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© Anna-Sophie Meyer / Erzbistum Paderborn
© Anna-Sophie Meyer / Erzbistum Paderborn

Priester geben Resonanz zur Pastoralen Transformation

Diözesan-Priestertag 2025: Gemeinsam den Weg in die Zukunft der Seelsorge gestalten

Rund 160 Priester im aktiven Dienst des Erzbistums Paderborn kamen am 2. September zum Diözesan-Priestertag im im Erzbischöflichen Priesterseminar Paderborn zusammen. Der Begegnungstag stand ganz im Zeichen der Pastoralen Transformation im Rahmen des Bistumsprozesses, der derzeit mit hoher Dynamik Gestalt annimmt.

 

Eine Zeit gemeinsamer, mutiger und schöpferischer Unsicherheit

Tobias Heinrich

Generalvikar Dr. Michael Bredeck und Oliver Lücke, Leiter des Bereichs Pastorales Personal, luden die Priester ein, ins Gespräch zu kommen und ihre berufliche Zukunft in den maximal 25 Seelsorgeräumen des Erzbistums aktiv mitzugestalten. Generalvikar Dr. Michael Bredeck warf die Frage auf, die zurzeit viele im Pastoralen Personal umtreibt: „Wo wird zukünftig mein Platz sein?“ Diese Frage stelle man sich nicht nur als Priester, in den Seelsorgeteams, sondern auch bei den Ehrenamtlichen in den Gemeinden vor Ort. Wo bleibe ich? Um diese Frage gehe es auch in den aktuell stattfindenden Regionalkonferenzen zum Bistumsprozess, wie vergangene Woche in Bielefeld, Bad Oeynhausen und Hagen. Tobias Heinrich, Leiter der Koordinierungsstelle der Pastoraltransformation, fasste die Stimmung so zusammen: „Wir treten ein in eine Zeit gemeinsamer, mutiger und schöpferischer Unsicherheit.“

Unter der Moderation von Pfarrer i.R. Peter Iwan und Ludger Keite, Leitender Pfarrer des Pastoralen Raumes Dortmund-Ost, trug der Tag dazu bei, Informationen zum aktuellen Planungsstand zu vermitteln, Resonanzen einzuholen und konkrete Ideen in den Bistumsprozess einzubringen.

Wo ist mein Platz im großen Seelsorgeraum? - Unsicherheit gemeinsam bewältigen

Schon beim Stehkaffee vor der Aula des Leokonvikts wurde angeregt diskutiert. Wo ist eigentlich mein Platz im Seelsorgeraum? Kann ich mir vorstellen, als Pfarrer Verantwortung in einem großen Seelsorgeraum zu übernehmen? Mit all den administrativen Aufgaben und der Bürokratie, die dazu gehören? Oder eigne ich mich mit meinem Charisma eher dazu, an einem verlässlichen Ort geistige Impulse zu setzen und nah am Menschen das Evangelium zu verkünden und vor Ort lebendig werden zu lassen?

Eine Spontanbefragung über das Handy ergab, dass die große Mehrheit der versammelten Priester zustimmt, dass es Veränderung braucht. Rund 80 Prozent der Priester fühlten sich persönlich betroffen. Existentiell betroffen fühlen sich immerhin mehr als die Hälfte der Priester. Und echte Freude auf die Veränderungen zeigte auch nur knapp die Hälfte der Teilnehmenden. Immerhin eine ehrliche Antwort.

So lud das Fortbildungsteam des Bereichs um Maren Gödde anschließend zu einem erfahrungsbezogenen Zugang zum Thema „Gemeinsam Lösungen finden für bevorstehende Herausforderungen“ ein. In einem gemeinsamen Experiment sollten die Priester in der Gruppe eine Aufgabe in einer bestimmten Zeit lösen. Es gab drei Versuche. Dabei wurde deutlich, wie man als Team erfolgreich sein kann: Sich trotz aller Skepsis einlassen, lösungsorientiert arbeiten, miteinander kommunizieren und einfach mal ausprobieren. Auch eine klare Vision des gemeinsamen Zieles wurde als hilfreich angesehen. Eine Erkenntnis lautete: „Wir sind es nicht gewohnt. Wir können es aber!“ Die Hoffnung bleibt, dass dies auch für die anstehenden nächsten Schritte im Transformationsprozess gilt.

