Schriftgröße
normal
größer
groß
Kontakt Karriere & Jobs Erzbistums-Webseite
wir.desk-Login Suche
Kontakt
Gestaltungselement Navigation
1
Juni
2020
1.Juni.2020

„Die geistige Kommunion hat neue Aktualität erhalten“

Interview mit Andreas Biermann zu Möglichkeiten eucharistischer Gemeinschaft in Corona-Zeiten

Zu Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen ab März 2020 haben zahlreiche kirchliche Persönlichkeiten, darunter auch Papst Franziskus, die altehrwürdige Praxis der geistigen bzw. geistlichen Kommunion empfohlen. Sie sahen darin eine Möglichkeit, die eucharistische Gemeinschaft in dieser besonderen Situation lebendig zu erhalten. Was steckt hinter dieser Tradition? Fragen an Andreas Biermann von der Projektstelle Eucharistiekatechese im Erzbischöflichen Generalvikariat.

Redaktion

Seit wann ist die geistige Kommunion ein Thema für die Kirche?

Andreas Biermann

Am Beginn des Mittelalters vermieden immer mehr Menschen den leiblichen Empfang der Eucharistie – Gründe können überhöhte Ehrfurcht oder zu große Skrupel gewesen sein. Päpste und Konzilien fühlten sich deshalb immer wieder dazu veranlasst, einen häufigeren Empfang von ihnen zu fordern. Gleichzeitig gab es bedeutende Stimmen, die die geistige Kommunion als eigene, in sich sinnvolle Weise empfahlen, um sich mit dem Herrn zu vereinen: Thomas von Aquin, Alfons Maria von Liguori, die Mystikerin Teresa von Avila bis hin zu Karl Rahner. Sie taten dies freilich mit dem festen Blick auf die Fülle, die der leibliche Empfang der Eucharistie bereithält. Mit den Worten Teresas von Avila: „Wenn ihr nicht kommuniziert und an der Hl. Messe teilnehmt, könnt ihr geistlich kommunizieren. Diese Übung bringt reiche Früchte… So prägt sich in euch stark die Liebe unseres Herrn ein“.

Redaktion

Wie schätzen Sie die Lage mit Blick auf den Empfang von Sakramenten grundsätzlich ein?

Andreas Biermann

Beim Gang in die Kirche sowie bei der Teilnahme an Gottesdiensten bleibt trotz aller getroffenen hygienischen Vorsichtsmaßnahmen ein Restrisiko. Freilich besteht dieses Risiko überall dort, wo andere Menschen sind. Beim Empfang der Sakramente ist wegen der wesentlichen leiblichen Komponente besondere Vorsicht geboten, egal ob dies eine Taufe oder Firmung, eine Beichte oder Krankensalbung ist. Andererseits sollte der Empfang dieser Sakramente, mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen auch in der Zeit der Pandemie nicht unterbleiben, etwa durch einen größeren Abstand bei der Beichte. Er ist sogar eher noch nötiger, denn die Sakramente sind die Lebensquellen der Kirche und ihres geistlichen Lebens. Dies trifft besonders auf die Eucharistie als „Quelle und Höhepunkt“ des kirchlichen Lebens zu, die im Idealfall gewissermaßen ja das „tägliche Brot“ der Kirche ist.

Andreas Biermann, Projektstelle Eucharistiekatechese
Andreas Biermann, Projektstelle Eucharistiekatechese

“Während der Aussetzung öffentlicher Gottesdienste kam es für viele Gläubige zu einem Aufbrechen des Gewohnten in einem positiven Sinn, von manchen wurde die Möglichkeit der geistigen Kommunion wiederentdeckt und so ein neuer, vertiefter Zugang zur Eucharistie. Auch wenn nun wieder öffentliche Gottesdienste unter strengen Auflagen stattfinden können, bleibt die geistige Kommunion eine sinnvolle Möglichkeit.”

Andreas Biermann

Redaktion

Welche Möglichkeiten haben Gläubige mit Blick auf den Eucharistieempfang?

