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© Nadja Ikonomopoulos / Erzbistum Paderborn
Ankertag für Leitungsverantwortliche, V. l. n. r._ Florian Jansen, Dr. Estela P. Padilla, Gaby Viecens, Pfarrer Edgar Zoor
© Nadja Ikonomopoulos / Erzbistum Paderborn

Ankertag für Leitungsverantwortliche: Was trägt in der Veränderung?

Wie lässt sich Kirche verändern, wenn noch nicht alle Antworten feststehen? Beim Ankertag in Paderborn suchten Leitungsverantwortliche nach dem, was sie im Wandel trägt. Impulse kamen von Bukal ng Tipan, einem Zentrum für kirchliche Gemeinde- und Pastoralentwicklung auf den Philippinen.

Dr. Estela P. Padilla blickt mit Neugier auf das, was sich gerade im Erzbistum Paderborn verändert. Die Theologin gehört zu Bukal ng Tipan, einem Zentrum für kirchliche Gemeinde- und Pastoralentwicklung auf den Philippinen. Neue Formen von Leitung und Führung entstehen, Verantwortung wird neu verteilt, Kirche sucht nach ihrer künftigen Gestalt. Für Dr. Estela P. Padilla ist das vor allem eines, eine Zeit des Übergangs.

Genau um diesen Übergang geht es beim zweitägigen Ankertag am 14. und 15. September im Haus Maria Immaculata in Paderborn. Leitungsverantwortliche der Pastoralen Räume, künftige Übergangsleitungen der neuen Seelsorgeräume und Mitarbeitende der Beratungsdienste sind zusammengekommen. Zwei Tage lang geht es einmal nicht darum, wie die neue Kirche organisiert werden soll. Sondern darum, was diejenigen trägt, die sie gestalten sollen.

In einem gemeinsamen Interview sprechen Dr. Estela P. Padilla, Florian Jansen aus dem Bereich Pastorale Dienste, Abteilung Glaube im Dialog und lokale Kirchenentwicklung, sowie Pfarrer Edgar Zoor, Dechant im Seelsorgeraum Waldeck und leitender Pfarrer des Pastoralen Raumes Bad Wildungen-Waldeck. Gaby Viecens, frühere Referentin für Lokale Kirchenentwicklung im Bistum Hildesheim und langjährige Wegbegleiterin von Bukal ng Tipan, übersetzt das Gespräch und bringt eigene Erfahrungen aus der Zusammenarbeit ein.

Eine Zeit zum Ankern

„Bei aller Veränderung, bei aller Beanspruchung braucht es eine Zeit, in der wir uns dessen vergewissern, was uns Halt gibt“, sagt Florian Jansen, Referent für Lokale Kirchenentwicklung aus dem Bereich Pastorale Dienste.

Die Idee für die Tage ist aus den Erfahrungen der vergangenen Monate entstanden. Rückmeldungen aus den Regionalkonferenzen haben gezeigt, dass die Veränderungen im Erzbistum bei Menschen auch Verlustängste und Trauer auslösen und Kraft kosten. Gleichzeitig übernehmen Leitungsverantwortliche neue Aufgaben oder geben bisherige Verantwortung ab. „Was braucht es in dieser Zeit? Was könnte hilfreich sein, diese Zeit auszuhalten und gut zu gehen?“, beschreibt Florian Jansen die Frage, die am Anfang der Überlegungen stand.

Die Antwort darauf soll keine weitere Methode für den Transformationsprozess sein. Unter der Überschrift „Mit Gott rechnen?! Veränderung als Wagnis“ geht es um Innehalten, geistliche Vertiefung und gemeinsames Lernen. Darum, sich innerlich auszurichten und Gott auch in den Veränderungen Raum zu geben. 

Nicht übertragen, sondern voneinander lernen

Dass die Impulse dafür von den Philippinen kommen, hat eine längere Vorgeschichte. Die Verbindung zwischen dem Erzbistum Paderborn und Bukal ng Tipan besteht seit vielen Jahren. 2013 reiste eine erste Gruppe aus Paderborn auf die Philippinen. Von 2015 bis 2017 begleitete das Institut Modellprojekte zur Lokalen Kirchenentwicklung in acht Pastoralen Räumen.

