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© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn
© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn

Erzähl‘ doch mal!

280 Teilnehmende erzählten sich beim diözesanen Pilgertag des Erzbistums in Werl von ihren Hoffnungen / Erzbischof Dr. Bentz ermutigt in abschließendem Gottesdienst zu einer „Kana-Spiritualiät“

Auch eine Regenpause kann ein Hoffnungszeichen sein. So erlebten es jedenfalls viele Teilnehmende des diözesanen Pilgertages, zu dem das Erzbistum Paderborn am Samstag hauptberuflich und ehrenamtlich Engagierte eingeladen hatte. Auf insgesamt acht verschiedenen Wegen machten sich rund 280 Frauen und Männer auf den Weg zur Werler Wallfahrtsbasilika und zum Gnadenbild der Trösterin der Betrübten. Nach anfänglichem Regen konnten sie das bei schönstem Spätsommerwetter tun.

Auf dem Weg tauschten sich die Pilgergruppen über das Thema Hoffnung aus: über das, was der Hoffnung im Weg steht, aber auch über das, was Hoffnung möglich macht. Der inzwischen verstorbene Papst Franziskus hatte das Thema Hoffnung quasi vorgegeben, indem er das Heilige Jahr, das aktuell weltweit in der katholischen Kirche gefeiert wird, unter das Leitwort „Pilger der Hoffnung“ gestellt hatte. Der Pilgertag war eine zentrale Veranstaltung des Erzbistums im Rahmen dieses Heiligen Jahres und stand entsprechend ebenfalls unter diesem Leitwort.

Austausch über Beschwernisse und Hoffnungsgeschichten

Begleitet wurden die acht Pilgergruppen von ehrenamtlich und hauptberuflich Engagierten aus dem Wallfahrtsteam Werl. Sie luden die Teilnehmenden zum Austausch über das ein, was sie gerade beschäftigt. Dabei ging es zunächst um das, was das eigene Engagement schwer macht und eher behindert. Hier griffen einige die gerade stattfindende Transformation im Erzbistum auf. Diese sei zwar notwendig, aber das Mitgehen bei diesem Prozess werde erschwert durch das Empfinden, dass alles sehr schnell gehen müsse und dass viele Fragen, die sich stellten, noch nicht beantwortet seien. Auch persönliche Themen kamen zur Sprache, etwa die Erfahrung, wie schwer es ist, die eigene Begeisterung für den Glauben an nachfolgende Generationen weiterzugegeben. Als Symbol für diese „Beschwernisse“ sammelten die Pilgerinnen und Pilger unterwegs Steine, die später in der Wallfahrtsbasilika in der Nähe des Gnadenbildes der Trösterin der Betrübten abgelegt werden konnten.

Hoffnungsgeschichten auf dem Weg

Auf dem Weg zur Wallfahrtsbasilika kamen aber auch Hoffnungsgeschichten zur Sprache, etwa die Erfahrung, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Teilnehmende schilderten auch, wie die regelmäßige Wallfahrt nach Werl nach dem Tod eines nahen Angehörigen zu einem Halt gebenden Hoffnungsort wurde. Oder wie ein verwitweter Mann im nahen Umfeld durch kirchliche Angebote aus seiner Einsamkeit herausgeholt werden konnte. Aber auch Kommunikation an sich, das Sprechen miteinander, wurde als Hoffnungsort gewertet.

Alle Pilgergruppen wurden in der Werler Wallfahrtsbasilika von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, den Generalvikaren Dr. Michael Bredeck und Thomas Dornseifer sowie dem Leiter der Werler Wallfahrt Bernd Haase empfangen. In einer kurzen Begrüßungsandacht las der Erzbischof einzelne Hoffnungsgedanken vor, die die Pilgerinnen und Pilger unterwegs auf Karten notiert hatten.

Vielfältiges Nachmittagsprogramm

Am Nachmittag warteten rund um die Ursulinenschulen und die Wallfahrtsbasilika vielfältige Angebote auf die Teilnehmenden. Auf einem Hoffnungsmarkt konnte man sich über bereits vergangene und noch künftige Hoffnungsorte informieren, die Engagierte im Erzbistum im Verlauf des Heiligen Jahres auf die Beine gestellt haben oder noch stellen. Aber auch zu aktuellen Themen wie den anstehenden Gremienwahlen, Unterstützungsmöglichkeiten für ehrenamtliches Engagement sowie verschiedensten Initiativen des Erzbistums gab es Informationsmöglichkeiten. Ein Workshop mit dem Thema „Klug reagieren auf menschenverachtende Äußerungen“ mit Dr. Andreas Fisch von der Kommende Dortmund fand ebenso großen Anklang wie ein kirchenmusikalisches Angebot mit Popkantor Caspar Beule. Geistliche Gesprächsangebote sowie die Möglichkeit, eine Lego-Ausstellung zu besuchen, die Hoffnungsgeschichten aus der Bibel zeigt, rundeten das Nachmittagsprogramm ab.

