logocontainer-upper
Wir-Portal
logocontainer-lower
© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn
© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn

Samos und Grauburgunder zum Paulus-Brief

In Dortmund wird die Verkostung von Wein mit der „Verkostung“ von Bibelworten verbunden

Der nachfolgende Beitrag erschien in gekürzter Form in der wirzeit 03/2026.

Text: Reinhold Großelohmann; Fotos: Ralf Litera

Ein gemütliches und friedvolles Zusammenkommen bei einem Glas Wein – diese Idee haben Vikar Stefan Wallek und Gemeindereferent Thomas Janocha mit einem neuen Angebot für die Mitglieder ihrer Gemeinde aufgegriffen. „Wein und Bibel“ heißt es seit Jahresbeginn einmal monatlich freitags- oder samstagsabends in der St. Immaculata Kirche in Dortmund-Scharnhorst. Acht Abende hat es inzwischen gegeben und der Erfolg dieser ersten Monate macht den Teilnehmenden und Organisierenden Lust auf mehr. Inzwischen liegt das zweite Halbjahresprogramm vor.

Verkostung von Bibelpassagen und Wein

Samstag, 19 Uhr, vor der Tür der Scharnhorster Kirche. Wallek und Janocha stehen frohgemut in der warmen Abendluft und warten auf die, die da kommen. Ein frohes „Hallo“ erklingt, als die ersten Frauen und Männer um die Ecke biegen. Man begrüßt sich freundschaftlich mit Umarmungen oder Händeschütteln. Die Vorfreude auf den Abend ist spürbar. Sie nimmt noch zu, als die 14 Teilnehmenden – von jung bis alt – in die Kirche eintreten und die zur gemütlichen Runde aufgestellten Stühle und Beistelltische im Seitenschiff der Kirche in Augenschein nehmen. Auf den Tischchen stehen Gläser, kleine Schüsseln sind mit Snacks gefüllt. In der Mitte des Raumes sind blau-weiße Tücher drapiert. Darauf befindet sich eine brennende Kerze, ein Strauß Blumen, ein liegendes Kreuz und eine aufgeschlagene Bibel. In den Ecken des Raumes schaffen Scheinwerfer eine wohlige Atmosphäre des Sonnenuntergangs. Ein Beamer wirft die Darstellung einer griechischen Landschaft an die Stirnwand. Das ist kein Zufall: „Griechischer Wein“ ist das „Wein und Bibel“- Treffen an diesem Abend überschrieben. Es soll um den Paulus-Brief an die Philipper gehen. Und weil der Ort Philippi in der Nähe des heutigen Kavalla, einer Stadt in Griechenland, liegt, haben Stefan Wallek und Thomas Janocha diesen Titel gewählt.

Eins macht Wein-Liebhaber Wallek sofort klar. „Griechischer Wein“ werde es an diesem Abend nur einen geben, einen süß-milden Samos, gleich zu Beginn. Mit dem Befüllen der kleinen Aperitif-Gläser beginnt die Verkostung des Weines, die „Verkostung“ der Bibel-Passagen lässt nicht lange auf sich warten. In welcher Situation war Paulus, als er den Brief an die Philipper schrieb? Was wollte er damit bewirken? Welche Besonderheit hat die Gemeinde in Philippi aufzuweisen?

Freude am Glauben, Freude am Wein

Schon bald entsteht ein Austausch über persönliche Eindrücke und Empfindungen. Das alles auf Augenhöhe zwischen den Referenten und den Teilnehmenden. Es wird offen gesprochen, auch über Gefühle zu den gewählten Worten. Paulus schrieb den Brief, während er von den Römern gefangen genommen war. Wie gelingt es ihm, diese große Freude zu vermitteln? Bei der Erkenntnis, dass uns dieses Vorbild auch in unserem Leben weiterhelfen kann, wischt sich eine junge Frau eine Träne aus dem Augenwinkel. Die Gruppe nähert sich der Erkenntnis, dass Freude die Grundstimmung für Christen sein sollte.

