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Pastorale Räume weiter denken

Die Pastoralen Räume leben aus den Bedürfnissen der Menschen – oder sie scheitern

Pastorale Räume als Pastorale Handlungsräume verstehen

„Pastorale Räume weiter denken“ – für viele ist das ein Gähn-Thema. Kein Wunder. Oft genug verbinden wir mit Pastoralen Räumen Struktur-Fragen, an denen wir uns abarbeiten. Dabei steht im Zukunftsbild ein geradezu prophetischer Satz, der ganz oft überlesen wird. Auf den Punkt gebracht lautet er: Die Pastoralen Räume leben ganz aus den Bedürfnissen der Menschen – oder sie scheitern.

Am gesellschaftlichen Wandel beobachten wir, wie sich die These bewahrheitet. Menschen kehren der Kirche auch deshalb den Rücken, weil sie nichts mehr mit ihrem Leben zu tun hat. Deutlicher geht’s ja nicht. Der Frust ist überall mit Händen zu greifen.

Ausrichten auf das, was die Menschen bewegt

Gleichzeitig hat sich unser Auftrag als Christinnen und Christen ja nicht verändert. Nämlich: die Frohe Botschaft zu leben und zu verkündigen. Im Grund ist es ganz einfach und doch ganz schwer: Wenn sich Lebenswelten verändern, muss sich auch unser Handeln verändern. Dafür müssen wir unbedingt den nächsten Schritt gehen: Pastorale Räume als Pastorale Handlungsräume zu verstehen – was ist damit gemeint? Dass wir uns konsequent ausrichten: auf all das, was Menschen bewegt.

Und das sind natürlich diejenigen, die in der Kirche ihre Heimat gefunden haben. Aber auch all die Distanzierten, mal näher, mal ganz weit weg. Und noch weiter: Wo können wir Gott auch dort ins Spiel bringen, wo er gar keine Rolle spielt? Völlig klar: All diese Menschen haben ziemlich unterschiedliche Bedürfnisse. Wir werden daran gemessen, wie wir auf diese Bedürfnisse eingehen. Unsere Gretchenfrage ist: Erkennen die Menschen durch unser pastorales Handeln einen Mehrwert für ihr eigenes Leben?

Zentrale Aussagen:

  • Menschen kehren der Kirche auch deshalb den Rücken, weil sie nichts mehr mit ihrem Leben zu tun hat.
  • Wenn sich Lebenswelten verändern, muss sich auch unser Handeln verändern und wir uns konsequent ausrichten: auf all das, was Menschen bewegt.
  • Erkennen die Menschen durch unser pastorales Handeln einen Mehrwert für ihr eigenes Leben?

Erfahrungen aus dem ersten digitalen Freiraum zum Schlüsselthema

Zum Schlüsselthema “Pastorale Räume weiter denken” fand am 10. Dezember 2020 ein digitaler Dialograum statt, um das Thema zu vertiefen und weiterzuentwickeln.

Die Pastoralen Räume seien für viele Menschen doch nur ein Gähn-Thema, provozierten die Teamleader Alina Brinkmann und Tobias Heinrich beim Diözesantag 2020. Dabei müsse man nur die Chance begreifen, sie zu Pastoralen Handlungs-Räumen zu gestalten: „Die Pastoralen Räume leben ganz aus den Bedürfnissen der Menschen – oder sie scheitern.“

Engagierte Debatten der 68 angemeldeten Teilnehmenden im Freiraum belegen das Interesse daran, die Idee der Pastoralen Räume endlich zum Fliegen zu bringen. Neben den Chancen und Herausforderungen ging es dabei auch um zentrale inhaltliche Fragen: Wenn sich die Pastoralen Räume an den Lebensthemen der Menschen orientieren, welche sind das und wo könnten Schwerpunkte liegen?

Viele Wortmeldungen in den moderierten Dialogräumen betonen die Chancen eines größeren Raumes für attraktive und qualitativ gute Angebote für einen weiter gefassten Adressatenkreis – zum Beispiel für Jugendliche.

Dem steht die Beobachtung gegenüber: „Große Räume haben leider auch weite Wege.“ In diesem Kontext spielen die Hindernisse in ländlichen Gebieten sowie die Perspektiven von einkommensschwachen oder in der Mobilität eingeschränkten Menschen eine wichtige Rolle.

Vernetzung, Kommunikation und Digitalisierung haben entscheidende Bedeutung

Aber auch wo dies keine Einschränkung darstellt, gewinnen Aspekte der Vernetzung, Kommunikation und Digitalisierung entscheidend an Bedeutung.
„Corona hat mir gezeigt, dass Beziehungen im Nahraum wichtiger sind als vorher gedacht“, fasst eine Wortmeldung zusammen: Das sei eine Herausforderung gerade für größer werdende Räume.

In diese Richtung gehen weitere Beiträge, die an das Vorhandensein lokaler Verbundenheit legen und daran erinnern, dass es noch immer vor Ort viele ehrenamtlich engagierte Menschen gebe. Diese würden aber nicht automatisch von den Pastoralteams wahrgenommen.