Update zur Pastoralen Transformation

Im weiteren Verlauf gab Alina Sivaraj aus dem Erzbischöflichen Generalvikariat einen Sachstand zur Pastoralen Transformation. Sie stellte die Programmarchitektur vor. Das auf der Themenseite www.bistumsprozess.de  veröffentlichte Verfahren zur Umschreibung der Seelsorgeräume erklärte sie ausführlich.  Bis Ende Oktober geben je Dekanat die Leiter der Pastoralen Räume gemeinsam mit den Mitgliedern des Dekanatspastoralrates und den Finanzausschüssen eine Einschätzung ab, ob die Grenze des bisherigen Dekanates unverändert für den künftigen Seelsorgeraum übernommen werden kann oder welche Kriterien für eine andere Umschreibung sie erfüllt sehen. Diese Kriterien wurden vorab definiert und und sind an die Verantwortlichen vor Ort kommuniziert. Sie nehmen Bezug auf die sozialräumliche Wirklichkeit, bessere pastorale Anbindung räumlicher oder struktureller „Exklaven“, unzumutbar große Strecken oder Fahrzeiten für Haupt- und Ehrenamtliche und das Achten kommunaler Grenzen.

In der Dechantenkonferenz im November wird bereits eine erste Einschätzung abgegeben. Bis Ende Januar können dem Erzbischof dann schriftliche begründete Vorschläge anhand der Kriterien eingereicht werden. Ende März 2026 wird das Verfahren nach der Beratung in den diözesanen Gremien mit der abschließenden Festlegung der Seelsorgeräume durch den Erzbischof abgeschlossen sein.

In den Rückmeldungen stimmte die große Mehrheit der Priester dem Verfahren zur Bildung der Seelsorgeräume zu.

Das Leitungstrio im Seelsorgeraum

Alina Sivaraj stellte das Modell des zukünftigen Leitungstrios aus Pfarrer, Verwaltungsleiter und pastoraler Koordination vor, welches gerade in einem der Teilprojekte erarbeitet wird. Kriterien sind, der Vielfalt vor Ort gerecht zu werden, Machtmissbrauch und Überlastung Einzelner zu verhindern und das geltende Kirchenrecht zu berücksichtigen. Für die Ausgestaltung sollen die Pastoralteams intensiv eingebunden werden.  „Leiten als geistliche Kultur“ gilt als Grundlage für die Stellenbeschreibungen und Anforderungsprofile der Leitungen in den Seelsorgeräumen.

Das Bewerbungs- oder Besetzungsverfahren ist ebenfalls Teil des Projektes. Verschiedenen Auswahlkriterien und Verfahren werden gerade entwickelt und beraten. Außerdem auf der Agenda: Wie sieht der Übergang von der alten in die neue Welt der Seelsorgeräume aus? Ausgearbeitet wird auch wer mit wem die Mitarbeitergespräche führt. Auch die Leitung und die Übernahme von Verantwortung im Seelsorgeraum wird gerade entwickelt.

Alle Ergebnisse aus dem Teilprojekt werden in den diözesanen Gremien beraten. Offizieller Startschuss für dieses Teilprojekt ist zwar erst Ende Oktober 2025, doch war es den Verantwortlichen um Domvikar Dr. Rainer Hohmann, stellv. Bereichsleiter Pastorales Personal, und Alina Siveraj wichtig, den Diözesan-Priestertag zu nutzen, um die ersten Ideenskizzen zu teilen und das Feedback der Priester einzuholen.

Die Priester gaben Input für die weitere Ausgestaltung der Leitungsmodelle. Besonders kritisch wurde die Frage nach Augenhöhe in den Leitungsteams gesehen. Wie kann diese tatsächlich gelebt werden, wenn letztendlich gemäß kanonischem Recht der Pfarrer in der Verantwortung steht.

Insgesamt zeigte sich zu einigen Ideen zu den Leitungsmodellen ein sehr gemischtes bis ablehnendes Stimmungsbild. Hier gibt es noch viel Entwicklungsbedarf in der Ausgestaltung der Führungsstrukturen.

Ein entsprechendes auf den Bistumsprozess abgestimmtes Entwicklungs- und Qualifizierungsprogramm wird im aktuellen Fortbildungskalender für Priester angeboten. Dr. Rainer Hohmann legte es den Teilnehmenden sehr ans Herz.

