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12
Juni
2020
12.Juni.2020

Kommunionvorbereitung – ein Entdecken

Online-Diskussion: Wie kann die Erstkommunion in Corona-Zeiten sinnvoll gefeiert werden?

Es klingt nach einem Mammutprogramm: 14 Erstkommunionfeiern an zwei Tagen. Diesen Plan verfolgt derzeit der Pastorale Raum Attendorn, um die verschobenen Feiern nachzuholen. Es sei der Versuch, jedes Kind in den Mittelpunkt zu stellen – in der Kirchengemeinde und Zuhause in der Familie. Das berichtete Andreas Neuser, Pfarrer im Pastoralen Raum Attendorn und Dechant des Dekanats Südsauerland, bei der zweiten Online-Diskussion „Glauben im Dialog“ am Mittwoch. Das Thema: Erstkommunion in Corona-Zeiten – ein Fest mit Hindernissen?!

„Die Kommunionfeiern sind derzeit ein heißes Thema, das landauf, landab diskutiert wird“, sagte Moderatorin Dr. Annegret Meyer, Leiterin der Abteilung „Glauben im Dialog“ des Generalvikariats, zu Beginn der Runde. Gemeinsam mit Neuser diskutierten auf dem Podium Daniel Feldmann, Gemeindereferent im Pastoralen Raum Bad Driburg, Marie-Simone Scholz, Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Gütersloh und Klemens Reith, Abteilung „Glauben im Dialog“, Sakramentenpastoral.

Dechant Neuser berichtete von drei Alternativen in seinem Dekanat. Erstens das Programm, das sein Pastoraler Raum Attendorn fährt. An zwei Tagen gehen in 14 Gottesdiensten die Kinder zur Heiligen Kommunion. Sechs Messen werden allein in Attendorn gefeiert. Jede Familie erhalte Plätze in zwei Kirchenbänken. „Dabei ist natürlich die Frage, welche Bilder wir bedienen“, sagte Neuser. „Erstkommunion als großes Familienfest hat hier eine große Wertigkeit, es ist ein sehr emotionales Thema. Gerade für Menschen, die kaum eine Bindung an das Glaubensleben haben. Alles, was da geändert wird, verunsichert die Leute auch.“

Erstkommunion im “normalen” Gottesdienst?

Die zweite Möglichkeit: Die Kinder empfangen die Erste Heilige Kommunion während eines „normalen“ sonntäglichen Gottesdienstes. So laufe es beispielsweise im Pastoralverbund Wendener Land. Als dritte Alternative nennt Neuser, das die Kinder im nächsten Jahr gehen könnten, wenn sich die Lage entspannt hätte. „Das könnte aber praktisch schwierig werden, wenn es dadurch zu viele Kinder auf einmal werden“, sagte der Dechant.

Die Möglichkeit des Verschiebens besteht hingegen im Pastoralen Raum Gütersloh schon, wie Gemeindereferentin Scholz erzählte. Die Kinder, die in diesem Jahr noch nicht gehen, sollten im kommenden Jahr aber nicht mit dem neuen Jahrgang vermischt werden. Außerdem berichtete sie, dass es dort zusätzlich die Möglichkeit zu Open-Air-Feiern der Erstkommunion geben wird. „Das wird dann freier, mit Gesang und mehr Beteiligung“, sagte Scholz. Dafür sei man aber vom Wetter abhängig, im Zweifel müsste man die Heilige Messe mit Regenschirm feiern.

 

Klemens Reith arbeitet zum Thema Sakramentenpastoral im Bereich Glauben im Dialog.
Klemens Reith arbeitet zum Thema Sakramentenpastoral im Bereich Glauben im Dialog.

Verstehen, dass Jesus mein Freund ist

Klemens Reith sieht in der aktuellen Lage auch eine Chance , sich nicht auf die eine Feier der Erstkommunion zu konzentrieren. „Es geht darum, die Kinder für ihre Jesusbeziehung zu begeistern, die eine Fortsetzungsgeschichte ist und  nicht nach der Erstkommunion endet.“ Daher sieht er es als spannend an, wenn Kinder im regulären Gottesdienst zum ersten Mal die Heilige Kommunion empfangen – und später gemeinsam mit Kindern ihres Jahrgangs die große Erstkommunionfeier mit Familie und besonderer Kleidung begehen. „Mich fasziniert daran, dass die Kinder im kleinen Rahmen eher für sich erleben können,  was es heißt, zur Kommunion zu gehen“, sagte Reith. „Das Familienfest mit Geschenken ist wichtig, aber gelingt es, dass Kinder dort verstehen, dass Jesus Christus mein Freund ist? Das ist die zentrale Frage“. Seiner Meinung nach könne das in den kleinen Momenten eher als in der großen Feier erlebt werden.

Ein spannender Gedanke, der Moderatorin Dr. Annegret Meyer zu der Frage führte: „Welche vorbereitenden Maßnahmen sind dann in diesem Jahr sinnvoll?“ Man könne die Kinder ja nicht von 0 auf 100 ins Gewand stecken.

Kommunionvorbereitung – ein Entdecken

Gemeindereferent Daniel Feldmann sagte, dass für ihn Kommunionvorbereitung einem Entdecken gleiche. In normalen Jahren vor allem ein Entdecken der Gemeinschaft, nun vielleicht ein Entdecken des Betens in der Familie. „Wir versuchen daher, über Brief- und Homepagekontakt die Themen der Erstkommunion wachzuhalten“, sagte Feldmann. Außerdem sehe er große Möglichkeiten darin, dass die Kinder in Weggottesdiensten mit bis zu fünf Familien den Rahmen des Gottesdienstes kennenlernen. Weggottesdienste stünden auch im Pastoralen Raum Gütersloh auf dem Programm, sagte Gemeindereferentin Scholz. Außerdem habe das Pastoralteam eine digitale Möglichkeit geschaffen – die App Actionbound, mit der die Kinder die Themen der Erstkommunionvorbereitung wie in einer Schnitzeljagd erkunden können.

„Hier wird deutlich, welche Gratwanderung das ist “, antwortete Klemens Reith. „Meine Sorge ist, dass ehrenamtliche Katechetinnen und Katecheten vergessen werden. Die Kommunionvorbereitung sollte nicht nur in Profi-Händen liegen. Auf Dauer brauchen wir Amateure, Liebhaber, die als Schlüsselfiguren Katechese gestalten.“

Doch neben all der Mühe und Sorge um eine gelingende Kommunionvorbereitung fand Reith auch eindrückliche Schlussworte. „Ich denke an die Erfahrungen, von denen Weihbischöfe bei Firmungen berichten. Sie wissen genau, wann das Moment der Firmung gegriffen hat – und zwar, wenn sie das Strahlen in den Augen der jungen Menschen sehen. Dieses Staunen über die Gegenwart Gottes zu behalten, wird etwas ganz Wichtiges werden. Wir sollten uns nicht zu viele Gedanken darüber machen, was bei den Kindern ankommt. Da sorgt jemand anderes für. Gott ist immer schon da, auch in der Erstkommunionvorbereitung.“

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redakteur
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