Diese Liebe ist existenziell und bedingungslos: Sie fragt nicht, woher jemand kommt. Sie urteilt nicht nach Verdiensten und Leistungsfähigkeit, nicht nach arm oder reich. Sie bewertet kein menschliches Versagen und Scheitern. Sie blickt auf den Menschen in seiner von Gott verliehenen Würde – unbesehen aller Kriterien, die in unserem menschlichen Empfinden als nützlich, berechtigt, gerechtfertigt oder gerecht gelten. Das ist die grundlegende Basis, die uns als Menschen verbindet: Jeder Mensch ist Kind Gottes. Das gilt ausnahmslos – auch wenn manche politische Äußerungen in ihrer Schärfe und Unerbittlichkeit den Eindruck vermitteln, manche Menschen seien mehr wert als andere.
Kraft und Kreativität, Mut und Demut
Natürlich wäre es naiv, an eine Welt ohne jegliche Unterschiede zu glauben – das ist auch gut so im Hinblick auf die Vielfalt an Charakteren und Charismen. Aber, und das bleibt das andauernde soziale Dilemma nicht nur in unserer Zeit: Es gab und gibt noch immer gravierende Unterschiede, was Wohlstand, Bildung oder Nahrungsversorgung angeht – und das nicht nur global, sondern bisweilen auch nicht weit von unserer eigenen Haustür entfernt. Es ist bis heute nicht gelungen, Armut flächendeckend und nachhaltig zu überwinden. Ebenso wenig sind die sozialen Umstände verschwunden, die bei Menschen Sorgen, Neid und Missgunst gegenüber ihren Mitmenschen auslösen. Die Bearbeitung dieser Herausforderungen bleibt eine Daueraufgabe für politisch Verantwortliche. Sie erfordert viel Kraft, Kreativität und Mut – und vor allem auch Demut.
Wie bei allen komplexen Herausforderungen werden schnelle Lösungen und große Versprechen, die mit Ausgrenzung und Abwertung von Menschen spielen, nichts bringen. Versprechen klingen stets verlockend. Doch halten sie einer ehrlichen Betrachtung der Realität stand? Mein Eindruck ist: Manche vermeintlich einfachen Antworten auf politisch komplizierte Sachfragen haben einzig die Absicht, Empörungsmechanismen zu schüren.