Engagement fördern

Julia Fisching-Wirth aus dem Bereich Pastorales Personal informierte über die zukünftigen multiprofessionellen Pastoralteams und die Engagementförderung. Beides wird in einem weiteren Teilprojekt der Pastoraltransformation bearbeitet. Laien und Kleriker sollen als Team in unterschiedlichen Funktionen und Spezialisierungen eingesetzt werden.

Neu ist das Feld der Engagementförderung zur Stärkung des Ehrenamts. Es geht um die Einführung von ensprechenden Personalstellen und die damit zusammen hängenden Fragen nach Profilerarbeitung, Ausbildung und Qualifizierung, Begleitung, Erprobung und Weiterentwicklung. Das Erzbistum stellt dafür zusätzliche finanzielle Ressourcen zur Verfügung.. Pro Seelsorgeraum soll eine volle Stelle für Engagementförderung geschaffen werden. Sowohl Laien mit Seelsorgeausbildung, aber auch Menschen aus ganz anderen Berufsgruppen können sich bewerben, wenn sie dem Anforderungsprofil entsprechen. Verantwortlich für dieses Thema ist Konstanze Böhm-Kotthoff vom Team Engagementförderung. Zehn bis zwölf Stellen sollen bereits im März 2026 mit Verkündigung der Seelsorgeräume ausgeschrieben werden, damit diese dann gemeinsam in einen Qualifizierungs- und Lernprozess starten können.

Kleriker und Laien bilden das Pastoralteam

Am Mittag warfen die Priester einen genaueren Blick auf die zukünftige Ausgestaltung der multiprofessionellen Pastoralteams.  Diese bestehen aus Gemeindereferentinnen und -referenten, Pastoralreferentinnen und -referenten, Diakonen, mindestens zwei Priestern, weiteren Pastoralen Mitarbeitenden, einem Engagementförderer, der Verwaltungsleitung und Kirchenmusikerinnen und-musikern.

Auch dieses Teammodell wurde lebhaft diskutiert. Etwa die Hälfte der Priester bewertete das vorgestellte Modell positiv, die andere Hälfte neutral, es gab drei ablehnende Haltungen.

Seinen Platz finden: Befragungen zur Selbstauskunft geplant

Domvikar Dr. Hohmann skizzierte den zukünftigen Personaleinsatzplan innerhalb des Seelsorgeraumes. Zugrunde liegen der Auftrag von Kirche, die Bedarfe im Seelsorgeraum und die Profile der Seelsorgenden. Innerhalb dieses Dreiecks gelte es Passungen zu finden. Dazu ist eine Selbstaussage jedes einzelnen Priesters geplant. Bis Ende Februar 2026 werden alle Seelsorgerinnen und Seelsorger zu einer ausführlichen Befragung auf der internen Kommunikationsplattform wir.desk eingeladen, in der sie selber Auskünfte zu ihren Aufgaben, Kompetenzen, Unterstützungsbedarfen und möglichen Einsatzorte nach Postleitzahl geben können. Auch Einsatzwünsche in der Kategorialseelsorge wie Tourismus, Krankenhaus etc. können geäußert werden.  In einem weiteren anonymen Abschnitt dürfen Vorschläge für geeignete Kandidaten als Leiter eines Seelsorgeraumes gemacht werden.

Die MAVen der pastoralenMitarbeitenden, Priesterrat und Diakonrat sind informiert und in das Verfahren eingebunden. Die Datensätze werden anonymisiert aufbereitet und inhaltlich ausgewertet und kommuniziert. Insgesamt werden mehrere hundert Kleriker und Laien befragt. Die Daten dienen der gezielten Vorbereitung von Personalgesprächen und der Erarbeitung der Personaleinsatzpläne.

Ab Januar 2027 erfolgen dann erste Besetzungen der Leitungstrios und Seelsorgeteams in den neuen Seelsorgeräumen. Sukzessive bis 2030 werden dann die weiteren Teams eingesetzt.

Orientierung und Hilfe für Pastorales Personal bei der Entscheidungsfindung

Ab Oktober 2025 ist eine persönliche Vorbereitungszeit für das Seelsorgepersonal vorgesehen, die vom Team der Diözesanstelle Berufungspersonal mit Angeboten begleitet wird. Zu einer eintägigen Orientierungszeit in Form eines geistigen Tages kann man sich bereits jetzt anmelden. Geplant ist zudem ein Podcast in Form einer selbstgeführten geistlichen Einkehr, der dem Pastoralen Personal demnächst direkt zugestellt wird.

