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Sie werden gebraucht!

Sie werden gebraucht!

Einsatz von pastoralem Personal heute - Blog-Beitrag von Monsignore Andreas Kurte

Als vor wenigen Wochen der digitale Priesterkonvent in unserem Erzbistum stattfand, hat Erzbischof Hans-Josef Becker das Thema der priesterlichen Identität aufgegriffen. Er nehme wahr, dass viele Priester sich derzeit die Frage nach ihrer Relevanz stellen würden – nicht nur in der Corona-Krise, sondern generell in ‚unserer‘ Kirche. „Es könnte sein, dass viele Priester meinen, das, wofür sie einmal angetreten sind, werde ihnen durch die aktuellen Entwicklungen genommen. Das ist beunruhigend“, stellte der Paderborner Erzbischof fest.

Der Einsatz von pastoralem Personal wird zunehmend zur Herausforderung.
Der Einsatz von pastoralem Personal wird zunehmend zur Herausforderung.

Die aktuellen Entwicklungen stellen uns alle vor große neue Herausforderungen. Wie kann der Dienst des Priesters eingebunden sein in ein Kirchen- und Gemeindeverständnis, dass das „Priestertum aller Gläubigen“ ernst nimmt? Gleichzeitig nehmen wir wahr, dass immer mehr Menschen sich die Frage nach Gott überhaupt nicht mehr stellen oder ihre religiöse Sehnsucht außerhalb der verfassten Kirchen stellen.

Handlungsfähig bleiben

Der Diözesantag zählt zu Recht die Frage nach der Leitung zu den Schlüsselthemen unseres Erzbistums. Gerade in den Pastoralen Räumen begegnet uns ein doppeltes Dilemma. Erstens: Wie gehen wir mit den zunehmend unbesetzten Stellen um? Und zweitens: Wie stellen wir eine kontinuierliche Handlungsfähigkeit sicher – unabhängig vom persönlichen Führungsstil Einzelner? Wie gelingt ein gutes Miteinander von vielfältigen pastoralen Berufen?

Wenn ich auf meine nun bald 13-jährige Tätigkeit als Personalverantwortlicher im Erzbistum Paderborn zurückschaue, dann hat sich im Personaleinsatz viel geändert. Schon lange geht es nicht mehr nur darum, dass eine Stelle „einfach besetzt“ ist. Erst vor kurzem haben Gremienverantwortliche aus einem Pastoralverbund mir empört die Frage gestellt: „Sie werden doch für uns einen Priester haben!?“ … In einer komplexen Welt ist auch der Personaleinsatz komplexer geworden.

Stellenplan 2024

Wie sieht dieser Personaleinsatz ganz konkret aus? Seit einigen Jahren haben wir einen „Stellenplan 2024“. Bei der Erstellung dieses Planes wurde zunächst die bis 2024 zur Verfügung stehende Zahl von Priestern und Gemeindereferentinnen und -referenten hochgerechnet – dazu kommen die Diakone, die wegen ihrer meistens nebenamtlichen Tätigkeit auf den Stellenplan nicht angerechnet werden. Dann wurde die Anzahl des hauptamtlichen pastoralen Personals pro Pastoralen Raum berechnet unter Berücksichtigung der pastoralen Situation vor Ort. Als Erzbistum legen wir Wert darauf, dass wir neben einer Tätigkeit in der Seelsorge im Pastoralen Raum auch die Kategorialseelsorge in den Blick nehmen: die Schulseelsorge, die Seelsorge in Justizvollzugsanstalten, die Militärseelsorge, die Notfallseelsorge und viele mehr. Bei jeder Personalveränderung wird also die dem Einsatzplan zugrundeliegende Zahl des Pastoralen Personals in den Blick genommen.

Es muss passen

Bedingt durch die Fortschreibung der Pastoralverbünde zu Pastoralen Räumen werden wir zukünftig 87 Pfarrer im Erzbistum Paderborn haben. Die 87 Räume sind unterschiedlich groß und haben unterschiedliche pastorale Schwerpunkte. Pfarrstellen werden in unserem Erzbistum ausgeschrieben. Bei der Besetzung einer Pfarrstelle muss berücksichtigt werden, ob der Bewerber für diese konkrete Stelle geeignet ist. Mittlerweile gibt es für die Leiter der pastoralen Räume eine Aufgabenumschreibung. Bei der Auswahl werden verschiedene Aspekte in den Blick genommen:

  • Welcher Leitungsstil kennzeichnet mich?
  • Bin ich in der Lage in komplexen unüberschaubaren Systemen zu arbeiten?
  • Gelingt es mir, die Begabungen und Fähigkeiten, aber auch die Grenzen der anderen Teammitglieder zu erkennen?
  • Kann ich ehrenamtliches Engagement fördern und wertschätzen?
  • Gibt es vor Ort eine Pastoralvereinbarung oder was sind pastorale Schwerpunkte?
  • Weiß ich um meine persönlichen Stärken und Grenzen?

