logocontainer-upper
Wir-Portal
logocontainer-lower
© Nadja Ikonomopoulos / Erzbistum Paderborn
© Nadja Ikonomopoulos / Erzbistum Paderborn

Das „Mehr“ im Blick: Wie Kirche Nähe und Orientierung in bewegten Zeiten schafft

In der „Aktuellen Stunde mit den Generalvikaren“ nutzten viele Engagierte die Möglichkeit, der Bistumsleitung Fragen zum Transformationsprozess zu stellen. Die Online-Veranstaltung wurde per Livestream übertragen.

Welche zentralen Fragen bewegen die Menschen im Erzbistum Paderborn aktuell mit Blick auf die Transformation der Pastoral? Diese Frage stand im Zentrum der „Aktuellen Stunde mit den Generalvikaren“ am Donnerstagabend. Mehr als 600 Interessierte verfolgten die Veranstaltung, die per Live-Stream übertragen wurde. Mitglieder der Bistumsleitung stellten sich den Fragen und Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die vor und während des Streams eingereicht wurden.

Auf dem Podium saßen Generalvikar Dr. Michael Bredeck, Tobias Heinrich, Leiter der Koordinierungsstelle Transformation der Pastoral, Marlene Hoischen, Assessorin für Rechtsfragen im Erzbischöflichen Generalvikariat, sowie Sebastian Schrage, Geschäftsführer des Gemeindeverbandes Mitte und Mitglied des Leitungsteams der Verwaltungstransformation. Moderiert und durch den Abend geführt hat Dirk Lankowski, Redaktionsleiter der Abteilung Kommunikation. Gemeinsam machten sie deutlich: Der Weg in die Seelsorgeräume ist kein rein strukturelles Projekt, sondern ein geistlicher und gemeinschaftlicher Prozess, der von Nähe, Verantwortung und Engagement lebt.

„Was ist dieses Mehr?“ Hoffnung als Ausgangspunkt der Transformation

Generalvikar Dr. Michael Bredeck setzte zu Beginn einen geistlichen Akzent. Ausgehend von  Leitwort „Wir wollen mehr“, mit dem Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz sein jüngstes Hirtenwort überschrieben hatte, beschrieb er Transformation als Einstellungsfrage: „Die Bereitschaft, dieses Mehr zu entdecken, ist der Zugang zu diesem wichtigen Thema“, so Dr. Bredeck. Gerade in einer Zeit, in der vielerorts das Gefühl von Mangel und Verlust überwiege, lade der Glaube dazu ein, den Blick zu weiten – weg von der Fixierung auf Sorgen, hin zu Hoffnung, Zuversicht und neuer Gestaltungskraft. „Kirche steht ohne Zweifel in einer Krise“, ergänzt Dr. Bredeck, doch gerade darin liege auch ein geistliches Potenzial: „Wir müssen uns ausstrecken und neu entdecken, wie wir aus dieser Krise heraus Kirche sein können.“

Seelsorgeräume neu denken: Nähe, Vielfalt und Verantwortung vor Ort

Im weiteren Verlauf ging es um die Frage, wie kirchliches Leben künftig konkret organisiert sein soll. Tobias Heinrich machte deutlich: Der Seelsorgeraum sei keine XXL-Gemeinde und kein Identifikationsraum, sondern eine pastorale und organisatorische Einheit, die Kooperation ermögliche und Ressourcen bündele. Nähe entstehe weiterhin vor Ort – an Kirchorten, in Gemeinden, an pastoralen Zentren und anderen verlässlichen Orten.
Dr. Bredeck betonte, dass Nähe viele Facetten habe: Erreichbarkeit, Verlässlichkeit und Qualität pastoralen Handelns. „Da, wo Menschen ihren Glauben leben, soll das auch weiterhin möglich sein“, sagte er. Einheitliche Lösungen werde es dabei nicht geben: „Kein Seelsorgeraum gleicht dem anderen. Wir schaffen Rahmenbedingungen – die Ausgestaltung entsteht vor Ort.“

Engagement stärken: Gemeindeteams, Gremien und neue Mitverantwortung

Ein zentrales Thema des Abends war die Zukunft ehrenamtlichen Engagements . Gemeindeteams wurden als wichtiger Garant für Nähe beschrieben: Gruppen von engagierten Gläubigen, die Verantwortung für das kirchliche Leben vor Ort oder für ein bestimmtes Thema im Seelsorgeraum übernehmen. Dabei gehe es nicht um Rückzug des Hauptamts, sondern um ein neues Miteinander auf Augenhöhe.
Auch die Perspektive der Kirchenvorstände und Pastoralen Gremien wurde aufgegriffen. Marlene Hoischen berichtete von einer sehr hohen Beteiligung bei den zurückliegenden Gremienwahlen: Diese habe sich im Vergleich zur letzten Wahl verdreifacht. Rund 250.000 Stimmen wurden abgegeben, viele Menschen beteiligten sich erstmals. Das sei ein starkes Signal für Partizipation und Legitimation der Gremienmitglieder angesichts der anstehenden Herausforderungen im Zuge der Transformation. Gleichzeitig seien alle eingeladen, sich aktiv einzubringen und lokale Bedürfnisse mitzugestalten. Dr. Bredeck unterstrich: „Wir brauchen alle – und wir wollen in diesem Prozess gemeinsam lernen.“