Die Selbstauskunft im Januar oder Februar ist freiwillig, allerdings stellt sie auch eine Dokumentation der eigenen Interessen und Vorlieben sicher. Sie dient als Grundlage für weitere Personalgespräche. Insgesamt stimmten 75 Prozent der Priester dem Vorgehen zur Selbstauskunft zu.

Auf den Punkt gebracht: Inhalt vor Struktur

In Kleingruppen berieten die Priester am Ende des Nachmittags intensiv, offen und ehrlich über zentrale Hinweise zur Pastoralen Transformation. Die Ergebnisse wurden im Plenum vorgestellt und Generalvikar Bredeck übermittelt, damit er diese in den Bistumsprozess einfließen lassen kann.

Die Hinweise der Priester an die Bistumsleitung:

  • Die Strukturen müssen der Seelsorge dienen, nicht die Seelsorge den Strukturen.“ Oder kurz: „Inhalt vor Struktur“
  • „Den Menschen etwas anbieten, was gut ist.“
  • „Suchende müssen uns finden.“
  • „Beheimatung im Glauben an verschiedenen Orten“
  • „Wunsch nach geistlichem Aufbruch“
  • „Transformation des Priesterbildes“
  • „Neue Rollen des Leitungstrios konkretisieren, insbesondere wegen der festgelegten Rolle des Pfarrers im Kirchenrecht“
  • „Notwendigkeit von Substrukturen innerhalb des Seelsorgeraumes“
  • „Welchen Reifegrad der Entscheidung braucht es, bevor es an die Umsetzung geht?“
  • „Menschen vor Ort kommunikativ mitnehmen“
  • „Engagement wertschätzend ermöglichen“
  • „Würdigung der Charismen neuer Ehrenamtlicher“
  • „Begrifflichkeiten klären“
  • „Ordensspiritualität und Caritas als Knotenpunkte“
  • „Aus der Fläche zurückziehen, um an anderer Stelle wirksam zu werden“

Die Organisatoren des Priestertages nahmen die Hinweis entgegen. Oliver Lücke bestätigte: „Das Geistliche ist mitgedacht. Es ist kein reiner Strukturprozess, aber ich nehme mit, dass wir das deutlicher machen müssen.“ Für diesen Vorsatz erntete er Applaus.

Auch Generalvikar Bredeck nimmt wahr, dass Transformation ein wechselseitiger Prozess ist. Tobias Heinrich stellte abschließend Mitwirkungsmöglichkeiten vor. Alle Rückmeldungen des heutigen Tages fließen in die Teilprojekte ein, 160 Personen haben sich zur Mitarbeit gemeldet und werden nun an den Detailfragen weiterarbeiten. Er nehme auch eine Ambivalenz in den persönlichen Emotionen der Teilnehmenden und eine erwartbare Ungleichzeitigkeit in der Reife unterschiedlicher Teilprojekte wahr. Es brauche pastorale Inhalte, Strukturen und ein geistliches Fundament, um die Transformation gestalten zu können.

Das abschließende Meinungsbild ergab, dass etwa 80 Prozent der Priester den Bistumsprozess mittragen und die anderen sich eher neutral verhalten. Die Mehrheit fühlte sich gut informiert und fand, dass sich der Tag gelohnt habe.

Generalvikar Dr. Bredeck bedankte sich herzlich bei den Priestern und Organisatoren. Er beendete den Tag mit einem gemeinsamen stillen Gebet.

 

Hintergrund: Pastorale Transformation

Das Erzbistum Paderborn hat die Programm-Architektur der Pastoral- und Verwaltungstransformation veröffentlicht. Priester,pastorale Mitarbeitende und ehrenamtliche Engagierte können sich in Teilprojekten einbringen oder über Online-Beteiligungen eigene Umsetzungsideen für die gemeinsame Zukunft beisteuern. Informationen und Termine dazu finden sich unter bistumsprozess.de

Die nächsten Regionalkonferenzen

  • 19. September 2025, 19.00 bis 22.00 Uhr, Stadthalle Schmallenberg
  • 01. Oktober 2025, 19.00 bis 22.00 Uhr, Kulturstiftung Marienmünster
  • 02. Oktober 2025, 19.00 bis 22.00 Uhr, Welcome Hotel Meschede
  • 22. Oktober 2025, 19.00 bis 22.00 Uhr, Hotel Touric Korbach
Ein Beitrag von:
Simone Yousef © Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Simone Yousef
Redakteurin

Simone Yousef

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