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6
November
2019
6.November.2019

Zuspruch vom Roboter?

Themenserie “Kirche & Digitalisierung”

„Guten Tag, kann ich Sie segnen?“, fragt eine Stimme. Sie kommt aus einem umgebauten Bankautomat, dem Segensroboter Bless U2. Segensroboter? Es handelt sich um eine Kunstinstallation, die zur Weltausstellung Reformation im Jahr 2017 in Wittenberg gebaut wurde. Seit dem Ende der Ausstellung kann er von Kirchengemeinden gemietet werden. Anfang dieses Jahres war er in Oelde zu Gast und stand bereit, damit sich Menschen von ihm segnen lassen. Charmante Idee oder Unsinn?

Die Hände von Roboter und Mensch berühren sich. Foto: Shutterstock
Die Hände von Roboter und Mensch berühren sich. Foto: Shutterstock

So läuft die Roboter-Segnung ab

Der Segensroboter Bless U2 funktioniert in sechs Sprachen. Der Nutzer kann aus sechs verschiedenen Kategorien auswählen, in denen man sich segnen lassen kann, zum Beispiel Ermutigung, Begleitung, Erneuerung oder traditionell. Hat man eine Wahl getroffen, folgt ein Bibel-Vers. In der Kategorie Ermutigung beispielsweise: „Jesus Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken“ (Mt 11,28). Den Vers druckt der Roboter dann aus, damit man ihn sich mit nach Hause nehmen kann. Dann fragt der Roboter, ob man sich segnen lassen möchte. Dazu fährt er die mechanischen Arme nach oben aus und spricht ein kurzes Segensgebet.

In der kurzen Begrüßung des Roboters steckt das Konfliktpotenzial. Die Oelder Pfarrerin Melanie Erben möchte den Satz auf zwei Weisen verstanden wissen: „Erstens, ob der Roboter einen segnen soll. Und zweitens, ob er überhaupt dazu in der Lage ist, einen Menschen zu segnen.“ Als der Roboter zwei Wochen lang vor dem Altar der evangelischen Oelder Stadtkirche stand, hat Erben diese Fragen für sich mit „Nein“ beantwortet. Sie hat sich von „Robby“, wie sie BlessU-2 nennt, nicht segnen lassen. Sie begründet: „Das ist mir fremd geblieben.“ Ohnehin ist der Roboter als provozierende Kunstinstallation und nicht als Ersatz für Geistliche gedacht.

Christopher Dietrich vom Labor E (Evangelisierung) im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn kann das gut nachvollziehen. Er ist davon überzeugt, dass bei den meisten Menschen eine Offenheit für die großen Fragen vorhanden sei – und genauso eine Sehnsucht nach Zuspruch. Nach Segen. Es lägen Chancen darin, auch Menschen, die nicht mehr in den Gottesdienst gingen, mit der segensvollen Botschaft des Glaubens in Kontakt zu bringen. „Da müssen wir auf jeden Fall kreativer werden“, sagt Dietrich. Und Digitalisierung sei ohnehin längst der Raum, in dem wir uns bewegen.

Das führt zu der Frage: Wie kann die Kirche dann die Möglichkeiten der digital gewordenen Welt nutzen, um Menschen mit Gott in Berührung zu bringen? „Wir sollten einen Raum bieten, zu dem Menschen mit ihren Lebensfragen kommen können.“ Und dieser Raum könne eben auch digital sein. Im Erzbistum Paderborn gibt es zum Beispiel schon digitale Gottesdienstformate: wie etwa die Lichterkirchen in Netphen-Deuz und Schmallenberg-Gleidorf. Dabei können die Besucher an einem Bildschirm eine Andacht oder Meditation auswählen und somit die Farbgebung und musikalische Stimmung nach eigenen Bedürfnissen festlegen. „Die Atmosphäre hilft vielen, Ruhe zu finden, sich zu besinnen oder ins Gebet zu kommen“, schätzt Dietrich.

Portrait
Christopher Dietrich
Christopher Dietrich

Wenn er sich Videos des Segensroboters anschaut, stellt er sich die Frage: „Können wir unsere Verkündigung an Maschinen outsourcen?“ Er antwortet mit Nein und begründet: „Wir glauben an einen Gott, der Mensch geworden ist. Das ist der Dreh- und Angelpunkt für unser ganzes Tun.“ Damit mache es einen Unterschied, wenn Menschen die christliche Botschaft verkünden. „Außerdem können Maschinen nicht von einer Sache begeistert sein. Als Christen glauben wir, dass uns innere Freude vom Heiligen Geist geschenkt wird. Es ist der Geist, der lebendig macht.“ Der Segen gehe von Gott aus und werde durch Menschen weiter gegeben.

Ist und bleibt der Segensroboter BlessU-2 damit ein Kunstprojekt, das zwar zum Nachdenken anregt, aber ansonsten keinen Nutzen im Alltag hat? So weit möchte Pfarrerin Melanie Erben nicht gehen. Sie kann sich den Roboter zwar nicht in der Kirche vorstellen, jedoch als Gesprächsaufhänger an Orten wie Flughäfen oder Bahnhöfen. So könnten Menschen, die sich auf dem Weg befinden, ihren Segensspruch mit auf den Weg nehmen. Denn sie erinnert sich noch gut an einen berührenden Moment, als der Roboter noch in Oelde stand. Eine Schulklasse besuchte die Stadtkirche mit dem Segensroboter. Zwei Mädchen seien auf Erben zugekommen und hätten sie gefragt, ob sie für ihre Freundin, die krank zuhause geblieben ist, einen Segen mitbringen dürften. „Da wären sie sonst nie draufgekommen“, sagt die Pfarrerin. „So ist etwas Segensreiches daraus entstanden.“

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