Freude soll auch der Wein machen. Dem „Blanc de Blancs“ folgt ein guter Tropfen von der Ahr. Thomas Janocha ist wichtig, beim Einschenken das Schicksal der Menschen in dieser vom Hochwasser 2021 schwer getroffenen Region zu erwähnen und auf die Aufbauarbeit zu verweisen. Der Wein ist Jahrgang 2025. Die Kraftanstrengung der Bewohner des Ahr-Tals war aber nicht das Kriterium zur Weinauswahl. „Wir gehen zu unserem Weinlieferanten und schildern ihm dann all die Adjektive, die uns zur ausgewählten Bibelstelle einfallen“, erklärt Vikar Wallek.

Sirtaki will getanzt werden

„Der Abend gewinnt an Fahrt und Spiritualität“, sagt Gemeindereferent Janocha, als er zum letzten Teil des Paulusbriefes kommt. Nach dem Anstoßen mit dem Grauburgunder, Jahrgang 2024, sind die Hände frei fürs Halten der Bibel und fürs Umblättern zur abschließenden Passage. „Alle sind eins in Christus“, lautet die freudige Erkenntnis. Und: „Unsere Heimat ist im Himmel.“

Alle dürfen nun Gedanken zum eigenen Zeugnis auf einem vorbereiteten Blatt für sich selbst niederschreiben, zusammenrollen und verschnürt mit nach Hause nehmen. Dazu gibt es einen Sauvignon Blanc aus Rheinhessen.

Fast ist die versammelte Gesellschaft traurig, dass es nach zwei Stunden dem Ende zugeht. Kurz entflammt die Diskussion um das unglaubliche Vertrauen, das Paulus in Gott setzt, und mündet in die Erkenntnis, dass dieses Vertrauen auch heute in schwierigen Zeiten helfen kann: 2000 Jahre alte Zeilen, die von ihrer Aktualität nichts verloren haben.

Die Bibel wird zugeklappt, die Flaschen sind leer und die Gläser ausgetrunken. Die Freude über den Austausch steht den Teilnehmenden ins Gesicht geschrieben. Und dann wird´s ohne griechischen Wein doch noch ein bisschen griechisch, als Thomas Janocha die Abschlussmusik einspielt und es den ein oder anderen nicht auf den Stühlen hält. Sirtaki will getanzt werden. Christsein hat eben ganz viel mit Freude zu tun.

„Eine großartige Möglichkeit, um über den Glauben zu sprechen“

Interview mit Vikar Stefan Wallek und Gemeindereferent Thomas Janoscha zu der von ihnen angebotenen Veranstaltungsreihe „Bibel und Wein“

Redaktion

Wie entstand die Idee, die Themen Wein und Bibel zu verknüpfen?

Wallek und Janoscha

Immer wieder haben wir in Gesprächen gesagt, dass es mal einen Abend braucht, an dem wir uns gut über unseren Glauben austauschen müssten. Thomas Janocha konnte in seiner alten Gemeinde schon das Zusammenspiel von Wein und Bibel ausprobieren. Hier in Dortmund haben wir uns dann quasi gefunden. Gemeinsam haben wir den Gedanken weiterentwickelt und nun das Projekt gegründet und ausgebaut. Wein und Bibel ist doch eine großartige Möglichkeit, um über den Glauben zu sprechen.

Redaktion

Wieso ist der Wein als Getränk in dieser Hinsicht prädestiniert?

Wallek und Janoscha

Wein ist ein biblisches Getränk ist. Und ein Getränk, das für uns mit einer großen Kultur verbunden ist und nicht einfach so „runtergekippt“ wird. Wein motiviert zu tiefen Gesprächen und bedeutet für viele Menschen einen Kontrast zu ihrem Alltag. Nimmt man das Bild des Hochzeitmahls hinzu, ist der Wein ein Getränk, das unsere Sehnsucht nach Gott ganz deutlich zeigen kann und die Fülle des Lebens deutlich macht. Jesus selbst hat seinen Abschied unter uns Menschen auch mit Wein gefeiert. Wir feiern auch seine bleibende Gegenwart mit Wein. Wein ist eben ein Getränk der Glaubenstiefe.

