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15
November
2020
15.November.2020

Mit jungem, vielfältigem Gesicht präsentiert

Interview mit Monsignore Dr. Michael Bredeck zu Erfolgen des Diözesantags und der Frage, wann es Ergebnisse geben wird

Der Morgen danach. Die erste Euphorie ist verflogen, Rückmeldungen prallen auf die eigenen Eindrücke. Was bleibt beim Blick zurück auf den ersten digitalen Diözesantag des Erzbistums Paderborn? Monsignore Dr. Michael Bredeck, Leiter des Bereichs Entwicklung und Kommunikation stellt sich den Fragen.

Monsignore Dr. Michael Bredeck, beim Diözesantag haben Sie vorgegeben: „Wir müssen uns ehrlich machen“.  Dann sagen Sie mal ehrlich, wie geht’s Ihnen heute, am Morgen danach?

Monsignore Dr. Michael Bredeck

Mir geht’s heute sehr gut. Ich bin froh, dass das alles so funktioniert hat. Ich habe technische Probleme bei den Freiräumen wahrgenommen, aber insgesamt bin ich mit dem Gesamtbild sehr zufrieden.

Die vielschichtige Realität war heute Morgen allerdings auch schnell präsent. Ich hatte gerade eine schöne Open-Air- Messe gefeiert, auf die ein nicht so schönes Nachgespräch folgte. Eine Dame hat mich sehr verärgert auf meine Predigt angesprochen, in der es vom Evangelium ausgehend um das Einbringen der Talente ging. Sie wäre am liebsten davon gelaufen, weil ich – als Vertreter einer Kirche, die Frauen daran hindert, ihr Talente einzubringen – so unsensibel war, genau das nicht im gleichen Atemzug zu kritisieren. Meine Predigt sei sogar zynisch gewesen. Sie sehen: die Eindrücke des Diözesantags gehen mir positiv nach und können bei einer solchen Anfrage doch keine Hilfe sein.

Ist das „ehrlich machen“ gelungen?

Bredeck

Für mich war das „ehrlich machen“ im Vorfeld des Diözesantags besonders damit verbunden, nach vorne zu blicken und ehrlich zu sagen, dass wir mit Blick auf das Jahr 2030 und danach als Christinnen und Christen eine Minderheit sein werden. Es kommt eine Zeit, in der die prägende gesellschaftliche und auch persönlich prägende Kraft der Kirche, die wir noch in den Knochen tragen, verschwunden sein wird. Darauf müssen wir uns vorbereiten, ob wir das wollen oder nicht. Gestern ist es gut gelungen, die Knackpunkte innerhalb der einzelnen bearbeiteten Themen zu schärfen. Insofern geht es mir mit dem „ehrlich machen“ gut.

Direkt im Anschluss an den Diözesantag sagten Sie in einem Rückblick: „Man müsste jetzt eigentlich feiern“… Das ging aufgrund der Corona-Pandemie ja nicht. Aber: Was denn feiern?

Bredeck

Den Erfolg dieses Tages. Dass der Diözesantag unter diesen Voraussetzungen überhaupt und so gelungen stattgefunden hat. Dass sich so viele Menschen in der Vorbereitung beteiligt haben. Ich habe das Zitat eines Unternehmensberaters im Ohr, der sagte, dass wir es im Generalvikariat nicht gewohnt sind, Erfolge zu feiern. Doch selbst wenn der Tag gestern ein Erfolg war – die Themen, um die es ging, lösen sich dadurch nicht auf.

Welcher Moment war für Sie am intensivsten?

Bredeck

Für mich war das gemeinsame Gebet von unserer Mitarbeiterin Ina Sasse und Erzbischof Becker ein Gänsehaut-Moment. Das Gebet hat den Diözesantag wunderbar zusammengefasst.

Insgesamt hat mich bewegt, dass – außer der Bistumsleitung, die nun mal alle Männer sind – überall Tandems von Mann und Frau sowie viele jüngere Kolleginnen und Kollegen sichtbar wurden. Da hat sich die Kirche von Paderborn mit einem jungen, vielfältigen Gesicht präsentiert.

Sonst treten wir oft mit einer gewissen Schwere auf. Und diese Schwere liegt auch noch in den inhaltlichen Themen. Da war gestern bei aller Anspannung eine Leichtigkeit spürbar. Es wurde mir deutlich, dass die Kirche von Paderborn nicht in einer Problemschwere verharrt, sondern das, was möglich ist, mit Kraft, Professionalität und Entschiedenheit angeht.

Jetzt gilt der Blick auf die Jahre 2030+. Arbeiten Sie schon morgen daran?

Bredeck

Ja. Ich sehe derzeit vor allem zwei Aufgaben. Erstens, die Inhalte des Diözesantags zu verbreiten. Zweitens, den diözesanen Weg nach 2030+ zu planen, da bisher nur das Diözesane Forum und Beteiligungsformate bis dahin terminiert sind.

Morgen überlege ich mit der Kommunikationsabteilung, wie der erste Abschnitt des Wegs zum Diözesanen Forum unterlegt werden kann. Zum Beispiel können die 100-sekündigen Filme zu den Schlüsselthemen auch für die Arbeit vor Ort wichtig sein.

Schnell geht es dann auch damit weiter, das strategische Zielbild für das Erzbistum Paderborn zu entwickeln. Das soll kurz und prägnant werden, was gleichzeitig bedeutet, dass darin viel Arbeit fließen muss.

In einer der Diskussionen in den Freiräumen des Diözesantags fragte ein Pfarrer: „Diskutieren wir nur oder gibt es auch Ergebnisse?“. Wann wird es Ergebnisse geben?

