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29
Juni
2020
29.Juni.2020

Wertschätzung zeigt sich oft erst auf den zweiten Blick

Interviewreihe „7 Leitsätze zur Organisationsentwicklung“: Karsten Stahl darüber, warum Achtung und Wertschätzung auch im Bereich Bauen eine große Rolle spielt

Wenige Monate nach Veröffentlichung des Zukunftsbildes erhielten die Mitarbeitenden im Erzbischöflichen Generalvikariat einen Satz bunter Karten mit „7 Leitsätzen der Organisationentwicklung“. Diese Sätze zeigten eine erste Richtung an, wie der vom Zukunftsbild beabsichtigte Kulturwandel im Generalvikariat aussehen könnte.

Fünf Jahre danach fragen wir bei Abteilungsleitungen nach: Werden die Leitsätze gelebt? Wie hat sich die Kultur in unserer Behörde schon verändert? Karsten Stahl, Leiter der Abteilung „Zentrale Immobilien“ im Bereich Bauen, gibt Auskunft zum Leitsatz „Wir verstehen und als Schwestern und Brüder, indem wir einander mit Achtung, Respekt und Wertschätzung begegnen.“

Redaktion

Herr Stahl, die bunten Karten mit den „7 Leitsätzen der Organisationentwicklung“ hängen passenderweise direkt hinter Ihrem Schreibtisch.

Karsten Stahl

Ja, das stimmt. Ich habe sie bekommen, kurz nach dem ich vor rund fünf Jahren ins Haus gekommen bin und seitdem begleiten sie mich durch meinen Arbeitsalltag.

Redaktion

Was bedeuten die Leitsätze für Sie?

Karsten Stahl

Ich habe zuvor auch in einem Architekturbüro gearbeitet und direkt als ich im Generalvikariat angefangen habe, habe ich gespürt, dass das Miteinander hier ein anderes ist. Es ist durch gegenseitige Rücksichtnahme und Wertschätzung geprägt, was ich nicht von jedem Arbeitgeber gewohnt war. Um mich auch selbst in meiner täglichen Arbeit von diesen Grundsätzen leiten zu lassen, haben sie einen zentralen Platz in meinem Büro bekommen.

Redaktion

Wir möchten mit Ihnen den Leitsatz „Wir verstehen und als Schwestern und Brüder, indem wir einander mit Achtung, Respekt und Wertschätzung begegnen“ näher betrachten. Ein Satz, bei dem viele vielleicht eher einen Gesprächspartner aus dem Bereich Pastorale Dienste erwartet hätten. Wir haben uns aber bewusst dagegen entschieden, denn auch im Bereich Bauen hat er eine zentrale Bedeutung.

Karsten Stahl

Das ist richtig. Bei genauer Betrachtung zieht er sich unterbewusst durch jeden unserer Prozesse. Auch, wenn man das nicht immer direkt bemerkt.

Es beginnt schon dabei, wenn uns ein Wunsch nach einem neuen Bauvorhaben erreicht. Die Anträge gehen seit Anfang dieses Monats nur noch zentral (unter baubedarf@erzbistum-paderborn.de) ein und werden anhand der Umsetzbarkeit, dem finanziellen Rahmen und nach weiteren einheitlichen Parametern gemeinsam mit dem Bereich Finanzen geprüft. Früher kamen Anträge auf vielerlei Wegen zu uns, was es schwer machte, einen Überblick zu behalten. Durch die Einrichtung der zentralen Mail-Adresse wird jedes Anliegen gleichermaßen bearbeitet und kein Antragsteller erhält schneller eine Antwort, nur, weil er beispielsweise den zuständigen Kollegen gut kennt.

Redaktion

Wie geht es dann weiter mit dem Antrag?

Karsten Stahl

Wir stellen uns immer zuerst die gleichen Fragen: Ist das Vorhaben sinnvoll? Ist es umsetzbar? Sind die nötigen Ressourcen vorhanden? Welche Rolle spielt der Denkmalschutz etc…? Können wir das Vorhaben nach „außen“ vertreten? Und wenn es unsererseits Bedenken gibt, versuchen wir gemeinsam andere Wege zu finden. Denn vor allem, wenn uns Vorhaben aus den Bereichen erreichen, haben wir in erster Linie eine aufzeigende, hinweisende Funktion. Die Entscheidungen werden dann ja in den jeweiligen Gremien getroffen, dazu gehört auch die Beurteilung der Prioritäten der neu zu planenden Vorhaben

"Wir möchten Unterstützer für sinnvolle und wichtige Projekte sein, jedoch gibt es oft triftige Gründe, die gegen ein Vorhaben sprechen. Daher sind begründete Absagen oder Anpassungen eines Bauvorhabens für uns ein Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung."