„You Germans, you have to find the German face of Jesus“, habe Estela Padilla bereits bei einem der ersten Workshops gesagt, erinnert sich Gaby Vicens. Für sie beschreibt dieser Satz bis heute, was die Zusammenarbeit prägt. Erfahrungen von den Philippinen sollen nicht einfach übertragen werden. Entscheidend ist, herauszufinden, was davon in der eigenen Kultur trägt.

Heute begleitet Bukal ng Tipan Diözesen in unterschiedlichen Teilen der Welt auf dem Weg zu einer partizipativen und synodalen Kirche. Estela Padilla ist Mitgründerin des Instituts und bringt mehr als 40 Jahre pastorale Erfahrung mit.

Synodalität versteht Estela Padilla vielmehr als geistlichen Weg. Es geht darum, einander zuzuhören, unterschiedliche Erfahrungen einzubeziehen und gemeinsam nach Entscheidungen zu suchen. Besonders interessiert sie deshalb, was derzeit in Deutschland entsteht. Weniger Priester und neue Formen geteilter Leitung betrachtet Estela Padilla nicht allein als Reaktion auf knapper werdende Ressourcen. Sie können für sie auch Teil eines Übergangs sein.

Was Estela Padilla in Paderborn erlebt, macht ihr Hoffnung. Sie spricht von der Offenheit der Leitungsverantwortlichen, von ihrem Interesse an der gemeinsamen Mission und von ihrem Wunsch, Kirche unter veränderten Bedingungen weiterzuentwickeln.

„Was will Gott jetzt?“

Wie diese Impulse bei einem Leitungsverantwortlichen aus dem Erzbistum ankommen, beschreibt Pfarrer Edgar Zoor. Für ihn waren die beiden Tage auch eine Gelegenheit, selbst Abstand vom Alltag zu gewinnen und sich auf die Erfahrungen einer Kirche in einem anderen kulturellen Umfeld einzulassen.

Eine Übertragung eins zu eins kann es für Pfarrer Edgar Zoor nicht geben. „Die spannende Frage für mich war in diesen Tagen viel mehr: Was sind die Prinzipien oder was ist der innere Spirit, der dahintersteckt?“ Besonders hängen geblieben ist für Pfarrer Edgar Zoor die Orientierung am Wort Gottes. Die Teilnehmenden haben sich während der beiden Tage intensiv mit dem Pfingstereignis und der Apostelgeschichte beschäftigt. Gemeinsames Gebet wechselte sich mit Gesprächen über Synodalität und Erfahrungen aus den eigenen Pastoralen Räumen ab. In einem Workshop erzählten sich die Teilnehmenden gegenseitig von ihren eigenen Erfahrungen und hörten einander zu. So ging es immer wieder auch um die Frage, was Veränderung mit ihnen selbst macht.

Darin entdeckt Pfarrer Edgar Zoor viele Erfahrungen von Veränderung. Menschen brechen auf, Vertrautes verändert sich, Neues entsteht. Für ihn steckt darin eine zentrale Frage für den heutigen Transformationsprozess: „Was will Gott jetzt?“

Der Blick darauf verändert für Pfarrer Edgar Zoor auch den Umgang mit den Menschen vor Ort. Wer sich täglich mit der Transformation beschäftigt, sei häufig schon mehrere Schritte weiter. Menschen in den Gemeinden begegnen den Veränderungen dagegen an ganz unterschiedlichen Punkten. Manche müssen sich zunächst von Vertrautem verabschieden. Hinter Widerstand oder Ärger könne auch Trauer stehen.

Deshalb brauche Veränderung Zeit. Begriffe, Strukturen und Entscheidungen, die für diejenigen im Transformationsprozess längst vertraut sind, müssten für andere erst verständlich werden. Für Pfarrer Edgar Zoor bedeutet das auch, Menschen dort ernst zu nehmen, wo sie gerade stehen.

Die bevorstehende Ankerzeit begrüßt Pfarrer Edgar Zoor deshalb ausdrücklich. Sie gebe den Menschen die Möglichkeit, sich mit ihren eigenen Fragen auseinanderzusetzen und selbst nach Antworten zu suchen. Gerade weil Menschen an unterschiedlichen Punkten im Veränderungsprozess stehen, brauche es dafür Zeit und Raum. Und damit kommt Pfarrer Edgar Zoor wieder beim Bild dieser beiden Tage an. Ein Anker sei nicht dazu da, sich festzuklammern. Er gebe Halt und festen Grund. Von dort könne der Blick wieder weitergehen und der nächste Schritt möglich werden.

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