Den Bedürftigen, die den Weg in die Gemeinderäume im Keller des großen Gotteshauses finden, fehlt oftmals das Geld für das Nötigste – auch für eine warme Mahlzeit. »Es ist ein Dilemma«, sagt Evelyn. Die 76 Jahre alte Rentnerin wohnt in direkter Nachbarschaft zur Kirche am Reuterplatz. 1.000 Euro hat die ehemalige Textillaborantin jeden Monat zur Verfügung. Ein großer Teil davon geht für die Miete, Strom und Gas drauf. »Alles ist ja teurer geworden.« Sie berichtet von ihren Sorgen und davon, dass sie bei Lebensmitteln sparen muss. Der Pallottiner-Pater Kalle Lenz ist Pfarrvikar in der Pfarrei Heilige Drei Könige in Nord-Neukölln, zu der die St.-Christophorus-Gemeinde gehört. Der gebürtige Kasselaner lebt seit 30 Jahren in Berlin. Er berichtet, dass sich der Reuter-Kiez rund um die Kirche im Neuköllner Norden in den vergangenen 15 Jahren stark verändert habe. Lenz spricht von Gentrifizierung. »Der Kiez ist hip, er ist angesagt. Früher hörte man neben Deutsch hier Türkisch und Arabisch, heute sind es mehr Englisch und Spanisch.« So wie Evelyn gehe es vielen. »Einige sind nach Sanierungen sogar aus ihren Wohnungen verdrängt worden.«
Evelyn sitzt mit etwa 20 anderen Gästen und Bedürftigen des Mittagstisches an diesem Dienstag im Gemeindesaal. Nebenan in der Küche brutzeln die Spiegeleier in der einen und der Leberkäse in der anderen Pfanne. Hier ist das Reich von Christine Brothun. Früher hat die 72-Jährige ganze Kinderfreizeiten bekocht. Jetzt widmet sie sich mit viel Enthusiasmus den Bedürftigen. Zum Leberkäse mit Ei gibt es Kartoffeln und Rotkohl. Ebenso einen Salat vorweg und Grießpudding zum Nachtisch.