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6
Januar
2020

Bildungstage der Kirchenmusik fanden große Resonanz

Musik von Fauré, Tournemire und Vierne ins “Licht gesetzt”

Die diesjährigen Komponistengeburstage 175 Jahre Fauré und 150 Jahre Tournemire und Vierne standen im Fokus der Bildungstage der Kirchenmusik im Erzbistum Paderborn. Referatsleiter Prof. Dr. Paul Thissen lud zu einer Entdeckungsreise in das musikalische Schaffen dieser Komponisten, abseits des vordergründigen Orgelrepertoires, ein und freute sich über das rege Interesse der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker.

55 Interessierte folgten unter diesen Vorzeichen von Donnerstag 2. Januar bis Samstag 5. Januar im INVIA-Hotel Paderborn seiner Einladung und sahen sich einer Mischung aus Vorträgen, Chorproben und einem hochkarätigen Konzert in der Kaiserpfalz gegenüber.

Die Dekanatskirchenmusiker Tobias Leschke und Dr. Christian Vorbeck spannten die Bögen ihrer Erläuterungen um die Trias der Komponisten verortet im Pariser Musikleben um 1900 und um ganz Frankreich herum hinsichtlich der Entwicklung des Orgelbaus nebst der hieraus resultierenden Wechselwirkungen mit dem Oeuvre Viernes. Prof. Thissens Augenmerk galt im Besonderen dem in Deutschland weitgehend zu Unrecht ignorierten Kammermusikschaffen und der Gattung Symphonie. Anhand von Klangbeispielen, Quellenzitaten und biographischen Aspekten traten die Künstlerpersönlichkeiten aus den stoischen Lettern ihres Namens plastisch hervor.

Simon Daubhäußer hielt die Chorproben und konnte mit den, auf alle Stimmgruppen gleichmäßig verteilten, leistungsfähigen Stimmen in kurzer Zeit Stücke verschiedener Besetzungen und Schwierigkeitsgrade erarbeiten. Darunter waren gleichstimmigen Werke Faurés zu 2-3 Stimmen (Messe basse, Ave verum, Ave Maria, Vielle chanson) sowie vierstimmige Sätze Viernes (Tantum ergo und das Kyrie seiner Messe solennelle). Dank Dekanatskirchenmusiker Sebastian Freitags war spontan eine Probe im Hochchor mit der kathedralesken Orgelanlage unter seinen Händen möglich.

Konzert in der Kaiserpfalz

Den künstlerischen Höhepunkt markierte das Konzert in der gut besuchten Kaiserpfalz am Freitag Abend: je zwei mehrteilige Liedblöcke und zwei Violinsonaten von Fauré und Vierne kamen zu Gehör. Die junge schottisch stämmige Sopranistin Carine Tinney begleitet von Markus Gotthardt verlieh den tönenden Gedichten eine ausdrucksfreudige, vielschichtige und erzählerisch dichte Gestalt. Mit fulminanter technischer Beherrschung des Instruments und tiefer musikantischer Spannkraft spielte die Detmolder Violinprofessorin Marie-Elisabeth Lott virtuos begleitet von Christian Köhn die beiden Violinsonaten. Bilder von tröstenden Basiliskentränen, gleißenden Geysieren und mühelos fließenden Kaskaden konnten sich einstellen.

Nachdem sowohl das Orgel-, Chor- und Liedschaffen der Komponistentrias Fauré, Tournemire und Vierne durchaus bereits aus der Praxis des Musizierens und Hörens Vielen bekannt war, schlugen diese Tage eine Bresche für das kammermusikalische Schaffen von Fauré und Vierne und die symphonische Großmeisterschaft Tournemires – deren rechtschaffene Wertschätzung einst von Olivier Messiaen prophezeit worden war. Tournemires 6. Symphonie wurde dann zum spirituellen Brenn- und Schlusspunkt der diesjährigen Tagung.

Die Teilnehmer der Bildungstage der Kirchenmusik im Erzbistum Paderborn. (Foto: Simon Daubhäußer)

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