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Mensch und Stelle müssen zusammenpassen.

Nicht selten gibt es vor der Stellenbesetzung einen Austausch zwischen dem zukünftigen Pfarrer und dem Pastoralteam. Stellenbesetzungen dauern heute einfach länger. Es kommt eben auf eine gute Passung an. Oft werbe ich vor Ort für die notwendige Geduld, da eine gute Vorarbeit oft auch eine gute Arbeit an der passenden Stelle garantiert.

Lieber unbesetzt, als die falsche Person am falschen Ort

Eine gute Vorarbeit gibt es auch bei der Besetzung der Stellen von Pastören und Gemeindereferentinnen und -referenten. Auch hier gibt es eine Stellenliste, die mehrmals im Jahr aktualisiert wird. Interessierte können sich auf die ausgeschriebenen Stellen bewerben. Die Erfahrung zeigt mir, dass hier im Vorfeld oft Fragen eine Rolle spielen, wie:

  • Arbeitsschwerpunkte
  • Leitungsstil des Pfarrers
  • Wer arbeitet mit mir im Pastoralteam?
  • Arbeite ich eher in einem städtischen oder ländlichen Raum?

Grundsätzlich wird niemand „an den Schopf gefasst und einfach irgendwo hingesetzt“. Betroffene müssen zu Beteiligten werden. Darin liegt eine große Herausforderung: die Interessen des Einzelnen und die Notwendigkeit, dass eine Stelle besetzt werden muss, aufeinander abzustimmen. Das führt dazu, dass manche Stellen über längere Zeit unbesetzt bleiben. Meine Devise ist: Lieber unbesetzt, als die falsche Person am falschen Ort.

Wie sieht die Zukunft aus? Der Personaleinsatz wird noch komplexer werden. Mittlerweile arbeiten die ersten Pastoralreferentinnen und -referenten in unserem Bistum, die Frage nach „multiprofessionellen Teams“ stellt sich ebenso wie die nach einem möglichen Einsatz von hauptberuflichen Diakonen. Sie spüren vielleicht: der Bereich Pastorales Personal und der Bereich Pastorale Dienste im Generalvikariat müssen eng zusammenarbeiten. Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft müssen sowohl in der Aus-, als auch bei der Fortbildung des Pastoralen Personals berücksichtigt werden.

Am Brennen bleiben für die Sache Jesu

Was bewegt mich bei all diesen Überlegungen? Zunächst: Seelsorgerinnen und Seelsorger werden immer gefragt sein, wenn sie nah an den Menschen dran sind und Interesse an ihren Freuden und Sorgen haben. Dann: Ich werde sicher noch Zeuge von großen Veränderungen in der Kirche – lassen Sie mich abschließend einige Punkte dazu aufzählen:

  • Die Zahl der Katholiken wird in den kommenden 30 Jahren stark zurückgehen.
  • Das Pastorale Personal wird sich bis zum Jahr 2035 halbieren – und bis zum Jahr 2050 nochmals stark zurückgehen.
  • Die Gruppe der Ruhestandspriester wird in zwölf Jahren die größte Berufsgruppe des pastoralen Personals sein.
  • Wie wird Seelsorge in zehn oder 15 Jahren aussehen? Wir werden noch von vielen uns lieb gewordenen Dingen Abschied nehmen müssen.
  • Wie kann der Glaube im Leben des Einzelnen überhaupt eine Rolle spielen?
  • Wie entwickelt sich ein vertrauensvolles Miteinander von sogenannten Haupt- und Ehrenamtlichen, von Männern und Frauen in der Kirche?
  • Drehen wir uns als Kirche um unsere eigenen Probleme oder haben wir die Nöte und Sorgen, die Hoffnungen und Freuden der Menschen unserer Zeit im Blick?
  • Welche Antworten wird es geben auf die Fragen des Synodalen Weges?
  • Und nicht zuletzt: Wie kann ich selbst am Brennen bleiben für die Sache Jesu und durch mein Tun etwas „vom Geruch Gottes ausstrahlen“?

Zum Autor

Monsignore Andreas Kurte ist seit 2008 Leiter des Bereichs „Pastorales Personal“ im Erzbischöflichen Generalvikariat in Paderborn.

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