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© Nadja Ikonomopoulos / Erzbistum Paderborn
© Nadja Ikonomopoulos / Erzbistum Paderborn

Vielfalt gemeinsam gestalten

Beim fünften Pastoraltag kamen erstmals Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten mit Vertretern deutschsprachiger Gemeinden zusammen. Im Fokus standen der Themenkomplex Kulturen und das gleichberechtigte Miteinander in den neuen Seelsorgeräumen.

„Was wird mit uns geschehen?“ Diese Frage beschäftigt auch die Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten im Erzbistum Paderborn angesichts der pastoralen Transformation und der neuen Seelsorgeräumen. Vikar Dr. Victor Anoka von der Afrikanischen Gemeinschaft Bielefeld spricht seine Gedanken offen aus. Für ihn ist entscheidend, dass alle Beteiligten den Veränderungsprozess gemeinsam gestalten können. „Wir wollen natürlich angenommen werden, respektiert werden, mit am Tisch sitzen und unsere Meinungen zum Ausdruck bringen.“

Genau um solche Anliegen ging es beim fünften Pastoraltag der Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten am 27. Oktober 2026 im Paderborner Liborianum. Unter dem Motto „Miteinander gemeinsam gestalten – Wege des Gelingens“ kamen rund 50 Teilnehmende zusammen, darunter erstmals auch Seelsorgende und Mitarbeitende aus deutschsprachigen Gemeinden. Gemeinsam beschäftigten sie sich mit kulturellen Unterschieden und Gemeinsamkeiten, Herausforderungen in der Zusammenarbeit und der Frage, wie das Miteinander in den künftigen Seelsorgeräumen gelingen kann.

Ein gemeinsamer Lernweg

„Das ist ein wichtiger Schritt“, sagte Konrad J. Haase, Leiter des Teams Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten im Bereich Pastorale Dienste, zur gemeinsamen Teilnahme. Seit 2022 findet der Pastoraltag jährlich statt. Während bei den bisherigen vier Veranstaltungen vor allem die Themen und Perspektiven der Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten im Mittelpunkt standen, ging es diesmal darum, mit Vertreterinnen und Vertretern deutschsprachiger Gemeinden ins Gespräch zu kommen und einen gemeinsamen Lernweg einzuschlagen. Schließlich fordern auch die neuen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz den Weg hin zu einer „interkulturellen Communio“.

Den Auftakt bildete ein internationaler Gottesdienst in der Kapuzinerkirche, bei dem die sprachliche Vielfalt auch in der Liturgie zum Ausdruck kam. Die Fürbitten wurden in verschiedenen Sprachen gehalten und Lieder mehrsprachig gesungen. Auf die englische Lesung und das Evangelium auf Deutsch folgte die deutsche Predigt von Vikar Dr. Victor Anoka. Anschließend beschäftigten sich die Teilnehmenden mit ihrem eigenen Kulturverständnis und den unterschiedlichen Prägungen, die das Zusammenleben und die Zusammenarbeit beeinflussen.

Videostatement Konrad J. Haase

Kulturen verstehen, Unterschiede anerkennen

Wie unterschiedlich nehmen Menschen ihre Umwelt wahr? Was empfinden sie als selbstverständlich, was als verletzend oder ausgrenzend? Und warum entstehen selbst dort Missverständnisse, wo eigentlich alle dasselbe Ziel verfolgen?

Diesen Fragen gingen die Teilnehmenden gemeinsam mit Maximilian Engl vom Institut für Kulturbewusste Kommunikation (KUBEKOM) nach. Grundlage war das Konzept der kulturbewussten Kommunikation. Es betrachtet vier miteinander verbundene Dimensionen: kulturelle Unterschiede, Machtunterschiede, individuelle Biografien und Gruppendynamiken. Sie alle beeinflussen, wie Menschen miteinander umgehen.

Im Mittelpunkt des Pastoraltags standen vor allem zwei Dimensionen: die kulturellen Unterschiede und die Machtunterschiede. In verschiedenen Arbeitsphasen beschäftigten sich die Teilnehmenden mit ihren eigenen kulturellen Prägungen und unterschiedlichen Vorstellungen von Kommunikation, Gemeinschaft und Verantwortung.

Besonders intensiv wurde es bei der Frage nach Machtunterschieden, insbesondere mit Blick auf Formen von Rassismus. Wer wird gehört? Wer kann mitentscheiden? Und wo führen bestehende Strukturen, Haltungen und sozialisierte Denkmuster dazu, dass Menschen benachteiligt oder nicht gleichberechtigt behandelt werden? Dabei ging es auch darum, solche Unterschiede überhaupt wahrzunehmen, eine erste Sensibilität dafür zu entwickeln und zu lernen, sie offen anzusprechen, um Veränderungen zu ermöglichen

Denn die Realität in den Gemeinden sieht nicht immer so aus, wie es sich die Beteiligten wünschen. Das zeigen Rückmeldungen aus den Gemeinden, die bereits im Vorfeld immer wieder an die Verantwortlichen herangetragen wurden. Fehlendes Vertrauen, mangelndes Verständnis füreinander und unterschiedliche Erwartungen erschweren vielerorts die Zusammenarbeit. Statt eines Miteinanders erleben Beteiligte mitunter eher ein Gegeneinander. Umso wichtiger ist es, die Ursachen dafür zu erkennen und gemeinsam nach Lösungen und Wegen der Heilung zu suchen.