Bredeck

Ich hoffe beim Diözesanen Forum. Es gibt einerseits Ergebnisse auf Bistumsebene: Regelungen, die etwas für alle vor Ort verändern, wie jetzt die Entscheidung zur Feier von Wortgottesdiensten mit Kommunionausteilung. Ich stelle mir vor, dass aus den Schlüsselthemen konkrete Vorschläge zur Umsetzung erarbeitet werden. Das sollte so formuliert werden, dass dann damit konkret gearbeitet werden kann. Doch wir auf Bistumsebene können niemals so konkrete Ergebnisse produzieren, wie es vor Ort möglich ist. Da haben Diözesane Foren ihre Grenzen.

Deswegen soll es andererseits auch vor Ort Ergebnisse geben, die auf Basis des strategischen Zielbildes des Erzbistums Paderborn entwickelt werden. Im Idealfall können Zukunftsbilder für die einzelnen Gliederungen der Diözese auf Grundlage des strategischen Zielbildes entwickelt werden.

Msgr. Dr. Michael Bredeck spricht beim digitalen Diözesantag.
Msgr. Dr. Michael Bredeck spricht beim digitalen Diözesantag.

Für mich spannend war beim Diözesantag, dass die Art und Weise, wie die verschiedenen Themenfelder angegangen werden sollen, recht gleich schienen. Stichworte wie „Bedürfnisse der Menschen wahrnehmen“, „für Menschen da sein“, „Vielfalt ermöglichen“ fielen immer wieder. War das so beabsichtigt?

Bredeck

Das hat sich so ergeben, wundert mich aber nicht, weil das genau die zentralen Aussagen des Zukunftsbilds sind. Vereinfacht gesagt: Entweder lässt sich die Kirche auf die Zeit und die Bedürfnisse der Menschen ein, oder sie scheitert, sie verfehlt ihren Auftrag.

Es wird  immer noch zu viel Kirche von uns her gestaltet, also in der Haltung, zu wissen, was nötig ist oder gebraucht wird. Natürlich ist das Evangelium uns als ,Thema’ vorgegeben. Aber damit es Resonanz finden kann, müssen wir die Bedürfnisse von Menschen kennen, auf die wir dann mit dem Evangelium eingehen können. Evangelisierung beginnt mit Zuhören. Und der Frage: Was ist denn Kern des Evangeliums?

Das andere Thema ist, die Ressourcen für die Zukunft bereitzustellen. Dahinter verbirgt sich ein vermutlich großer Konflikt: Wofür setzt die Kirche ihre Ressourcen und ihr Personal ein, wenn es insgesamt deutlich weniger wird? Wo werden Ressourcen abgezogen? Insofern hat der Diözesantag kein harmonisches Programm geboten. Ich habe zwei Mal bewusst von pastoraler Umkehr gesprochen.

Das Diözesane Forum im kommenden Jahr wird auf dem Diözesantag aufbauen. Was kann das Forum leisten?

Bredeck

Erstens weiß ich noch nicht, wie dieses Forum aussehen wird, weil das in Corona-Zeiten schwierig zu prognostizieren ist. Ich vermute, dass wir bis März einen Lockdown light oder andere Beschränkungen haben, die für die geplanten Dialogräume keine Präsenzformate mit mehr als 20 Menschen erlauben werden. Dann haben wir noch ein Viertel-Jahr bis zum Forum.

Ich vermute, dass das Forum ein hybrides Event sein wird. An mehreren Orten mit jeweils 50 bis 100 Menschen, die vor Ort diskutieren und sich zum Stream aus Paderborn dazu schalten.

Beim Forum wird das strategische Zielbild für das Erzbistum Paderborn vorgestellt und diskutiert werden. Das Forum müsste dann den Startschuss für die Erarbeitung von ,Zukunftsbildern‘ in den Pastoralen Räumen und darüber hinaus geben. Von daher wären dezentrale Veranstaltungen auch gut dafür geeignet, den Auftakt für die Erarbeitung dieser Zukunftsbilder zu geben. Wenn gemeinsam erforscht wird, wie sich das strategische Zielbild zu einem Zukunftsbild in meiner Schule, Kita oder Kirchengemeinde umsetzen lässt – das könnte ein gutes Ergebnis des Forums sein.

Msgr. Dr. Bredeck, vielen Dank für das Gespräch.

Dialogräume nach dem Diözesantag

Nach dem digitalen Diözesantag 2020 wird es auf dem Weg zum Diözesanen Forum 2021 digitale Dialogräume geben. Dort sollen die Themen vertieft und weiterentwickelt werden. Nähere Informationen folgen, die Termine stehen bereits fest:

“Erzbistum 2030+ / Wie geht es weiter?”
28.11.2020 von 10 bis 12 Uhr

“Leitung wahrnehmen”
01.12.2020 von 19 Uhr bis 20:30 Uhr

“Engagement fördern”
04.12.2020 von 17 bis 19 Uhr

“Corona und die Zukunft der Kirche”
14.12.2020 und 24.02.2021 jeweils von 19 bis 20.30 Uhr

“Pastorale Räume weiter denken”
10.12.2020 und 03.02.2021 jeweils von 18 bis 20 Uhr

“Liturgie und Sakramente feiern”
09.12.2020 von 19 bis 20:30 Uhr

“Für Menschen da sein”
15.012021 von 17 bis 19 Uhr und 06.03.2021 von 10 bis 15 Uhr (digitaler Fachtag zum Thema)

“Immobilienstrategie des Erzbistums”
13.01.2021 von 17 bis 19 Uhr

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redakteur
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