Ausblick: Übergangszeit, Lernprozess und Einladung zur Mitgestaltung

Deutlich wurde: Mit der Umschreibung der Seelsorgeräume beginnt eine Übergangszeit, in der viele Antworten noch gefunden werden müssten. Viele Fragen – etwa zu Leitungsmodellen oder neuen Rollen – werden derzeit erarbeitet, auch im Austausch mit anderen Diözesen.
Zugleich war der Abend geprägt von der Einladung, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. „Die Geschichte der Pfarreien geht nicht verloren – sie wird fortgeschrieben“, so Dr. Bredeck. Der Bistumsprozess verstehe sich als gemeinsamer Lernweg, der Zeit brauche, aber Perspektiven eröffne: für neue Formen von Nähe, für profiliertes kirchliches Leben und für eine Kirche, die aus dem Engagement vieler lebt.

Vermögensverwaltung: Transparenz in einem komplexen Prozess

Auch Fragen zur Vermögensverwaltung spielten eine zentrale Rolle im Dialog mit den Engagierten. Viele wollten wissen, was mit dem Vermögen der bisher eigenständigen Kirchengemeinden im Zuge von Fusionen und neuen Strukturen geschieht. Sebastian Schrage machte deutlich, dass hier noch Entwicklungsarbeit notwendig ist. Rechtliche Möglichkeiten würden derzeit in Arbeitsgruppen geprüft, insbesondere mit Blick auf Zweckbindungen und zukünftige Zuständigkeiten. „Das ist komplex, ja – und es braucht Zeit“, so Sebastian Schrage. Entscheidend sei, dass vor dem Start von Fusionen tragfähige Substrukturen für die Vermögensverwaltung geschaffen werden. Erst wenn diese Grundlagen geklärt sind, könne der Übergang in die neuen Seelsorgeräume verantwortungsvoll erfolgen. Damit unterstrich Sebastian Schrage, dass Verwaltung und Pastoral diesen Weg eng abgestimmt gehen – mit dem Ziel, Verlässlichkeit und Handlungssicherheit vor Ort zu gewährleisten.

Auch die Frage, ob Pastoral- und Verwaltungstransformation ausreichend aufeinander abgestimmt seien, wurde aufgegriffen. Sebastian Schrage stellte hierzu klar: „Die beiden Stränge sind eng miteinander verzahnt – auch deshalb bin ich heute hier.“ Die enge Abstimmung zeige sich nicht nur auf Leitungsebene, sondern auch in der breiten Beteiligung: Über 600 Menschen aus der Fläche haben sich freiwillig gemeldet, um in Teilprojekten mitzuwirken und ihr Wissen sowie ihre Erfahrung aktiv in den Prozess einzubringen.

Glauben. Gemeinsam. Gestalten. Der Weg geht weiter

Am Ende der Aktuellen Stunde wurde deutlich: Der Bistumsprozess unter dem Leitwort „Glauben. Gemeinsam. Gestalten.“ lebt vom Mitwirken vieler. Die anstehenden Veränderungen fordern heraus, eröffnen aber zugleich neue Spielräume für Engagement, Verantwortung und gemeinsames Gestalten. Die „Aktuelle Stunde“ soll sich dabei künftig als ein direktes und wichtiges Format der internen Kommunikation etablieren – als Ort für Information, Einordnung und Dialog. Sie lädt dazu ein, den Weg in die Seelsorgeräume gemeinsam, aufmerksam und mit Blick auf die Menschen vor Ort weiterzugehen.

Die Teilnehmenden auf dem Podium  dankten allen Engagierten, die ihre Fragen eingebrachtund so zum lebendigen Dialog beigetragen haben. Nicht alle Fragen konnten im Rahmen der Veranstaltung beantwortet werden. Diese werden im Nachgang gesammelt aufgegriffen und per Mail beantwortet.

Die vollständige Aufzeichnung der „Aktuellen Stunde mit den Generalvikaren“ ist auf YouTube abrufbar.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Redakteurin interne Kommunikation

Nadja Ikonomopoulos

Weitere Einträge

© Paul shuang / Shutterstock.com

News „Bilder der Hoffnung“: Einrichtungen im Erzbistum können Wanderausstellung buchen

Diese Ausstellung haben Jutta Schlinkmann-Weber und Corinna Reiter, Seelsorgliche Begleiterinnen im Caritasverband Arnsberg-Sundern, bewusst für eine Hoffnungsmission durchs Erzbistum konzipiert.
© Heiko Appelbaum

News Künstliche Intelligenz im Religionsunterricht: Lehrkräfte im Austausch

Wie verändert KI den Religionsunterricht? 50 Lehrkräfte suchen bei der Jahrestagung im Liborianum nach Antworten – praxisnah und theologisch reflektiert.

News Fastenpredigtreihe in Hagen stellt den Bistumsprozess in den geistlichen Kontext

Die Fastenpredigten in St. Marien Hagen greifen in diesem Jahr Fragen rund um den Bistumsprozess „Glauben. Gemeinsam. Gestalten.“ auf und nehmen geistliche Deutungen der aktuellen Veränderungen in den Blick.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit