, die Bildungsarbeit, die Gemeinden und Einrichtungen.

Keine einfachen Abkürzungen

Aus christlicher Überzeugung sagt der Erzbischof: „Jeder Mensch ist von Gott gewollt, geliebt und mit unverlierbarer Würde ausgestattet. Diese Überzeugung muss der Ausgangspunkt jeder pastoralen, pädagogischen und kirchlichen Arbeit sein. Daraus erwächst für uns die Aufgabe, Räume zu schaffen, in denen Menschen ohne Angst sprechen können, in denen sie ernst genommen werden und in denen sie erfahren: Ich bin nicht nur geduldet, sondern ich gehöre dazu.“ Die Fachtagung sei von großer Bedeutung, denn es gebe offene Fragen, unterschiedliche Perspektiven und notwendige Klärungen. Diese Tagung nehme keine einfachen Abkürzungen. Sie ersetze nicht das Ringen um gute Antworten. Aber sie eröffne einen Raum, in dem die Teilnehmenden sensibel, fachlich informiert und geistlich aufmerksam miteinander ins Gespräch kommen können. „Genau solche Räume brauchen wir“, machte Dr. Udo Markus Bentz deutlich.

„Jeder Mensch ist von Gott gewollt, geliebt und mit unverlierbarer Würde ausgestattet.“

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz

Inhaltliche Vielfalt und konstruktives Miteinander

Im folgenden Verlauf der Veranstaltung wurden diese Räume eröffnet. In drei Impulsvorträgen lieferten Dr. Katharina Mairinger-Immisch (Theologie der Anerkennung: Intergeschlechtliche Menschen als seelsorgliche Realität), Helena Smolorz (Trans*: Ankommen im Sein) und Mara Klein (Zwischen den Schubladen: Geschlecht jenseits der Binarität) die ersten Denkanstöße.

Das Fazit des Vormittags: Die Vielfalt in den verschiedenen Arbeitsbereichen der Seelsorge, Beratung, Kinder- und Jugendarbeit wahrzunehmen und die Arbeit zu gestalten, erfordert eine gute Wahrnehmung der handelnden Person. Die Grundlage dafür bietet das Bewusstsein, dass es jenseits der Binärität noch andere Ausprägungen des Menschseins gibt. In der persönlichen Reflexion entwickeln sich neue Handlungsansätze, so dass inter*- trans* und non-binäre Menschen einen geschützten Raum finden können. Dieser Raum sollte, kann und muss die Kirche sein.

Impulse für die weitere Arbeit

Eine wertvolle Vertiefung gab es in sieben nachmittäglichen Workshops, deren Ergebnisse im abschließenden Plenum weitergetragen wurden.

Anja Fecke, Pädagogische Mitarbeiterin in der queersensiblen Pastoral im Erzbistum Paderborn, war Mitorganisatorin des Fachtags und machte deutlich, dass „wir lernen müssen, den Menschen zuzuhören und sie anzunehmen“.

Thomas Klöter, Bereichsleiter Pastorale Dienste, sprach, bezogen auf die vielfältigen Inhalte der Veranstaltung, von einer „deutlichen Lernkurve“, die er erfahren habe.

Indra Wanke, Abteilungsleitung Pastoral in verschiedenen Lebensbereichen, freute sich über die inhaltliche Vielfalt und das konstruktive Miteinander.

„Große Einigkeit herrschte darin, dass queere Lebensweisen in unserer Gesellschaft und eben auch in der Kirche weiter enttabuisiert werden müssen. Die Kirche ist für alle Menschen da.“

Indra Wanke

Damit Kirche himmelweit offen wird

Die zentrale Erkenntnis des Tages formulierte Indra Wanke: „Damit unsere Kirche Himmelweit offen für alle Menschen wird, ist noch viel zu tun. Die Teilnehmenden aus den unterschiedlichsten Einrichtungen und pastoralen Feldern nehmen die Impulse nun mit in ihre Arbeit. Deutlich wurde auch, dass es hilfreich ist, sich auch untereinander in der Arbeit zu unterstützen. Der Arbeitskreis Queersensible Pastoral wird diese Anliegen aufgreifen und Möglichkeiten dazu schaffen.“

Dabei spielen übergreifend die Felder KiTa, Schule, Pastoral, Caritas, Bildung, Jugend, Beratung und Ansprechpersonen queersensible Pastoral in den Dekanaten eine Rolle

Weitere Einträge

© DocRB_PhotoDesign/Shotshop.com

News „Stärkung des Zusammenhalts und der Demokratie in der Gesellschaft“

Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht Arbeitshilfe zu Ehrenamts- und Engagemententwicklung
© Simone Yousef / Erzbistum Paderborn

News „Aktuelle Stunde“ gibt Orientierung für den Bistumsprozess

Die digitale „Aktuelle Stunde der Generalvikare“ zum Bistumsprozess nahm Fra-gen aus der Praxis auf und ordnete die nächsten Schritte ein. Im Mittelpunkt stand die Ausgestaltung der 21 künftigen Seelsorgeräume.
© Marcel Clasen / Erzbistum Paderborn

News Prävention braucht Haltung

Beim Fachtag Prävention 2026 in der Kommende Dortmund zeigte Prof. Pater Hans Zollner SJ, warum wirksames Safeguarding mehr braucht als Leitlinien: sichere Beziehungen, transparente Strukturen und Menschen, die Verantwortung leben.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit