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Amtssitzwechsel gestartet: „Mitten unter euch“ im Westen des Erzbistums Paderborn

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz führt seine Amtsgeschäfte für eine Woche von Witten aus. Ein Stadtrundgang, viele Gespräche mit pastoralem Personal und Engagierten sowie ein Besuch im Kloster der Karmelitinnen ließen am Montag erkennen: Der Amtssitzwechsel ist ein wichtiges Dialogformat.
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Die Begegnungen und Gespräche kreisen um eine Frage: Wie bleibt Kirche nah, wenn ihre Strukturen größer werden? Beim morgendlichen Spaziergang durch die urbane, multikulturell und von Leerstand geprägte Wittener Innenstadt erkundigt sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz bei Pfarrer Friedrich Barkey nach sozialen Brennpunkten, der Zusammenarbeit im Quartier zwischen Caritas, Stadt Witten, Vereinen und anderen Religionsgemeinschaften. Schnell wird deutlich: die katholische Kirche ist hier mittendrin und gut vernetzt. Stadt und Gesellschaft erleben wie die Kirche eine rasante Transformation.

Um zu erfahren, wie dies gelingt, tauscht sich der Erzbischof anschließend im Pfarrzentrum St. Marien mit Pfarrer Friedrich Barkey, dem pastoralen Koordinator Dominik Mutschler und Verwaltungsleiter Alexander Böduel aus. Sie arbeiten schon seit Jahren so zusammen, wie es im Transformationsprozess „Glauben.Gemeinsam.Gestalten“ zukünftig für alle Seelsorgeräume vorgesehen ist: als Leitungstrio. Gestartet sind sie 2020 als Pilotprojekt für kooperative Leitungsmodelle, wissenschaftlich begleitet von der Universität Paderborn. Deshalb sei dieser Austausch auch besonders spannend für ihn, verrät der Erzbischof. Schließlich stehe für ihn demnächst, sukzessive ab 2028, die Beauftragung von insgesamt 21 Leitungstrios an.

„Für mich war es von Anfang an eine riesige Entlastung“, so Pfarrer Barkey. Durch seine theologische Grundausbildung und zahlreiche Weiterbildungen bringe Gemeindereferent Dominik Mutschler einfach ganz viel theologische, pädagogische und organisationale Kompetenz mit. Auch wichtig: „Nach außen funktionieren wir immer als ein Wir, auch wenn intern manchmal die Fetzen fliegen.“ Auch in dem heutigen Gespräch geht es um heiße Eisen: die konkrete Ausgestaltung der Leitung an den verlässlichen Orten im Seelsorgeraum und die Verbesserung des Kommunikationsflusses zwischen Erzbischöflichem Generalvikariat und Pastoralen Räumen.

Im zukünftigen Leitungstrio ist vor allem ein gutes Schnittstellenmanagement gefragt. Erzbischof Bentz ist sicher: „Wir dürfen nicht mehr in getrennten Ressorts denken.“ Letztendlich müssen sich Pfarrer und Koordinator gegenseitig vertreten können. „Theologisch und spirituell auf Augenhöhe zu sein, ist ein Muss“, hält der Erzbischof für sich fest.

„Ein Rendezvous mit Gott“

Am Nachmittag besucht der Erzbischof den Karmel der Wittener Karmelitinnen. Der 1951 erbaute Klosterbau liegt heute mitten in einer Wohnsiedlung auf einer Anhöhe, in den Fels gebaut. Priorin Anna Maria und ihre sieben Mitschwestern aus Deutschland, Polen, Kasachstan und Korea tauschen sich mit dem Erzbischof über ihre Berufungsgeschichten aus, feiern gemeinsam die Vesper und gewähren einen Einblick in ihren Betrieb: eine Hostienbäckerei, 18 Bienenvölker und ein Klosterladen mit von Hand mit Heißwachs verzierten Kerzen. Ein verlässlicher Ort für die Wittener. Im urbanen Alltag eine Gelegenheit für ein „Rendezvous mit Gott“, wie es dem Erzbischof einmal als jungem Mann bei Exerzitien von einer Ordensschwester empfohlen wurde.

„Gott lässt auch nicht locker“, sind sich die Karmelitinnen sicher. Sie spüren bei den Menschen aus der Nachbarschaft eine Sehnsucht nach Tiefe und nach Halt im Glauben. „Beten Sie für mich?“, würden sie häufig gefragt. Ihre Antwort darauf ist eine Bitte: „Dann beten Sie auch für uns.“ Doch Menschen, die sich dauerhaft an eine klösterliche Lebensform binden wollen? Nein, da gebe es schon lange keine Kandidatinnen mehr, die bei ihnen Interesse bekundet hätten.

Der Erzbischof dankte den Karmelitinnen für ihren Dienst im Verborgenen. „Sie tragen das Leben der Gemeinde mit, denn Sie tragen es vor Gott.“ Und er schließt den Impuls in der Vesper mit einem Zitat von Edith Stein: „In der stillen Zwiesprache des Herzens mit Gott werden die lebendigen Bausteine bereitet, aus denen das Reich Gottes erwächst.“

Engagierte zwischen Sorge und Hoffnung

Nach einer gemeinsamen Eucharistiefeier in der gut gefüllten St.-Marien-Kirche treffen im Pfarrhaus rund einhundert Gremienvertreter aus Witten, Hagen, Castrop-Rauxel, Herdecke, Herne, Wanne-Eickel und Hohenlimburg den Erzbischof.

Die Sorge um den Verlust von Nähe, die Belastung des Ehrenamts und die Möglichkeiten der Mitgestaltung prägten diesen durchaus kontroversen Austausch von Erzbischof Bentz mit Gremienvertreterinnen und -vertretern aus dem östlichen Ruhrgebiet. In der von Maximilian Schultes moderierten Dialogveranstaltung äußerten Teilnehmende deutliche Kritik am Bistumsprozess: Seien die neuen Seelsorgeräume nicht zu groß? Werde zu viel von oben vorgegeben? Und wie ließen sich die unterschiedlichen Lebenswelten der Region berücksichtigen?

Erzbischof Bentz begründete die Veränderungen mit kirchlichen, gesellschaftlichen und demographischen Entwicklungen. Die Bistumsleitung müsse jetzt Verantwortung dafür übernehmen, dass künftige Generationen Glauben und lebendige katholische Kirche erleben könnten. Die 21 Seelsorgeräume schüfen einen Rahmen, in dem professionelle Unterstützung von Engagierten verlässlich gewährleistet werden könne.

Beim Thema Synodalität unterschied der Erzbischof zwischen der Verantwortung der Bistumsleitung für die groben Rahmenbedingungen und den detaillierten Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort. „Mir ist wichtig, dass in der Synodalität nicht die verschiedenen Verantwortlichkeiten vermischt werden. Die Bistumsleitung hat Verantwortung für Rahmenbedingungen. Ich kann Ihnen künftig keine 600 Priester und Pastoralreferenten geben, die leiten. Ich würde Ihnen in die Tasche lügen.“

Zugleich räumte er ein, dass die Rückkommunikation über die Beratungen und Entscheidungen zur Neuordnung der Seelsorgeräume anscheinend nicht immer ausreichend gelungen sei. Hier müsse der Austausch zwischen den verschiedenen Ebenen und die Durchlässigkeit verbessert werden.

Als Zielbild beschrieb Erzbischof Bentz „ganz anders gedachte Pfarreien, die als große Netzwerke lebendiger Kirchorte funktionieren“: mit lokaler Verantwortung, Raum für unterschiedliche Begabungen und Unterstützung für Ehrenamtliche durch Verwaltungsleitungen und Engagementförderer. Kirchliche Nähe entstehe nicht allein durch Priester, sondern beispielsweise auch durch Menschen, die Wort-Gottes-Feiern leiten oder Begegnungsmöglichkeiten schaffen.

Bestehende, bereits erarbeitete Grundlagen wie beispielsweise die Wittener Pastoralvereinbarung sollen dabei ausdrücklich in die Gestaltung der Seelsorgeräume einfließen. „Sie gestalten vor Ort. Das ist Ihre synodale Aufgabe“, so der Erzbischof. Dafür seien auch Budgets für die lokalen und thematischen verlässlichen Orte vorgesehen, versichert der Erzbischof.

Noch bis Sonntag bleibt Erzbischof Dr. Bentz im östlichen Ruhrgebiet und macht sich ein umfassendes Bild von den verschiedenen Städten und Sozialräumen. Die Aufgabe, hier die katholische Kirche zu gestalten, liegt in den Händen der vielen haupt- und ehrenamtlichen Engagierten und der Mitarbeitenden in den Gemeinden und Pastoralen Räumen. „Sie sind es, die die Nähe zu den Menschen auch in Zukunft sicherstellen“, so der Erzbischof.

Ein Beitrag von:
Simone Yousef © Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Simone Yousef
Redakteurin

Simone Yousef

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