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29
April
2020
29.April.2020

Die Perspektiven von Frauen müssen sichtbarer werden

Interview mit Dr. Annegret Meyer zu Aktionen am Gedenktag der hl. Katharina von Siena

Am 29. April 2020 begeht die katholische Kirche den Gedenktag der hl. Katharina von Siena, italienische Mystikerin und seit 1970 auch Kirchenlehrerin. In diesem Jahr ist ihr Gedenktag Auftakt einer Reihe von Workshops und Gottesdiensten, mit der das Erzbistum Paderborn die Aktion „Frauen verkünden das Wort“ aufgreift, eine Initiative der Arbeitsstelle Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz. Aufgrund der Corona-Pandemie kann der Auftakt „nur“ virtuell stattfinden. Mit organisiert hat die Aktion Dr. Annegret Meyer, Leiterin der Abteilung „Glaube im Dialog“ im Erzbischöflichen Generalvikariat.

Redaktion

Was bedeutet Ihnen die Hl. Katharina von Siena persönlich?

Dr. Annnegret Meyer

Für mich war immer schon imponierend, wie die hl. Katharina von Siena im Mittelalter ihre Frau gestanden hat. Wie sie die Zeichen der damaligen Zeit erkannt und dies in Predigten auch aufgegriffen hat. Gerade als Predigerin passt sie dann auch wunderbar zu der Aktion „Frauen verkünden das Wort“, die Frauen ja dazu ermutigen möchte, die Bibel auszulegen und so ihre Perspektive einzubringen. Da kann man sich bei Katharina von Siena viele Inspirationen holen, auch wenn diese schon Jahrhunderte alt sind. Ohne Frage ist sie bis heute ein Vorbild.

Redaktion

Dass das Erzbistum die Aktion „Frauen verkünden das Wort“ aufgreift, ist eine Folge der 2. Frauenkonferenz, die am 10. Dezember 2019 stattgefunden hat. Inwiefern?

Dr. Annegret Meyer

Die Aktion wurde bekannt, als wir die Frauenkonferenz vorbereitet haben. Auf der Konferenz selbst hat dann eine große Gruppe dazu gearbeitet. Daran sieht man, dass es ein wichtiges Anliegen ist, die Perspektiven von Frauen auf ihren Glauben und auf Bibeltexte hör- und sichtbarer zu machen. Frauen im Erzbistum machen da sehr unterschiedliche Erfahrungen machen: Manche Frauen sind in ihrer Kompetenz gefragt, wenn es um die Auslegung von Bibeltexten geht, aber das ist längst nicht überall so. Das muss selbstverständlicher werden – so lautete eine Forderung der Frauenkonferenz.

Redaktion

Was bedeutet das, wenn Frauenperspektiven hörbarer werden?

Dr. Annegret Meyer

Das Verständnis der Heiligen Schrift, unsere gesamte Sicht auf Glauben und Leben wird vollständiger. Dabei soll niemandem etwas weggenommen werden, sondern es geht darum, die Perspektive von Frauen dazuzulegen. Daraus entsteht ein größerer Gewinn für alle. Wie wichtig vollständige Perspektiven sind, wurde kürzlich bei einer sehr aktuellen Frage deutlich: Die Forscher der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, haben für die Bundesregierung Empfehlungen bezüglich des Umgangs mit der Corona-Pandemie gegeben. Da diesem Gremium fast nur Männer angehören, fehlte die Perspektive von Frauen. Es war einfach nicht im Blick, was die Empfehlungen etwa für Alleinerziehende bedeuten oder für Frauen mit kleinen Kindern… das macht die Empfehlungen der Leopoldina nicht falsch, aber eben unvollständig.

Dr. Annegret Meyer
Dr. Annegret Meyer
Redaktion

Am Gedenktag der hl. Katharina von Siena begehen Frauenverbände seit über 20 Jahren den „Tag der Diakonin“. Wie hat dies die Aktion mitgeprägt?

Dr. Annegret Meyer

Die Frauenverbände haben sich schon lange von der Hl. Katharina inspirieren lassen. Sie halten mit dem „Tag der Diakonin“ eine Leerstelle offen, markieren buchstäblich Veränderungsbedarf. Veränderungsbedarf ist ein Stichwort, das uns bei der Frauenkonferenz auch bewegt hat und verbindet. Wir wissen, dass es bezüglich dieser Frage derzeit keine einheitliche Linie gibt, weder im Erzbistum noch in der gesamten Kirche. Uns ist wichtig, dass die unterschiedlichen Positionen, die sich derzeit nicht versöhnen lassen, trotzdem alle einen Raum finden und dass wir diesen Raum auch offen halten – wie jetzt mit unserem Gottesdienst. Eine andere Art, den Raum offen zu halten, ist für mich das gemeinsame Gebet. Wenn wir im Bewusstsein beten könnten, dass nicht alle die gleiche Position teilen in strittigen Fragen, aber trotzdem den Wunsch haben, beieinander zu bleiben, dann erreichen wir eine neue Ebene des Miteinanders.

Redaktion

Der Gottesdienst, der online zur Verfügung steht, steht unter dem Thema „gerecht“. Wo ist Gerechtigkeit aus Ihrer Sicht gerade besonders aktuell?

Dr. Annegret Meyer

Wo Gerechtigkeit notwendig ist, führt uns die Corona-Krise ja gerade vor Augen. Sie macht deutlich, dass Arbeit in Care-Berufen, etwa in Krankenhäusern oder in der Altenpflege, im Wesentlichen von Frauen geleistet wird. Das sind Dienste, die uns halten und tragen, die aber nicht gerecht entlohnt werden und bis zur Corona-Krise wenig Wertschätzung erfahren haben. Außerdem wird bei Frauen oft vorausgesetzt, dass sie unbezahlte Care-Arbeit leisten, vor allem in der Familie… es handelt sich also um ein Thema, das den kirchlichen Raum übersteigt und das im Übrigen nicht nur für Frauen relevant ist.

Redaktion

Wie werden die Anliegen der Frauenkonferenz im Erzbistum Paderborn nach diesem Tag weitergeführt?

Dr. Annegret Meyer

Zunächst einmal wollen wir die Aktion „Frauen verkünden das Wort“ mit weiteren Veranstaltungen aufgreifen – in welcher Form dies in diesem Jahr noch möglich ist, können wir aufgrund der Corona-Krise heute leider nicht sagen. Die gleiche Unsicherheit gilt bezüglich der Gesamtheit der Themen, die bei der Frauenkonferenz besprochen wurden. Wir haben alle gesichtet und wir wollen damit weiterarbeiten – die Form ist noch offen, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass wir stark mit unseren Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten werden. Ursprünglich sollte das Diözesane Forum am 13./14. November 2020 ein fester Punkt sein, an dem erneut auf diözesaner Ebene über das Frauenthema gesprochen werden soll. Dies ist nun auf Juni 2021 verschoben worden, so dass die 3. Frauenkonferenz am 6. März 2021 die nächste große Veranstaltung sein wird.

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