Nicht nur dabei sein, sondern mitgestalten

Wie sehr diese Fragen den kirchlichen Alltag betreffen, zeigte die abschließende Gruppenarbeit. Unter der Frage „Was täte uns gut, um besser in der Praxis zurechtzukommen?“ sammelten die Teilnehmenden konkrete Wünsche und Vorschläge.

Immer wieder ging es um gegenseitige Wahrnehmung, Vertrauen und Kommunikation auf Augenhöhe. Die Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten wollen nicht als Gäste wahrgenommen werden, sondern als gleichberechtigter Teil der Kirche. Das bedeutet konkret die Beteiligung an Gremien, der Zugang zu Ressourcen und die Möglichkeit, das eigene Gemeindeleben selbstständig zu gestalten.

„Integration ohne Assimilation“ lautete eine der Forderungen. Die eigene Sprache, Kultur und Glaubenspraxis sollen erhalten bleiben, während gleichzeitig neue Formen der Zusammenarbeit entstehen.

Dass dies bereits gelingt, zeigen Beispiele aus der Praxis. In Dortmund-Mitte organisieren die Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten jedes Jahr einen internationalen Kreuzweg, zu dem alle eingeladen sind. In den Dekanaten Siegen und Bielefeld sind sie bei großen Prozessionen eingebunden. Im Raum Dortmund-Nord wirken sie im Rat der Pfarrei mit. Auch die Kroatisch-Katholische Mission Dortmund pflegt einen engen Austausch mit der Gemeinde in Dortmund-Derne. Solche Begegnungen und Formen der Zusammenarbeit stärken das Vertrauen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass vielerorts noch zu wenig über die Aktivitäten und Bedürfnisse der jeweils anderen Gemeinden bekannt ist.

Vikar Dr. Victor Anoka sieht deshalb im gegenseitigen Vertrauen eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunft. Der gemeinsame Weg werde nicht einfach, sagt er. Doch wenn die Beteiligten miteinander sprechen, Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen und einander vertrauen, könnten sie gemeinsam Lösungen finden.

Videostatement Vikar Dr. Victor Anoka

Vielfalt als Stärke für die neuen Seelsorgeräume

Mit der Errichtung der 21 neuen Seelsorgeräume zum ersten Advent 2026 im Rahmen des Bistumsprozesses „Glauben. Gemeinsam. Gestalten.“ gewinnen diese Überlegungen zusätzliche Bedeutung. Auch die Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten werden Teil der neuen Seelsorgeräume sein. Das wirft Fragen für die künftige Zusammenarbeit auf. Wie kann ihre Beteiligung künftig konkret aussehen? Wo braucht es gemeinsame Angebote und Entscheidungen? Und wie lässt sich gleichzeitig die Eigenständigkeit der unterschiedlichen Gemeinden bewahren?

In den Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass es dafür beides braucht: Räume für die eigene Sprache und Glaubenspraxis sowie Begegnungen, bei denen Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam Kirche gestalten. Auch eine angemessene Beteiligung an den künftigen Gremien und Überlegungen zu eigenen Handlungsspielräumen und Budgets wurden angesprochen.

Carmela Sposito, Pastorale Mitarbeiterin in der Italienischen Katholischen Mission Paderborn, zog in ihrem Videostatement einen Vergleich mit Jesus und seinen zwölf Jüngern. Auch sie seien unterschiedlich gewesen, hätten verschiedene Sichtweisen mitgebracht und dennoch etwas Gemeinsames geschaffen. Für sie liegt darin ein Vorbild für die Zukunft der Kirche.

Videostatement Carmela Sposito

Gemeinsam geht es. Aber wie gelingt es im Alltag?

Beim Pastoraltag wurde sichtbar, wie unkompliziert ein Miteinander gelingen kann. Menschen unterschiedlicher kultureller Prägungen hatten den ganzen Tag miteinander gearbeitet, diskutiert und nach Lösungen gesucht.

Der Pastoraltag zeigte damit, dass ein gutes Miteinander möglich ist. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es nicht von allein entsteht. Es braucht Offenheit, Vertrauen und die Bereitschaft, auch schwierige Fragen anzusprechen. Gerade mit Blick auf die neuen Seelsorgeräume wird es darauf ankommen, diese Erfahrungen in die Praxis zu übertragen.

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