Bedürfnisse verbinden – auch das ist eine Erkenntnis aus den Dialogräumen,. Und sie bieten Chancen, weil sie den Horizont weiten und Anknüpfungspunkte mit unterschiedlichsten, auch kirchlich fernstehenden Menschen bieten. Ganz oben auf der Liste der Dialoggruppen stehen
Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene und Familien.

Wenn die Bedürfnisse der Menschen der Schlüssel sind: „Worauf müssen wir unser pastorales Handeln konzentrieren?“ wollten die Teamleader wissen. Unter den vielen Antworten (und Fragen, wie das alles denn gelingen könne) sticht eine Formel heraus: „Konzentrieren auf die Vision und Aufgaben abgeben.“

Erfahrungen aus dem zweiten digitalen Freiraum zum Schlüsselthema

Zum Schlüsselthema “Pastorale Räume weiter denken” fand am 3. Februar 2021 ein digitaler Dialograum statt, um das Thema zu vertiefen und weiterzuentwickeln.

Es war bereits die zweite Freiraum-Runde für „Pastorale Räume weiter-denken“ – die Teamleader Alina Brinkmann und Tobias Heinrich stellten den digitalen Dialogräumen deshalb vier „konkrete Feinziele“ voran, die sich aus den Kernanliegen entwickeln: klare Priorisierung, Verlässlichkeit und Qualität, dem messbaren Einsatz der personellen, finanziellen und technischen Ressourcen sowie einem abgestimmten und erkennbaren Miteinander.

“Wofür nehmen wir uns Zeit?”

Als Gast im Studio erweiterte Stefan Kaiser die Runde. Moderator Markus Freckmann stellte ihn als Praktiker vor – und als solche kennen viele den Seelsorger des Katholischen Forums Dortmund: Schon beim Diözesantag 2020 hatte der in seiner Fahrrad-Rikscha sitzend von der Erfahrung berichtet, als Seelsorger gewohntes Terrain zu verlassen und buchstäblich nach draußen zu gehen. Die Quintessenz, die auch in den Dialogrunden nachhallte, könnte man mit der Frage zusammenfassen: „Wofür nehmen wir uns als Seelsorgerinnen und Seelsorger Zeit?“

In vier moderierten Dialogrunden waren 76 angemeldete Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt nach ihren Reaktion auf die formulierten Feinziele und dem, was sie noch vermissen. Insbesondere die Anstrengungen, konkrete Ziele zu formulieren, findet in den Dialogräumen deutlichen, mitunter begeisterten Beifall – kritische Stimmen monieren mangelnde Ambition: die Ziele seien eigentlich Selbstverständlichkeiten und Grundauftrag.

Bei den Fragen nach der Umsetzbarkeit werden, wie schon in früheren Freiraum-Veranstaltungen, zwei grundlegende Perspektiven sichtbar. Die eine nimmt strategischstrukturelle Hürden wie etwa Qualitätsmanagement oder die Einbindung von Haupt- und Ehrenamtlichen in den Blick, die andere argumentiert aus der Vor-Ort-Erfahrung. Wieviel vom Zukunftsbild ist in den Pastoralen Räumen überhaupt schon angekommen?

Eine Wortmeldung beklagt die Frusterfahrung, organisatorisch nicht hinterher zukommen: „Bei uns ist das PR- Konzept noch nicht abgeschlossen und schon wieder ein Neueinstieg angesagt mit dem Thema 2030+. Wie soll das gehen?“

Diskussion um Chancen und Möglichkeiten der Evangelisierung

Sehr lebendig und konkret entwickelte sich die Diskussion in einem Dialograum zu den Chancen und Möglichkeiten einer Evangelisierung in den Pastoralen Räumen: Ist die Sakramentenvorbereitung nun eine Chance oder doch eher fruchtlose Bürde? Inwieweit bietet sie Anknüpfungspunkte für Erwachsenenekatechese? Was kann an Schulen geschehen?

Welche Rolle können und sollen die Verbände spielen? Bis hin zum Impuls, dass auch die katholischen öffentlichen Büchereien ungenutztes Potenzial besitzen.

„Mir fehlt die Vision“, formuliert eine Wortmeldung: „Die Vision muss etwas Großes sein. Die Mission muss etwas sein, was uns herausfordert. Und diese Vision muss jeder kennen. Sie muss sichtbar sein.“

„Ich möchte Wachstum“ sagt eine andere und erinnert an den Zuwachs freikirchlicher Gemeinschaften und den Erfolg von Alpha-Kursen in Großbritannien, mit neu entstehenden anglikanischen Gemeinden. „Mehr Menschen für Gottesdienste erreichen, mehr Ehrenamtliche gewinnen, mehr Menschen für Jesus gewinnen. Das ist unser biblischer Auftrag.“

„Was können wir von Start-Ups lernen?“ fragte der Moderator Markus Freckmann seine Gäste im Studio. Diese Frage ist möglicherweise noch nicht abschließend beantwortet.