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Den gewohnten Moment der Ruhe schaffen

Ideenwerkstatt zeigt, worauf es Weihnachten 2020 ankommt
News
24. September 2020

Den gewohnten Moment der Ruhe schaffen

Ideenwerkstatt zeigt, worauf es Weihnachten 2020 ankommt

Ideenwerkstatt zeigt, worauf es Weihnachten 2020 ankommt

Weniger als 20 Minuten soll er dauern, der Gottesdienst an Heiligabend im Corona-Jahr 2020, wenn es nach Liturgie-Professor Dr. Martin Stuflesser und Kommunikationsexperte Erik Flügge geht. Auf den Kern reduziert, draußen gefeiert, so oft es eben geht. So könne etwas erreicht werden, was jahrelang undenkbar war: die Zahl derjenigen, die Heiligabend einen Gottesdienst feiern, zu steigern.

Auf diesen Vorschlag ließe sich die Online-Ideenwerkstatt „Ihr Kinderlein kommet – aber wohin?“, organisiert vom Labor E und dem Liborianum, zusammenschrumpfen, wenn man es denn müsste. Stuflesser und Flügge nahmen dabei besonders die „Weihnachtschristen“ in den Blick, also diejenigen, die nicht viel öfter als an Weihnachten in die Kirche gehen. Doch die Online-Diskussion bot noch viel mehr Input für ein gelungenes Weihnachten 2020.

Wenn Sie die Ideenwerkstatt noch einmal selbst live erleben möchten, finden Sie hier alle Informationen zum Zusatztermin am 7. Oktober.

“Werbefuzzi” und “Christian Drosten der katholischen Theologie”

Weihnachten im Corona-Jahr 2020. Nichts geht, wie es sonst immer ging. „Das ist eine riesige Chance“, sagte Erik Flügge zu Beginn des Abends und  versprach, die Sicht des „Werbefuzzis“ zu liefern. Sein Gegenüber auf dem digitalen Podium, Professor Stuflesser, sagte darauf: „Dann bin ich wohl eher der Christian Drosten der katholischen Theologie“. Kaum sagte er das, jonglierte der Würzburger Liturgieprofessor mit  Begriffen wie Inkarnation, Epiphanie und Konzil von Nizäa.

Nizää deshalb, da damals bei dem Konzil im vierten Jahrhundert nach Christus Weihnachten sozusagen geboren wurde – indem geklärt wurde, dass Jesus Christus eines Wesens mit Gott Vater ist (homoousius). Damit konnte sich theologisch entfalten, was wir heute in „Stille Nacht“ singen: „Christ, der Retter ist da!“ Der Retter, der Karfreitag am Kreuz sterben wird. Das habe mit dem süßen Kitsch von Weihnachten eigentlich nichts zu tun, sagte Stuflesser.

Es folgte Flügge mit einer „werberischen Außensicht“, wie er es selbst ankündigte. Wenn davon nur ein Satz hängen bleiben sollte, es wäre dieser: „Die größere Show machen die anderen“. Der Kommerz schlage die Kirche haushoch in puncto Romantik und Emotionalität. Doch der Kommerz führe auch zu Aufgeregtheit an allen Ecken und Enden – und da schlage die Stunde der Kirche.

Die Aufgeregtheit unterbrechen

„Die Stärke der Kirche ist es, die Aufgeregtheit zu unterbrechen“, sagte Flügge. Der Start der Christmette sei für viele Menschen der erste Moment, an dem sie Heiligabend durchatmen könnten. „Das ist auch dadurch bedingt, dass es jedes Jahr das Gleiche ist.“ Und dieses Jahr? Was nun?

Flügge brach die Antwort auf drei Grundfunktionen der Kirche an Weihnachten herunter. Erstens: Anwesend sein. Zweitens: Nicht aufgeregt sein. Drittens: Einen kurzen Moment der Ruhe liefern.

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Um das umzusetzen, forderte Flügge, müsse die Kirche laut  sagen: Wir sind da. Er stelle sich vor, ein metergroßes Banner an den Kirchturm zu hängen, auf dem steht: „Weihnachten und Corona. Ihre Kirche ist für Sie da.“ So oder so ähnlich – Hauptsache, das Banner fällt nicht eine Nummer zu klein aus. Teil des Banners könnte auch ein Programm für Heiligabend sein. Mit Gottesdiensten, Krippenspiel, Trompetenspiel auf dem Kirchturm und so weiter. Es komme darauf an, mit vielen kleinen Gesten Anwesenheit und Relevanz auszudrücken. Durch eine zusätzliche Krippe vor dem Kirchengebäude zum Beispiel.

Zurück zu den „Weihnachtschristen“, für die die Hektik des Advents oft erst an Heiligabend durchbrochen werde. Wie genau der Heiligabend gestaltet werden könnte, dazu stellte Professor Stuflesser einen Vorschlag in den Raum. Neben den bewährten Messfeiern, bei denen noch niemand einschätzen könne, wie die gestaltet werden können und wie viele Menschen mitfeiern dürfen, brauche es offene Kirchtüren. Und pastorales Personal, das für Gespräche zur Verfügung steht. Soweit nichts Revolutionäres.

“Die brauchen und suchen ein Standardmodell”

Neu war der Vorschlag, kurze, maximal 20-minütige Gottesdienste anzubieten. Natürlich draußen, an unterschiedlichen Orten und mit einem festen Konzept, das leicht wiederholbar ist und auch von Laien geleitet werden kann. Gern auch ökumenisch.

Wie sieht das Konzept aus? Grob zusammengefasst fokussiert es sich auf eine kurze, persönliche Ansprache, den Evangelientext, eine kurze Auslegung des Evangeliums, für die bistumsweit Vorschläge erarbeitet werden könnten, Fürbitten, Schlusssegen und – ganz wichtig – das Verteilen von Kerzen, die das Licht mit zu Familien und Freunden tragen können.

Auch dieser Vorschlag bedeute nicht, alles anders zu machen – denn genau das wäre das Falsche, wie Flügge und Stuflesser einhellig argumentierten. „Weihnachtschristen“, so sagte Flügge, „wollen nicht zu viel, die wollen es nicht zu komplex, die sind strukturell konservativ. Die brauchen und suchen ein Standardmodell“.

 
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