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28
Mai
2020
28.Mai.2020

Wie viel zählt die digitale Communio?

Über die Frage, wie Glaube digital gelebt werden kann – und wen eine digitale Kirche abhängt

Es war eine Nachricht, die Monsignore Dr. Michael Bredeck doppelt beschäftigte. Der Priester hat gerade die Livestream-Messe in der Krypta des Paderborner Doms gefeiert, da schickt ihm ein Freund eine Nachricht: „Wir gucken dir zu“. Dazu ein Foto, das ein iPad zeigt. Darauf zu sehen ist Bredeck im Livestream. Das Tablet steht auf dem Küchentisch, drumherum Cola- und Bierflaschen.

Die Getränkewahl ist der erste Grund für den Leiter des Bereichs Entwicklung und Kommunikation des Generalvikariats, über die Nachricht nachzudenken. Der zweite ist, dass Bredecks Bekannter eben schrieb „Wir gucken dir zu“ und nicht „Wir feiern mit dir“. Das Foto eröffnet zwei Aspekte der (vielleicht für die Zukunft entscheidenden) Diskussion, wie Glaube und Kirche digital gelebt werden können. Eine Thematik, bei der es auch erlaubt sein muss, zu fragen: Wer wird von einer digitalen Kirche abgehängt?

“Wer ausschließlich analog unterwegs ist, für den musste Kirche sich auch schon vorher engagieren. Für jüngere Menschen ist der Aufwand sehr hoch, in die Kirche zu gehen. Sie könnten dafür mit Impulsen auf dem Handy erreicht werden. Von daher halte ich es für eine Ausrede, dass eine digitale Kirche Menschen abhängt.”

Monsignore Dr. Michael Bredeck
Leiter des Bereichs Entwicklung und Kommunikation

Sakramentale Präsenz und digitale Übertragung – wie geht das zusammen?

Wenn man sich in dem Feld vortastet, eröffnen sich viele kleine und große Fragen. Die kleinen lauten zum Beispiel: Kann ich wirklich (laut) mitsingen, wenn der Gottesdienst läuft? Schalte ich die Sonntagsmesse schon mal beim Frühstück ein? Wie, wann, wo lese ich den Impuls über das Tagesevangelium – und was macht das mit mir? Und eben auch: Ist es okay, das Feierabendbier bei der Gottesdienstübertragung zu trinken? Oder muss man es andersherum betrachten? Wäre es bis vor kurzem denkbar gewesen, dass Menschen beim Feierabendbier noch die Heilige Messe anschalten?

Nicht die Zeit, um zu bewerten

Im Grunde genommen gilt für online-Verkündigung und Videokonferenzen dasselbe: Wo sonst drüber diskutiert wurde, können nun Erfahrungen gesammelt werden. Zum Beispiel, wenn sich bald die Leitungen von über hundert Kindertageseinrichtungen der Gemeindeverbände Mitte zusammenschalten. Oder wenn am 25. Juni der Priesterkonvent digital laufen soll.

Für den Leiter des Bereichs Entwicklung und Kommunikation des Generalvikariats sei es nun nicht an der Zeit, zu bewerten. Auch nicht das Foto seines Bekannten mit Livestream-Messe und Bier. „Mir geht es nur darum, dass wir die Erfahrungen der digitalen Angebote ordentlich zusammentragen und reflektieren.“ Zum Beispiel auf dem Bistumstag am 14. November, dem eigentlichen Termin des Diözesanen Forums. Dieser wird aller Voraussicht nach auch digital, per Videokonferenz und Co. stattfinden. Dann könnte die Frage eröffnet werden: Wozu bist du da, digitale Kirche von Paderborn?

Ein entscheidender Aspekt ist dabei, wer digitale Angebote nutzt – und überhaupt nutzen kann. Hängt eine digitale Kirche wohlmöglich die Alten ab?

Livestream mitfeiern, aber nicht in die Messe gehen?

Er sieht es deshalb als notwendig an, die bisherige digitale Kommunikation auszubauen. Um bestehende Angebote digital zu untermauern, um sie zu begleiten, um ganz neue, digitale Wege der Kirche zu finden. Denn eines erwartet Bredeck auf jeden Fall: Dass auch nach der Corona-Krise die Zahl der Menschen, die in den Gottesdienst gehen, zurückgehen wird. Nachfrage: Könnte es nicht auch sein, dass durch digitale Angebote wie Livestream-Messen viele Menschen neu erfahren haben, dass der Gottesdienstbesuch ihnen etwas geben kann?

„Da schaue ich mal auf meinen Vater“, antwortet Bredeck. Dieser, 80 Jahre, sei nie in die Werktagsmesse gegangen, habe nun aber jeden Abend die Messe aus dem Paderborner Dom im Livestream geschaut. Damit stehe er symbolisch für die Menschen, die einen Zugang zu einem digitalen Angebot, zum Livestream, gefunden haben – die aber auch in Zukunft nicht oder nur selten in die Kirche gehen werden oder können – und das Angebot unter der Woche jetzt schon vermissen.

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redakteur
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