Andreas Biermann

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die jeder und jede Einzelne für sich abwägen kann: einmal natürlich, die Eucharistie während der Heiligen Messe zu empfangen. Darüber hinaus kann man die Eucharistie aber auch unkompliziert außerhalb der Messfeier empfangen – hier sieht das entsprechende liturgische Buch einige Möglichkeiten vor, auch abgesehen von der Krankenkommunion. Es handelt sich hierbei also durchaus um einen vorgesehenen Teil der kirchlichen Sakramentenpraxis, wenn der Empfang während der Messe nicht möglich ist oder, wie in der aktuellen Lage, nicht für jeden ratsam erscheint. Und schließlich besteht die Möglichkeit zum geistigen Empfang der Kommunion. Die erforderliche Abwägung sollte die Kirche dem Einzelnen nicht abnehmen, etwa durch ein Verbot des Kommunionempfangs, aber sie kann die bestehenden Möglichkeiten aufzeigen und erschließen.

Redaktion

Was haben Sie mit Blick auf die geistige Kommunion in den vergangenen Wochen beobachtet?

Andreas Biermann

Diese Form hat neue Aktualität erhalten. Sei es Zuhause, während des Live-Streams einer Heiligen Messe, sei es in der Kirche während der eucharistischen Anbetung oder mit dem Blick auf den Tabernakel, sei es zu jeder Zeit an jedem Ort. Viele Organistinnen und Organisten sowie Angehörige von Chören wissen ohnehin um die hilfreiche Praxis, sich während der Heiligen Messe dem Herrn in der Eucharistie auch in geistiger Weise nähern zu können. Auch für viele Kranke und andere, die auf die leibliche Mitfeier der Heiligen Messe verzichten müssen, ist das Wissen um diese Möglichkeit ein großer Trost. Während der Aussetzung öffentlicher Gottesdienste kam es für viele Gläubige zu einem Aufbrechen des Gewohnten in einem positiven Sinn, von manchen wurde die Möglichkeit der geistigen Kommunion wiederentdeckt und so ein neuer, vertiefter Zugang zur Eucharistie. Auch wenn nun wieder öffentliche Gottesdienste unter strengen Auflagen stattfinden können, bleibt die geistige Kommunion eine sinnvolle Möglichkeit

Redaktion

Wie ist das Verhältnis zwischen geistiger Kommunion und leiblichem Eucharistieempfang?

Andreas Biermann

Obwohl zur vollständigen Feier der Eucharistie ihr leiblicher Empfang gehört, so ist dieser in der Heiligen Messe doch nicht obligatorisch. Die Teilnahme an einer Messe kann zudem auch dann große geistliche Früchte für den Einzelnen und die Gemeinschaft bringen, wenn nicht alle leiblich kommunizieren: sei es in Lob und Dank, sei es durch das Hören und Bedenken des Wortes Gottes, das die ganze Feier durchzieht, sei es im eigenen und gemeinschaftlichen Gebet und im Gebet mit dem Priester, insbesondere beim eucharistischen Hochgebet. Nicht zuletzt aber auch in der Verbundenheit mit dem eucharistischen Herrn durch die innerlich tätige Sehnsucht und Anbetung, im Wunsch nach dem leiblichen Empfang und der Vereinigung mit ihm, die wir geistige Kommunion nennen. Dies kann einerseits geschehen als Vorbereitung, andererseits sogar in gewisser Weise als Vorwegnahme der hoffentlich bald wieder risikofreien leiblichen Vereinigung mit dem Herrn. Sie steht dieser dabei nicht nach, sondern führt zu ihr hin. Dementsprechend betete Papst Franziskus am 20. März während der live übertragenen Frühmesse: „In Erwartung des Glückes der wirklichen heiligen Kommunion möchte ich Dich geistiger Weise empfangen. Komme zu mir, lieber Jesus, denn ich komme zu Dir.“

Ein Beitrag von:

Dr. Claudia Nieser
Redakteurin
Gestaltungselement Footer

Erzbistum Paderborn
Domplatz 3
33098 Paderborn

Tel. +49 (0)5251 125-0 (Zentrale Erzbischöfliches Generalvikariat)
Fax +49 (0)5251 125-1470
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de