– Karsten Stahl

Redaktion

Sie können nicht jedes gewünschte Bauvorhaben in die Tat umsetzen. Das stößt sicherlich oft auf Enttäuschung beim Gegenüber. Wie gehen Sie damit um?

Karsten Stahl

Hier setzen wir ganz stark auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit, indem wir unsere Beweggründe genau erläutern. Nur, weil wir ein Bauvorhaben gerade nicht befürworten können, heißt das nicht, dass es für alle Zeit abgelehnt ist. Es kann sein, dass uns zu dem Zeitpunkt die nötigen Ressourcen fehlen und das Vorhaben daher auf Später verschoben werden muss. Hier bemühen wir uns verlässliche Wege zu beschreiten und, dass die gemeinsamen Entscheidungen stets verständlich und transparent kommuniziert werden. So kann der Antrag-Steller des Bauvorhabens nachvollziehen, weshalb wir seinem Wunsch gerade nicht nachkommen können.

Redaktion

Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Vorgehensweise gemacht?

Karsten Stahl

Wir bemerken immer wieder, dass dieses Vorgehen auf Verständnis und Akzeptant stößt, denn oft wurde im Vorfeld schon viel Arbeit und Energie in das Vorhaben investiert. Wir möchten gerne Unterstützer für sinnvolle und wichtige Projekte sein, jedoch gibt es oft triftige Gründe, die gegen ein Vorhaben sprechen oder die es notwendig machen ein Stück weit Nutzerwünsche zu hinterfragen und Alternativen aufzuzeigen.

Die Transparenz, um die wir uns bemühen, die durchsichtigen Wege und nachvollziehbaren Entscheidungen helfen uns das Miteinander zu verbessern und Respekt auf allen Seiten zu schaffen. Ein meiner Meinung nach wertvolles Ergebnis auch der Organisationsentwicklung.

Redaktion

Wurde denn nicht schon immer Wert auf Achtung, Respekt und Wertschätzung gelegt?

Karsten Stahl

Ja das denke ich schon, jedoch glaube ich, dass manche Entscheidungen nicht so empfunden worden sind. Bekommt man nur eine einfache Absage ohne konkrete Erläuterung, kann es so empfunden werden, als sei die investierte Arbeit wertlos, gering geschätzt oder man selbst nicht ernst genommen. Das möchten wir nicht. Daher sind begründete Absagen oder Anpassungen eines Bauvorhabens nachdem man das gemeinsame Gespräch geführt hat für uns ein Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung.

Redaktion

Ist es auch manchmal schwer den Leitsatz in der täglichen Arbeit zu bedenken?

Karsten Stahl

Das ist es. Es ist wahrlich dann und wann eine Gradwanderung das Leitbild nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere dann, wenn wir spüren, dass man nicht fair mit uns umgeht.

Redaktion

Inwiefern kommt das vor?

Karsten Stahl

Es kann schon einmal passieren, dass Firmen, mit denen wir zusammen arbeiten, versuchen sich aufgrund unserer christlichen Handlungs-Maximen bereichern. Dann wird beispielsweise versucht Lücken in den Ausschreibungen zu finden und diese auf unsere Kosten auszulegen. Nur weil wir „Kirche“ sind, heißt es nicht, dass wir uns hin und her schubsen lassen und kein ernstzunehmender Bauherr bzw. Geschäftspartner sind. Denn wenn die Wertschätzung von „externer“ Seite fehlt, dann fällt es schon einmal etwas schwerer sportlich zu bleiben.

Als letzte Konsequenz sehen wir in solchen Fällen einem Rechtsstreit entgehen. Das ist nie unser Ziel und kommt zum Glück auch nicht häufig vor, aber manchmal bleibt uns keine andere Möglichkeit. Schließlich sind wir ein geschäftsfähiges Unternehmen, das im Interesse der Kirchensteuerzahler agieren muss.

Redaktion

Vielen Dank für das Gespräch.

Interviewreihe "7 Leitsätze zur Organisationsentwicklung"

Ein Beitrag von:

Lena Jordan
Redakteurin
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Erzbistum Paderborn
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33098 Paderborn

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