Gemeinschaft als wichtige Erfahrung

„In Zeiten der Veränderung und den damit verbundenen Unsicherheiten braucht es solche Tage, an denen Engagierte erleben, dass sie mit vielen Menschen gemeinsam auf dem Weg sind“, sagte Dr. Annegret Meyer, koordinierende Leiterin des Bereichs Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat. „Es sind ja zweifellos große Themen, die gerade bewegt werden. Die Umschreibung der neuen Seelsorgeräume im Zuge der Transformation, aber auch die Gremienwahlen, bei denen sich ehrenamtlich Engagierte bereit erklären, in Kirchenvorständen und pastoralen Gremien den anstehenden Wandel mitzugestalten – eine anspruchsvolle Aufgabe. Erfahrungen, die ein solcher Tag geben kann, sind da ganz wichtig. Der Wunsch unseres Erzbischofs ist ja, dass wir zu einer ‚Erzählgemeinschaft der Hoffnung‘ werden, und wir uns freuen, wenn der Pilgertag dazu beiträgt.“

Abschließender Gottesdienst mit Poetry Slam

Seinen Abschluss fand der Pilgertag mit einem Gottesdienst in der Wallfahrtsbasilika. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz konzelebrierte ihn mit den Generalvikaren Dr. Michael Bredeck und Thomas Dornseifer sowie dem Leiter der Werler Wallfahrt Bernd Haase. Zu Beginn trug Ann-Kristin Idzik von der Diözesanstelle Berufungspastoral im Erzbistum mit einem Poetry Slam einen Text mit der Überschrift „Erzähl doch mal!“ vor und griff damit das Anliegen des Pilgertages auf, einander von den je eigenen Hoffnungen zu erzählen. Zum Beispiel mit diesen Versen:

„Erzähl doch mal! Wird zum stärkenden Akt.
Wird Ort der Hoffnung, wenn jeder auspackt,
was ihn, was sie in dieser Zeit, berührt, beseelt und weitertreibt
mit dieser Botschaft zu leben und auch bleibt
in dieser Kirche hier vor Ort.“

Hoffnung als wesentliche Haltung für den Bistumsprozess

„Es wäre mein Wunsch, wenn Sie nach Hause gehen mit der Erfahrung, einen neuen Gedanken für die eigene Hoffnung gefunden zu haben“, sagte Erzbischof Dr. Bentz in seiner Predigt und wertete es als wunderbare Fügung, dass das Heilige Jahr der Hoffnung mit der neuen Phase des Bistumsprozesses zusammenfalle. Hoffnung, die sich auf etwas Besseres richte, was in der Zukunft liegt, sei eine wesentliche Haltung für diesen Prozess. Eindringlich fragte der Erzbischof nach, ob diese Haltung der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, in der es möglich ist, „je besser, je tiefer und je mehr“ die Sendung der Kirche und die eigene Berufung zu leben, schon vorhanden sei.

Maria als Vorbild für eine Kana-Spiritualität

In diesem Sinne ermutigte der Erzbischof die Teilnehmenden zu einer „Kana-Spiritualität“. Ausgehend von der berühmten Geschichte aus dem Johannesevangelium, die schildert, wie Jesus Wasser zu Wein verwandelt, beschrieb er Maria als Vorbild für diese geistliche Grundhaltung: Sie nehme wahr, dass kein Wein mehr da ist, mache daraus aber keine Szene, sondern weise Jesus darauf hin, ohne zu sagen, was er tun solle: „Herr, sie haben keinen Wein mehr.“ Der Erzbischof verglich dies mit der Haltung des Gebets: „Sich vor Gott ehrlich machen – die Situation ins Gebet bringen… das ist ein wesentlicher Schritt, geistlich Veränderungsprozesse anzugehen.“

Zur Kana-Spiritualität gehöre aber auch die Haltung der Geduld, fuhr Erzbischof Dr. Bentz fort. Auch Maria erlebe das, als Jesus sie zunächst zurückweist mit dem Hinweis, dass seine Stunde noch nicht gekommen sei. „Erfolg und Veränderung geschieht nicht von heute auf morgen und auf ein Fingerschnippen“, sagte der Erzbischof dazu. Für einen geistlichen Weg brauche es immer auch Zeit – kein Drängen. „Haben wir das Vertrauen, dass Gott schon längst begonnen hat, Neues werden zu lassen, noch bevor wir etwas davon mitbekommen?“ fragte er. Die Gäste auf der Hochzeit zu Kana hätten zunächst auch nicht mitbekommen, was geschehe, doch dann hätten sie schließlich geschmeckt, dass es neuen Wein gibt. So dürften auch die Menschen im Erzbistum hoffen und vertrauen, dass Gott schon längst mitwirke. „Neues bahnt sich bereits an, bevor wir es wahrnehmen“, sagte er.

Ein Eichenbaum aus Hardehausen als Hoffnungszeichen

Zum Abschluss seiner Predigt berichtete der Erzbischof von einer Aktion, die kurz vor dem Gottesdienst stattgefunden hatte: Im Klostergarten des Pilgerklosters hatte er einen Eichenbaum eingepflanzt, der aus Hardehausen, Hoffnungsort im Monat Januar, mit nach Werl gebracht worden war. Der jetzt noch kleine Baum sei ein gutes Hoffnungszeichen, sagte er. „Wir selbst werden nie im Schatten dieses Eichenbaumes sitzen können. Es ist ein Zeichen über uns hinaus, für unsere Kinder und Kindeskinder, die in seinem Schatten sitzen werden. Damit sie etwas spüren von unserer Hoffnung.“

Zeichen der Hoffnung für Gaza: Kollekte bringt 10.000 Euro

Die Kollekte am Pilgertag wurde für Vorschlag des Erzbischofs für notleidende Menschen in Gaza gehalten. Das Werler Marienwallfahrtsteam hat durch Spenden der Marienwallfahrt das Ergebnis auf 5.000 aufgerundet, das Erzbistum Paderborn verdoppelte noch einmal auf 10.000 Euro.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi/Erzbistum Paderborn
Redaktion

Dr. Claudia Nieser

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