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Impulstext – 3. Evangelium

Lasst uns etwas ausprobieren.

Stell dir vor, Du gehst durch die Fußgängerzone. Was siehst du? Du siehst einen volltätowierten Mann, selbst im Gesicht trägt er Tattoos. Mutig oder asozial? Was denkst du? Du schaust nach links und siehst eine junge Frau mit auffälligem Make-Up und tiefem Ausschnitt, sie macht Selfies. Selbstbewusst oder billig? Wie schätzt du sie ein? Eine Frau mit Kopftuch und langem Gewand kommt dir entgegen. Authentisch oder unterdrückt? Gehst du auf sie zu? Ein Mann kommt auf dich zu, in seiner linken Hand hält er eine Flasche Bier, er fragt dich nach ein paar Euros für eine Übernachtungsmöglichkeit. Verzweifelt oder faul? Glaubst du ihm? Du gehst weiter und siehst einen Mann im Anzug vorbeieilen, der mit gesenktem Kopf in sein Handy tippt und einen Passanten anrempelt. Zielstrebig oder rücksichtslos? Würdest du mit ihr ganz offen sprechen? Du bemerkst vor dir eine Nonne in ihrer Tracht. Glaubwürdig oder nicht mehr zeitgemäß? Würdest Du ihr zuhören?

All diese Personen sind nur mit wenigen Worten beschrieben. Dennoch hast du in deinem Kopf vermutlich eine ganz klare und detaillierte Vorstellung von ihnen. Wir kennen das alle. Ein Blick, eine kurze Beschreibung, ein Hinweis auf Kleidung oder Verhalten…und schon glauben wir diese Person zu kennen. Ohne überhaupt je mit ihr persönlich in Kontakt getreten zu sein und noch bevor wir ein Wort gewechselt haben, machen wir uns ein Bild von ihr und öffnen Schubbladen. Solche Schubladen nennt man Stereotype und sie sind Teil unseres alltäglichen Lebens.

Woher kommen sie und für was sind sie nützlich? Aus psychologischer Sicht können Stereotype uns dabei helfen unbekannte Situationen schneller zu erfassen. Für unsere Vorfahren waren sie ursprünglich eine Sortierungs-Hilfe, um möglichst unmittelbar und schnell einzuschätzen, ob man vor dem großen gestreiften Tier besser fliehen sollte oder entspannt bleiben konnte. Auf den ersten Blick helfen sie die Welt überschaubar zu halten. Auf den zweiten Blick stellen sie sich in einer so bunt gewordenen Welt aber oft als zu ungenau und einseitig heraus. Mit anderen Worten sind die Schubladen, in die wir Menschen bewusst und unbewusst stecken, meistens viel zu eng und passen nicht. Trotzdem nutzen wir diese häufig, weil sie bequem sind. Problematisch wird es dann, wenn wir diese Schubladen auch noch abschließen – vielleicht, weil unsere Freunde und Familie sie ebenso  nutzen und bestätigen, oder weil wir Angst vor Ungewissem, Unbekannten haben. Damit verbauen wir uns aber nicht nur selbst die Möglichkeit uns von der Welt überraschen zu lassen, sondern tragen sogar dazu bei, dass diese unpassenden Haltungen auch unser Denken und Handeln anleiten. Anstelle uns auf eine Begegnung einzulassen und dem anderen Menschen mit Offenheit und Wohlwollen zu begegnen, reduzieren wir ihn auf eine, meist auch noch falsche Sache, urteilen über ihn und ver-urteilen ihn sogar.

Klar, man mag nicht jeden und auch nicht jeder Mensch ist uns sympathisch. Aber gibt es uns das Recht ihn in eine Schublade zu stecken und diese dann auch noch abzuschließen? Kann man Menschen wirklich auf den Eindruck, den wir von ihnen haben reduzieren? Ist es nicht unfair sich ein Urteil anzumaßen über eine andere Person, nur, weil sie uns fremd ist oder ihr Aussehen und ihre Art uns irritierend erscheint? Möchtest Du von anderen nur wegen deines Namens, deiner Hautfarbe, deiner Kleidung abgelehnt oder verurteilt werden? Auch Jesus hat in einer Gesellschaft gelebt, in der es viele Schubladen gab. Trotzdem hat er sie nicht verwendet, sie waren ihm egal. So spricht er ganz offen mit einer Frau, obwohl sie arm war, ohne Ehemann und aus einem anderen Kulturkreis stammte. Für damalige Verhältnisse eine ganz schöne Provokation. Selbst seine Jünger wundern sich, auch wenn sie sich nicht direkt dazu äußern (Joh 4,27). Jesus aber ist der Frau gegenüber nicht nur offen und schaut sie als Menschen an. In dieser Offenheit und Zuwendung, gibt er ihr eine neue Chance in der Gesellschaft als Gläubige (Joh 4,29) Fuß zu fassen und fordert so auch uns auf einander nicht in Schubladen zu stecken. Auch wenn es manchmal schwer und unbequem ist, erinnert uns das Evangelium daran, sich keine abschließenden Urteile über Menschen anzumaßen. Auch Jesus Christus hat sich ein umfassendes Bild der Menschen gemacht und damit alle ihre Farben gewürdigt. Sein Handeln kann auch dir Mut machen, eine Haltung einzuüben, die offen für die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen ist. Sie lädt auch dich ein jeden Tag zu überlegen, wo deine Vorurteile den wertschätzenden Blick auf den Menschen verstellen. Im Anschluss könnt ihr gleich damit anfangen und herausfinden, wie offen oder vorurteilsfrei ihr wirklich seid.

Selbsttest Vorurteile

“Ob wir wollen oder nicht, vermutlich niemand kann sich vollkommen frei von Vorurteilen machen. Aus psychologischer Sicht mag das auch gut so sein, schließlich erleichtern sie es uns unbekannte Situationen schneller zu bewerten. Im alltäglichen Miteinander kann es aber durchaus hinderlich und falsch sein, zu schnell zu urteilen. Wir haben einen Selbsttest erstellt der fragt: “Wie vorurteilsfrei bin ich eigentlich selbst?”.

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