Redaktion

Welche Menschen möchten Sie mit diesem Projekt ansprechen?

Wallek und Janoscha

Menschen die ein „Mehr“ suchen. Auch Menschen, die zunächst keine große Gemeindebindung haben und dennoch auf der Suche nach Austausch und Vertiefung im Glauben sind. Das ist nicht nur unser Ziel, sondern unsere tatsächliche Erfahrung. Es gelingt uns, genau diese Menschen zu finden und anzusprechen. Ergänzend finden wir auch Menschen in unseren Gemeinden, die „voll drin“ sind, einige, die noch keine Möglichkeit hatten, sich intensiv mit ihrem Glauben und der Bibel so auseinander zu setzten.

Redaktion

Welche Reaktionen haben Sie erhalten?

Wallek und Janoscha

Die Menschen, die wir ansprachen und die die zu uns gekommen sind, waren durchweg alle begeistert und sehr offen gegenüber der Veranstaltung eingestellt. Es gab eigentlich sofort viel positives Feedback. Bei allen Abenden haben wir am Ende meist sofortige Anmeldungen für die nächsten Veranstaltungen bekommen. Es herrschte Freude über den Austausch über Schrift und Wein.

Redaktion

Wein ist ein alkoholisches Getränk. War dies auch Anlass für Kritik?

Wallek und Janoscha

Es gab keine Kritik. Dennoch ist uns wichtig, dass wir den Wein eben als ein besonderes Getränk wahrnehmen und nicht zum übermäßigem Alkoholkonsum nutzen.

Redaktion

Gab es bei den inzwischen fünf Veranstaltungen auch Überraschungen?

Wallek und Janoscha

Wir rechnen damit, überrascht zu werden. Im Vorfeld ist es uns immer wichtig, mit viel Zeit und Planung die Bibelstellen auch für uns selbst neu zu erschließen. Wir setzten die Methoden und erste Ideen für den Ablauf des Abends fest, jedoch im Wissen darum, dass die Teilnehmenden während des Austauschs ihre ganz eigenen Erfahrungen einbringen und damit Themen quasi selbst setzen. Wir hoffen und rechnen mit Überraschungen, die unseren Abend bereichern.

Redaktion

Welche Ziele verknüpfen Sie mit der Reihe?

Wallek und Janoscha
  • Dass Menschen sich mit ihrem Glauben auseinandersetzen.
  • Dass die Menschen bewusst ihren Alltag für und mit dem Glauben unterbrechen.
  • Dass Menschen ihren eigenen Glauben vertiefen.
  • Dass Menschen ihre Spiritualität weiterentwickeln.
  • Dass Menschen ihre persönlichen Fragen mit der Bibel in Verbindung bringen.
  • Dass Menschen Mut finden, neue Gemeinschaften aufzubauen und neue Wege zu suchen.
  • Dass die Beziehung der Menschen zu ihrem Glauben prägend und kraftspendend wird.

Weitere Einträge

© Tero Vesalainen / Shutterstock.com

News Was junge Seelsorgerinnen und Seelsorger von der Transformation erwarten

Eine Befragung zeigt: Junge Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Berufseinführungsphase befürworten die Transformation deutlich. Die Befragung zeigt aber auch, was sie erwarten und welche Sorgen sie mit dem Wandel verbinden.

News Die neue wirzeit ist da!

Künstliche Intelligenz, Transformation und Personalfragen: Die neue wirzeit greift aktuelle Themen auf und stellt neue Ideen und pastorale Projekte vor.
© Nils Thiele / Mues+Schrewe

News Neue wir+app: Ein gemeinsamer digitaler Ort für das Erzbistum

Beim vierten FLIB-Anwendertag im Liborianum lernten 50 Online-Redakteurinnen und -Redakteure aus dem gesamten Erzbistum Paderborn neben neuen Möglichkeiten des flexiblen Internetbaukastens (FLIB) auch die neue wir+app kennen.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit